
UEFA-Kongress in Belgrad Weitere Amtszeit bis 2031? Ceferin lässt die Tür offen
Aleksander Ceferin befindet sich in seiner dritten Amtszeit als UEFA-Präsident - nun wird er zu einer vierten aufgefordert, die es eigentlich nicht geben sollte. Die Option hält er sich offen. Möglich macht das eine Statutenänderung aus dem vergangenen Jahr.
Tritt er 2027 doch noch mal an, nachdem er das zuvor verneint hatte? "Lasst uns über den heutigen Kongress sprechen", sagte Ceferin in der Pressekonferenz nach dem UEFA-Kongress in Belgrad am Donnerstag (03.04.2025). "Ich habe viele Sachen gehört, ihr habt viele Sachen gehört - es ist nicht die Zeit, darüber zu sprechen." 2024 hatte er nach dem Kongress in Paris gesagt: "Ich plane nicht, 2027 noch mal anzutreten." Nun ließ er eine Änderung dieser Pläne ausdrücklich offen.
Aus Deutschland kam deutlich der Wunsch nach einer Fortsetzung. "Ich sehe weit und breit keinen, der das in dieser Perfektion machen kann wie Aleksander", sagte Hans-Joachim Watzke, der kurz zuvor ins UEFA-Exekutivkomitee wiedergewählt worden war. "Ich wünsche mir das extrem und das weiß er auch." DFB-Präsident Bernd Neuendorf sagte: "Die Verbände arbeiten immer gut, wenn es an der Spitze Stabilität gibt. Er führt den Verband ruhig und besonnen." Ähnlichen Zuspruch erfährt Ceferin aus zahlreichen anderen Nationalverbänden. Und bislang hat keine andere Person im europäischen Fußball öffentlich Ansprüche auf den Posten angemeldet.

DFB-Präsident Bernd Neuendorf
Statutenänderungen machen den Weg theoretisch frei
Für Ceferin wäre es die vierte Amtszeit. Die UEFA-Statuten sehen eigentlich eine Beschränkung auf drei Amtszeiten vor. Beim Kongress 2024 brachte die UEFA-Spitze jedoch Statutenänderungen durch. Diese bedeuten, das Ceferins erste Amtszeit von 2016 bis 2019 nicht bei der Amtszeitbegrenzung angerechnet wird. Dadurch hatte er formal erst von 2019 bis 2023 seine erste Amtszeit und von 2023 bis 2027 seine zweite. Der Weg für eine weitere Wahl von 2027 bis 2031 ist rechtlich damit frei.
Vor dem Beschluss der Statutenänderungen hatte es eine regelrechte Debatte dazu gegeben, was in der Fußballpolitik eher ungewöhnlich geworden ist. Der englische Verband in Person des UEFA-Schatzmeisters David Gill erhob deutlichen Widerspruch, mit Zvonimir Boban trat der "Bereichsleiter Fußball" der UEFA aus Protest zurück. Boban war viele Jahre ein Vertrauter Ceferins. "Er verfolgt seine persönlichen Ziele", sagte Boban mit Blick auf Ceferin und fügte an: "Mit diesen Gedanken bin ich nicht alleine."

Zvonimir Boban, früher Bereichsleiter Fußball bei der UEFA
Fast trotzig sagte Ceferin nach der Annahme der Statutenänderungen in Paris 2024, dass er keine erneute Kandidatur "plant". Er habe seine Entscheidung schon ein halbes Jahr zuvor getroffen, sie aber bewusst nicht verkündet. "Denn ich wollte die wahren Gesichter einiger Leute sehen - und ich habe sie gesehen", sagte Ceferin damals.
DFB unterstützte die Statutenänderungen
Die Statutenänderungen wurden vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) öffentlich unterstützt. Die UEFA und Ceferin sowie der DFB argumentierten damals, dass die Änderung notwendig sei, um die Statuten dem Schweizer Recht anzupassen, dem die in der Schweiz ansässige UEFA unterliegt. Die Formulierung der Amtszeitbegrenzung wäre in der vorherigen Form nicht wirksam gewesen.
Ein entscheidendes Detail: Nach dem bisherigen Wortlaut zählen die vor dem 1. Juli 2017 abgeschlossenen Amtszeiten nicht zur Amtszeitbeschränkung, begonnene Amtszeiten aber schon. Und das widerspreche Schweizer Recht, so die Argumentation.

DFB-Präsident Bernd Neuendorf (l.) mit UEFA-Präsident Aleksander Ceferin
Mehrere Sportrechtler widersprachen damals dieser Sichtweise. Die UEFA-Kommission für Rechtsfragen schlug die Statutenänderungen trotzdem vor, auch die Macht des Exekutivkomitees wurde durch die Neuformulierung der Statuten ausgeweitet. Die Änderungen wurden mit wenigen Gegenstimmen vom Kongress in Paris angenommen. DFB-Vizepräsident Ralph-Uwe Schaffert ist Teil der besagten Kommission, geleitet wird das Gremium aber vom dänischen Verbandspräsident Jesper Möller.

Dänermarks Verbandschef Jesper Möller ist auch Mitglied im UEFA-Exekutivkomitee.
Mehrere Verbände signalisierten bereits Unterstützung
Möller, der auch im UEFA-Exekutivkomitee sitzt, hatte sich bereits Anfang März bei einer Vorstandssitzung des dänischen Verbands für eine weitere Amtszeit Ceferins ausgesprochen. Zuletzt hatte eine Gruppe von elf südosteuropäischen Verbänden Ceferin ohne Bezug auf eine Wiederwahl eine "bedingungslose Unterstützung" zugesagt. Darunter befinden sich die Verbände aus Kroatien, Serbien, Albanien, der Türkei und Griechenland.
Es folgte eine ähnliche Mitteilung durch die "Gruppe der Fußballverbände kleiner Staaten Europas", in der beispielsweise Gibraltar, Montenegro, Andorra und San Marino Mitglieder sind.
Auch Infantino könnte vier Amtszeiten bis 2031 haben
Ceferin kam bei der UEFA wie Gianni Infantino bei der FIFA im Jahr 2016 nach den großen Skandalen in der FIFA in das Präsidentenamt. Sepp Blatter (FIFA) und Michel Platini (UEFA) hatten damals ihre Posten räumen müssen. Beide Verbände gaben sich danach die Vorschrift einer Beschränkung auf drei Amtszeiten.
FIFA-Präsident Infantino machte während der WM in Katar darauf aufmerksam, dass seine erste Amtszeit aus seiner Sicht nicht bei der Amtszeitbegrenzung zählt, weil sie nur drei statt vier Jahre dauerte, es war die Restlaufzeit von Blatters letzter Amtszeit. Er ließ sich diese Sichtweise vom FIFA-Rat offiziell bestätigen und kann nun ebenfalls 2027 erneut bis 2031 gewählt werden. Offen ist, ob 2031 Amtszeitbeschränkungen noch gelten werden. Denn der Trend ist ein anderer: Die asiatische Konföderation schaffte die Beschränkung 2024 ab.

FIFA-Präsident Gianni Infantino betritt die Bühne bei der Auslosung der FIFA-Klub-Weltmeisterschaft