Mathias Gidsel und die Füchse Berlin ziehen ins Viertelfinale der Handball-Champions-League ein. (Foto: IMAGO / Foto Lächler)

Handball-Champions-League Füchse kämpfen sich trotz zweier Verletzungen ins Viertelfinale

Stand: 02.04.2025 21:37 Uhr

Nach dem deutlichen Hinspielsieg reicht den Füchsen Berlin im Rückspiel ein Remis gegen Kielce, um ins Viertelfinale der Champions League im Handball einzuziehen. Das Weiterkommen wurde mit zwei Verletzten allerdings teuer erkauft.

Die Füchse Berlin haben erstmals seit 13 Jahren das Viertelfinale der Handball-Champions-League erreicht. Dem Vizemeister um den überragenden Welthandballer Mathias Gidsel genügte am Mittwoch gegen Industria Kielce ein 37:37 (21:24), um sich dank des souveränen Vorsprungs aus dem Hinspiel (33:27) durchzusetzen.
 
Die Füchse mussten während der Partie die Ausfälle von Ex-Nationalspieler Fabian Wiede, der sich bei einer Abwehraktion am Rücken verletzte, und DHB-Profi Tim Freihöfer verkraften.
 
Im Kampf um die Teilnahme am Final Four in Köln (14./15. Juni) wartet Ende des Monats nun das dänische Starensemble von Aalborg HB auf die Mannschaft von Trainer Jaron Siewert.

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Hohes Tempo von Beginn an

Die Füchse Berlin starteten defensiv etwas passiv in die Begegnung und gingen nach drei Minuten mit 2:4 in Rückstand. Mathias Gidsel sorgte jedoch nach fünf Minuten für einen ersten eigenen Höhepunkt, erzielte den 3:4-Anschlusstreffer und provozierte zugleich die erste Zwei-Minuten-Strafe für Kielce. Eine Aktion, die die Max-Schmeling-Halle erstmals zum Kochen brachte und die Füchse in der Partie anmeldete. So entwickelte sich ein ausgeglichenes Kräfteverhältnis – nach zehn Minuten stand es dank beiderseitig guter Wurfquoten und vielfältiger Angriffsmuster 9:9.
 
In der 11. Minute brachte Gidsel die Berliner mit seinem 100. Champions-League-Treffer erstmals in Führung (11:10). Der Welthandballer präsentierte sich von Anpfiff an in herausragender Verfassung, schulterte seine offensive Verantwortung trotz enger Manndeckung seitens Kielce souverän.
 
Der polnische Gegner hielt jedoch sehr gut mit und das Ergebnis permanent eng. Kein Team konnte sich in einem rasanten Schlagabtausch ohne Verschnaufpausen und Taktieren absetzen, nach 20 Minuten stand es bereits 16:15. Bis hierher konnten die Angreifer und nicht die Abwehrreihen glänzen. Auch die Torhüter waren kaum ein Faktor.

Zwei schwerwiegende Verletzungen schwächen die Füchse

Ein Wermutstropfen für die schwungvolle Begegnung war die Verletzung von Füchse-Leistungsträger Fabian Wiede, der aufgrund von Rückenproblemen und starken Schmerzen nach einigen Minuten nicht mehr mitwirken konnte. In den letzten zehn Minuten des ersten Durchgangs konzentrierten sich die beiden Abwehrreihen nun mehr auf ihre Kompaktheit und härtere Zweikampfführung.
 
Die daraus resultierenden Fouls, Zeitstrafen und Verletzungspausen störten erstmals den Spielrhythmus, die Tore fielen nun nicht mehr im Sekundentakt. Berlins Tim Feihöfer musste nach 25 Minuten ebenfalls das Feld verletzt verlassen, nachdem er bei einer Landung unglücklich umgeknickt war. Die schwerwiegenden Ausfälle zeigten Wirkung bei den Füchsen, die nachlässiger wurden. Kielce entschied so die erste Halbzeit mit 24:21 für sich.

Mijajlo Marsenic (Füchse Berlin) trägt den verletzten Tim Freihöfer (Füchse Berlin) vom Feld. (Foto: IMAGO / Matthias Koch)

Füchse Freihöfer

Ein intensiver Abnutzungskampf

Die ersten Minuten des zweiten Durchgangs kamen weniger torreich daher. Die Torhüter sammelten deutlich mehr Paraden als noch in den ersten 45 Minuten, die Abwehrreihen standen gefestigter. Nach den ersten fünf Minuten fielen nur drei Tore, die Füchse wirkten mental wieder gefestigter und verkürzten auf 24:25. Es entwickelte sich ein echtes Momentum für das kämpferisch starke Heimteam, das Kielce kaum noch vor das eigene Tor ließ und nach 41 Minuten durch einen verwandelten Siebenmeter zum 28:28-Ausgleich kam.
 
Nun wollte auch in der zweiten Halbzeit keine Ruhe mehr einkehren. Kielce war bemüht, das Hinspiel zu egalisieren, doch die Füchse blieben giftig und konzentriert. Es entwickelte sich ein intensiver Abnutzungskampf, in dem Kleinigkeiten entschieden, die Teams selten mehr als zwei Punkte trennten und die Uhr für die Hauptstädter schlug.
 
Füchse-Torhüter Dejan Milosavljev wurde in der Schlussviertelstunde durch gute Paraden immer mehr zu einem Faktor – es wurde zäh für Kielce, die Mühe hatten, Dynamik gegen die leidenschaftlich verteidigenden Füchse zu entwickeln. Der Aufbau ihrer Angriffe dauerte immer länger, ihnen fehlten die klaren Ideen gegen den Berliner Block. Nach 50 Minuten stand es 33:31 für die Polen.

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Kielces Doppelfehler entscheidet das Spiel

Es war allerdings zu spüren, dass den Füchsen allmählich die Kräfte ausgingen. Sie konnten nur noch wenige eigene Akzente in der Offensive setzen, ließen eigene Ballbesitzphasen sträflich ungenutzt. Es fehlten bei allen Abwehrbemühungen Entlastung und eigene Treffer. Sieben Minuten vor Spielende führte Kielce mit 35:31, es wurde brenzlich für die Füchse.
 
Doch nur kurz, denn um die 55. Minute kam es zum entscheidenden Doppelfehler der Polen, die zweimal ohne Torhüter den Ball verloren, sodass die Füchse nach den beiden Ballgewinnen jeweils nur noch einwerfen mussten – und so auf 35:36 verkürzten. Die sichtbar ausgelaugten Berliner, erhielten nun auch dank der eigenen Fans eine zweite Luft und gingen zwei Minuten vor Schluss mit 37:36 in Führung. Kielce war nach dem Doppelfehler sichtlich angeschlagen, konnte keine Durchschlagskraft mehr kreieren und nur noch den Treffer zum 37:37-Endstand erzielen.

Sendung: rbb24, 02.04.2025, 21:45 Uhr