Eugen Benzel, Sportdirektor der Volleyballerinnen des SC Potsdam. Quelle: imago images/Beautiful Sports

Manager des SC Potsdam Volleyball-Manager Benzel vom SC Potsdam: "Solche Querelen lässt man nicht innerhalb einer Saison hinter sich"

Stand: 02.04.2025 15:29 Uhr

Der SC Potsdam ist bereits im Viertelfinale der Volleyball-Bundesliga ausgeschieden. Eine Enttäuschung sei das aber nicht, sagt Sportdirektor Benzel. Er spricht im Interview auch über die finanzielle Konsolidierung des Klubs und den neuen Trainer.

rbb24: Herr Benzel, vier Tage ist das Playoff-Aus Ihrer Mannschaft im Viertelfinale nun her. Haben Sie die Enttäuschung schon verkraftet?
 
Eugen Benzel: Eigentlich gab es nur unmittelbar nach dem Spiel am Samstagabend eine Enttäuschung. Schon am nächsten Tag habe ich die Saison Revue passieren lassen und festgestellt, dass wir bei den Möglichkeiten, die die Mannschaft bekommen hat, und bei den Umständen, die wir zu Beginn der Saison hatten, ein klasse Jahr gespielt haben.
 
Wir sind mit einem kleinen, dezimierten Kader gestartet und die Erwartungen waren nicht hoch. Das Team ist trotzdem gut reingekommen, wir haben einen sehr tollen internationelen Wettbewerb gespielt und mit dem Erreichen des Halbfinals des Challenge Cups mal wieder Vereinsgeschichte geschrieben. Bei jeweils knappem Ausscheiden im Pokal und in der Meisterschaft kann man insgesamt wirklich zufrieden sein. Auch wenn sich die Mannschaft ein Halbfinale und eine Medaille wirklich verdient gehabt hätte.

Enttäuschung bei den Spielerinnen des SC Potsdam (Quelle: imago images/Eibner)
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Wo lagen die Gründe, dass Sie die Meisterschaft - anders als in den Vorjahren - in dieser Saison nicht ernsthaft angreifen konnten?
 
Die Zusammenstellung des Kaders war sicher einer. Die Mannschaft hat sich schnell gefunden und es ist ihr gelungen, schnell ein richtiges Team zu werden. Die Zeit um den Jahreswechsel ist immer die schwerste Phase. Im Januar haben wir Europapokal gespielt, dazwischen Bundesliga mit langen Fahrten - das raubt Energie. Das ging bis in den Februar hinein und wir hatten in diesem Zeitraum auch unsere Schwächephase.
 
Danach haben wir uns aber wieder gefangen. Die Spiele gegen Suhl waren dann - wie in den letzten vier Jahren auch immer - sehr eng. Da ging es um Nuancen, die zwischen Sieg und Niederlage entscheiden. Wir haben in dieser Saison aber auch selten weiter nach vorne geschaut, weil die ersten Drei in der Tabelle einfach ein anderes Budget haben. Damit wollten wir uns dieses Jahr nicht messen.

Ihr aktueller Trainer Riccardo Boieri wird den Klub nun verlassen. Sie gehen mit Vladimir Kapris in die neue Saison. Was zeichnet ihn aus?
 
Als wir einen neuen Trainer gesucht haben, wurden uns Namen vorgeschlagen und Trainer haben sich bei uns beworben. Da ist dann plötzlich jeder Coach der beste. Wir müssen aber nicht den besten Trainer finden, sondern den, der am besten zu Potsdam passt. Das war also die Schwierigkeit. Wir haben uns Zeit genommen und uns beraten. Es sollte jemand sein, der Potsdam kennt und hier auch schon mal war. Wir wollten ungern von null beginnen.
 
Vladimir war vor drei Jahren schon mal bei uns, damals als Assistenztrainer unter Guillermo Hernández. Ich habe mir von ehemaligen Spielerinnen von damals Meinungen eingeholt. Sie haben gesagt, dass er sehr sachlich, fachlich, kompetent, ruhig und mit viel Volleyballwissen arbeitet. Auch mit Guillermo Hernández selbst habe ich natürlich gesprochen. Dann sind wir auf einen Nenner gekommen, auch, weil er zuletzt noch Erfahrung in der Bundesliga als Co-Trainer und Cheftrainer in Bukarest gesammelt hat.

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Ist bereits absehbar, wie stark die Veränderungen im Kader sein werden?
 
Die Kollegen aus Stuttgart sind ja schon vorgeprescht und haben veröffentlicht, dass drei Spielerinnen von uns zu ihnen gehen werden (Eleanor Holthaus, Anna Koulberg, Yurika Bamba, Anm. d. Red.). Das ist leider wie in jedem Jahr: Wenn du international erfolgreich bist, ist das Interesse an den Spielerinnen sehr hoch.
 
Wir sind also in bestimmten Verhandlungen. Wir wollen ein schlagfertiges Team für die nächste Saison zusammenbauen. Der Transferstrudel beginnt leider immer sehr früh. Wir machen dabei nur das, was wir uns leisten können. Wir haben aber auch Spielerinnen wie Alina Nasin oder Michelle Bachmann, die sowieso für die nächste Saison noch einen Vertrag haben. Leni Kirchhoff hat es super gemacht und wird von uns einen richtigen Profivertrag bekommen. Wir wollen die Weichen also auch mit eigenen Talenten stellen.

Sie haben die Führungs- und Finanzquerelen zu Beginn der Saison, über die viel berichtet wurde, schon angerissen. Hat der Klub das vollständig hinter sich gelassen?
 
So etwas lässt man nicht innerhalb einer Saison hinter sich. Wir spüren natürlich noch Nachwehen, an denen wir arbeiten, die wir aber gut im Griff haben. Wir wollen uns finanziell noch besser aufstellen in den nächsten Jahren und alle Partner bei uns halten. Das ist der Grundstein dafür, dass wir weiter Volleyball spielen.

Vielen Dank für das Gespräch.
 
Das Interview führte Jonas Bürgener.