Hans-Joachim Watzke und Bernd Neuendorf.

UEFA-Kongress in Belgrad Neuendorf und Watzke vor Wiederwahl in UEFA- und FIFA-Gremien

Stand: 02.04.2025 09:38 Uhr

Beim UEFA-Kongress in Belgrad werden Teile des UEFA-Exekutivkomitees sowie europäische Vertreter im FIFA-Rat neu oder wiedergewählt - auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf und DFL-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke stehen zur Wahl.

Die Plätze bringen viele Vorteile für die Funktionäre: Im UEFA-Exekutivkomitee und im FIFA-Rat werden wichtige Kontakte geknüpft, Verhandlungen geführt, Infos ausgetauscht - und eine Menge Geld gibt es außerdem.

FIFA-Rat: Keine Konkurrenz für Neuendorf

Für Neuendorf gibt es bei seiner Wiederwahl als UEFA-Vertreter im FIFA-Rat keinerlei Konkurrenz. Vier UEFA-Mitglieder im FIFA-Rat werden in Belgrad bestimmt, genau vier Kandidaten gibt es dafür: Razvan Burleanu (Rumänien), Georgios Koumas (Zypern) und Dejan Savicevic (Montenegro) stehen wie Neuendorf alle drei zur Wiederwahl, Herausforderer gibt es keine.

Außerdem steht mit Belgiens Verbandspräsidentin Pascale van Damme eine Kandidatin für den europäischen Platz im FIFA-Rat zur Wahl, der einer Frau garantiert ist. Die Italienerin Evalina Christillin gibt das Amt auf. Die Plätze könnten also - wie so oft im Fußball - per Akklamation und ohne eine echte Abstimmung vergeben werden.

FIFA-Präsident Gianni Infantino (l.) und DFB-Präsident Bernd Neuendorf

FIFA-Präsident Gianni Infantino (l.) und DFB-Präsident Bernd Neuendorf

Die Amtszeit beträgt vier Jahre. Der Posten garantiert Neuendorf und allen anderen Mitgliedern des FIFA-Rats 250.000 US-Dollar brutto pro Jahr. Die Vergütung durch den DFB in Höhe von rund 240.000 Euro, bei dem Neuendorf im Herbst für drei Jahre zur Wiederwahl steht, kommt hinzu.

Der FIFA-Rat ist das höchste Gremium im Weltverband. Er ist das Nachfolgeorgan des skandalumwitterten FIFA-Exekutivkomitees und geriet zuletzt selbst in den Blickpunkt, als es in einem vom norwegischen Verband als intransparent kritisierten Verfahren alle Maßnahmen ergriff, um die WM 2034 nach Saudi-Arabien zu vergeben.

UEFA-Exekutivkomitee: Gerangel um wenig Plätze, Watzke mittendrin

Im UEFA-Exekutivkomitee muss es dagegen eine Abstimmung geben, denn es gibt deutlich mehr Kandidaten als freie Plätze. Sieben Posten werden vergeben, elf Männer wollen sie haben. Darunter befindet sich mit Hans-Joachim Watzke der Präsidiumssprecher und Aufsichtsratschef der DFL.

Kandidaten für vierjährige Amtszeit Exekutivkomitee
Person Land
Dominique Blanc Schweiz
Gabriele Gravina* Italien
Cezary Kulesza Polen
Marijan Kustić Kroatien
Ari Lahti Finnland
Armen Melikbekyan Armenien
Frank Paauw Niederlande
Aivar Pohlak Estland
Pedro Proença Portugal
Hugo Quaderer Liechtenstein
Hans-Joachim Watzke* Deutschland

*stehen zur Wiederwahl

Abstimmungsverhalten des DFB mit Blick auf Frauen-EM 2029

Die Kandidaten müssen eine absolute Mehrheit der gültigen abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen und dabei mindestens vier der anderen Kandidaten hinter sich lassen, um gewählt zu werden. Für den DFB stellt sich bei seinem Abstimmungsverhalten auch die Frage, welche Kandidaten den DFB bei der Bewerbung um die EM der Frauen 2029 unterstützen werden. Die Konkurrenten sind Italien, Polen und Portugal, die ebenfalls Kandidaten stellen.

Watzke würde damit seine Rolle als "Multifunktionär" fortsetzen. Als DFL-Aufsichtsratschef will er im Herbst wiedergewählt werden, was ihm den Posten als 1. DFB-Vizepräsident sichert. Hinzu käme weiter die Rolle im UEFA-Exekutivkomitee. Seinen Posten im Vorstand der mächtigen Klub-Vereinigung ECA hatte er aufgegeben. Watzkes Hauptjob ist aber derzeit die des Geschäftsführers bei Borussia Dortmund, wo er sein Ausscheiden angekündigt hat.

Borussia Dortmunds Vorsitzender der Geschäftsführung, Hans-Joachim Watzke

Borussia Dortmunds Vorsitzender der Geschäftsführung, Hans-Joachim Watzke

Seit 2017 erhalten Mitglieder des UEFA-Exekutivkomitees 160.000 Euro pro Jahr. Watzke erhält neben seinem Gehalt in Dortmund und dem Honorar der UEFA auch eine Vergütung vom DFB, verzichtet dort dem Verband zufolge aber auf ein Drittel dieser Zahlungen.

Diejenigen Exko-Mitglieder, die Vizepräsidenten oder Vizepräsidentinnen der UEFA sind, bekommen 250.000 Euro im Jahr. Das Gehalt des UEFA-Präsidenten Aleksander Ceferin betrug zuletzt 2,875 Millionen Schweizer Franken.

Auch Israels Verbandspräsident steht zur Wahl

Zudem werden zwei Plätze für eine halbe Amtszeit vergeben, nachdem Luis Rubiales aus Spanien (übergriffiges Verhalten gegen die Spielerin Jennifer Hermoso) und Andrii Pavelko aus der Ukraine (Vorwürfe zu Korruption, Unterschlagung und Betrug) vorzeitig ihre Posten geräumt hatten.

Aus Spanien und der Ukraine kommen potenzielle Nachfolger, darunter mit Andrii Shevchenko ein echter Fußballstar. Doch auch Funktionäre aus anderen Ländern bewerben sich. Darunter ist Moshe Zuares vom Fußballverband Israel. Seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel vom 7. Oktober führt Israel im Gazastreifen einen Krieg, der viel internationale Kritik auf sich zieht.

Moshe Zuares, Präsident des israelischen Verbands

Moshe Zuares, Präsident des israelischen Verbands

Der palästinensische Verband PFA kritisierte in einem Brief an die UEFA die Kandidatur von Zuares, weil dieser auch eine Integritätsprüfung der UEFA durchlaufen musste. In dem Schreiben verwies der Verband auf einen Spielbetrieb israelischer Teams in Siedlergebieten, der gegen die Statuten der FIFA erfolge.

Diese Gebiet sei Territorium des palästinensischen Verbands. Auf FIFA-Ebene fordert die PFA auch aus diesem Grund erfolglos die Suspendierung Israels bei der FIFA. Die PFA ist Mitglied in der asiatischen Konföderation AFC. Die AFC schloss Israel 1974 aus, der israelische Verband kam über Umwege dann in die UEFA.

Kandidaten für zweijährige Amtszeit Exekutivkomitee
Person Land
Vadims Ļašenko Lettland
Rafael Louzán Abal Spanien
Andrii Shevchenko Ukraine
Bjorn Vassallo Malta
Moshe Zuares Israel

Quotenplatz: Diesmal greift Klaveness zu

Erstmals wird in Belgrad eine zweite Frau in das UEFA-Exekutivkomitee gewählt. Seit 2016 gab es einen Quotenplatz, den aktuell UEFA-Vizepräsidentin Laura McAllister aus Wales hält. 2023 wurde sie gewählt. Damals stand auch Norwegens Verbandspräsidentin Lise Klaveness zur Wahl, doch sie bewarb sich um die allgemeinen Plätze, die bis heute ausschließlich von Männern besetzt werden. "Ich will als Verbandspräsidentin gewählt werden, nicht als Frau", sagte sie damals.

Klaveness trat in der Verbandspolitik immer wieder für Transparenz oder die Einhaltung von Menschenrechten ein, sie war ein "Stein im Schuh" der Infantino-geführten FIFA. Bei der UEFA wurde ihr 2023 gezeigt, dass diese Rolle wohl nicht sonderlich gewünscht ist, sie fiel mit nur 18 von 55 Stimmen durch. Nun wird ein zweiter Quotenplatz vergeben - diesmal greift Klaveness zu, eine Konkurrentin gibt es nicht.

Norwegens Verbandspräsidentin Lise Klaveness

Norwegens Verbandspräsidentin Lise Klaveness