Gianni Infantino beim UEFA-Kongress in Belgrad

UEFA-Kongress in Belgrad Infantino: "Hoffe auf Russland zurück in der Fußballlandschaft"

Stand: 03.04.2025 11:20 Uhr

FIFA-Präsident Gianni Infantino hat seine Hoffnung auf eine Rückkehr Russlands in den internationalen Fußballspielbetrieb geäußert. Russland drängt auf seine Rückkehr, in der UEFA gibt es aber noch Widerspruch.

Von Chaled Nahar, Belgrad

"Es laufen Gespräche über Frieden in der Ukraine", sagte Infantino beim UEFA-Kongress in Belgrad am Donnerstag (03.04.2025). "Ich hoffe, dass wir bald zum nächsten Schritt übergehen und Russland wieder in die Fußballlandschaft einbinden können, denn das würde bedeuten, dass alles gelöst ist." Rahmenbedingungen für einen Frieden nannte er nicht.

Am Mittwoch hatte sich im Umfeld eines Luxushotels in Belgrad bereits das UEFA-Exekutivkomitee getroffen, das wichtigste Gremium des europäischen Fußballverbands. Russland und seine Rückkehr standen dort nicht auf der Tagesordnung. "Der Status quo hat sich nicht verändert. Es ist also kein Thema", sagte der deutsche Vertreter Hans-Joachim Watzke nach der Sitzung. Über Russland, das unvermindert seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt, sei bei dem Meeting nicht gesprochen worden.

Flaggen von Russland und der UEFA

Flaggen von Russland und der UEFA

"Sobald der Krieg vorbei ist, werden wir sofort spielen"

"Jeder spricht hier darüber", sagte dagegen Wjatscheslaw Koloskow. Er ist Ehrenpräsident des russischen Fußballverbands, saß selbst jahrelang im UEFA-Exekutivkomitee und reiste mit der russischen Delegation nach Belgrad, wo am Donnerstag mit dem UEFA-Kongress die Vollversammlung der 55 UEFA-Mitglieder stattfindet. "Die Rückkehr Russlands steht zwar nicht auf der Tagesordnung", sagte Koloskow im Gespräch mit der Sportschau. "Aber im Hintergrund ist es ein großes Thema."

Wjatscheslaw Koloskow

Wjatscheslaw Koloskow, Ehrenpräsident des russischen Fußballverbands

In einem stimmte er Watzke zu. "Ich denke, es ist im Moment absolut unmöglich. Aber wenn es Gespräche gibt, gibt es auch Fortschritte", sagte Koloskow. "Sobald der Krieg vorbei ist, werden wir sofort spielen." Und für ein Ende des Krieges gebe es nun eine Chance. "Es gibt einen Vermittler in Form der Vereinigten Staaten. Im Herbst wird alles vorbei sein."

Verbandschef Djukow: "Moment der Rückkehr rückt näher"

Zuvor hatte mit Alexander Djukow auch der aktuelle Präsident des russischen Verbands klare Erwartungen geäußert. "Der Moment der Rückkehr rückt näher", behauptete Djukow der russischen Nachrichtenagentur "TASS" zufolge. "Es wird nicht morgen passieren. Aber wir gehen davon aus, dass noch in diesem Jahr eine Entscheidung getroffen werden kann", sagte Djukow und spekulierte: "Die Wahrscheinlichkeit liegt bei über 50 Prozent." Beim russischen Sender "Match TV" brachte er Spiele auf neutralem Platz in Serbien als Übergangslösung ins Spiel.

Alexander Djukow, Präsident des russischen Fußballverbands

Alexander Djukow, Präsident des russischen Fußballverbands

Verwunderung bei einigen Funktionären

Bei einigen UEFA-Funktionären, die sich nicht alle öffentlich äußern wollten, herrschte eher Verwunderung über den Druck aus Russland. Viele verwiesen darauf, dass zahlreiche Länder weiter nicht gewillt sind, gegen Russland zu spielen. DFB-Präsident Bernd Neuendorf sagte: "Fakt ist, dass sich an der Ausgangslage, die zur Suspendierung russischer Mannschaften geführt hat, leider nichts geändert hat."

Doch einheitlich ist das Bild nicht. Zuletzt sendeten UEFA und FIFA Signale der Öffnung aus. Zoran Laković, in der UEFA als Direktor für die Nationalverbände zuständig, besuchte den russischen Verband bei dessen Kongress in Moskau. "Ich hoffe, dass in diesem Jahr der russische Sport, einschließlich der Fußballnationalmannschaft, endlich dahin zurückkehrt, wo er vor dieser Situation war", sagte Laković einem Bericht des russischen Verbands zufolge.

Zoran Laković, UEFA-Direktor Nationalverbände beim RFU-Kongress in Moskau

Zoran Laković, UEFA-Direktor Nationalverbände beim RFU-Kongress in Moskau

Jesper Möller, Präsident von Dänemarks Fußballverband und Mitglied im UEFA-Exekutivkomitee, sprach von einem Wunsch "in Teilen von UEFA und FIFA", russische Mannschaften wieder zuzulassen. Möller schränkte allerdings ein: "Wenn nichts in Bezug auf ein Friedensabkommen oder irgendetwas anderes passiert, wird sich an der aktuellen Situation nichts ändern."

Dänermarks Verbandschef Jesper Möller ist auch Mitglied im UEFA-Exekutivkomitee.

Dänermarks Verbandschef Jesper Möller ist auch Mitglied im UEFA-Exekutivkomitee.

Krieg war nie offizieller Grund für Suspendierung

Die UEFA und der Weltverband FIFA haben sich bei ihrer Suspendierung der russischen Teams nicht direkt auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine bezogen, sondern auf "Sicherheitsgründe", die Wahrung der "Integrität des Wettbewerbs" und den "reibungslosen Ablauf der Spiele".

FIFA und UEFA hatten nach Beginn des russischen Angriffs noch versucht, Russland ohne Flagge und Hymne unter dem Namen "Fußballverband aus Russland" statt als "Russland" mitspielen zu lassen. Die Verbände aus Polen, Schweden und Tschechien kündigten damals an, in den Playoffs der Qualifikation zur WM 2022 nicht gegen Russland anzutreten.

"Das polnische Nationalteam wird nicht gegen Russland spielen, egal wie das Team genannt wird", teilte der polnische Verbandspräsident Cezary Kulesza damals mit. Eine zweistellige Zahl europäischer Verbände folgte dem Beispiel, der DFB befand sich nicht darunter. Damit war "der reibungslose Ablauf der Spiele" gefährdet.

Der FIFA und der UEFA blieben keine Wahl mehr: Sie suspendierten die russischen Teams von einer Teilnahme an ihren Wettbewerben, Russlands Verband legte vergeblich Einspruch beim internationalen Sportgerichtshof CAS ein.

Wann Russland wo zurückkehren könnte

Für Russlands Weg zurück in den Spielbetrieb erscheinen verschiedene Zeitpunkte möglich oder unmöglich:

Wimpel, Trikots, Flagge - Russlands U15 beim "Entwicklungsturnier" der UEFA

Wimpel, Trikots, Flagge - Russlands U15 beim "Entwicklungsturnier" der UEFA

  • Männer-Nationalmannschaft: Für die Qualifikation zur WM 2026 käme eine solche Entscheidung wohl zu spät. Die Spiele laufen. Die Qualifikation für die EM 2028 in Großbritannien und Irland ist die realistischere Option.
  • Frauen-Nationalmannschaft: Die Qualifikation für die WM 2027 in Brasilien beginnt erst im Februar 2026, hier könnte ein russisches Team leichter hinzugefügt werden als bei den Männern. Das Feld für die EM 2025 steht bereits, die Endrunde ist ausgelost.
  • Männer-Teams in Klubwettbewerben: Gewöhnlich endet Mitte Mai die Frist, Teams für die Champions League, die Europa League und die Conference League anzumelden. Russland hätte aktuell theoretisch ein Anrecht auf einen Startplatz in der 2. Qualifikationsrunde der Champions League und zwei Startplätze in der 2. Qualifikationsrunde der Conference League. Außerdem dürfte der Pokalsieger in der 1. Qualifikationsrunde der Europa League spielen.
  • Frauen-Teams in Klubwettbewerben: Auch hier endet die Frist gewöhnlich im Mai. Es gibt ab der Saison 2025/26 zwei Turniere. Sowohl in der Champions League als auch im neu geschaffenen Europa Cup hätte Russland das Anrecht auf zwei Plätze in der Qualifikation.
  • Jugendteams: Während DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke im UEFA-Exekutivkomitee und später auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf im FIFA-Rat unter Widerspruch des Bundesinnenministeriums der Wiederzulassung russischer U17-Teams zustimmten, drohten wieder mehrere andere europäische Verbände mit Boykott. Die Umsetzung des Beschlusses wurde deshalb aufgeschoben. Dieser müsste nur in Kraft gesetzt werden, wenn andere Teams zu Spielen gegen Russland bereit sind. Bei den "Youth Development"-Turnieren der UEFA für U15- und U16-Teams spielte Russland auch nach Beginn des Angriffs auf die Ukraine mit - auch Hymnen, Trikots und der Name "Russland" sind dort erlaubt.