
Fußball | Bundesliga 5 Gründe, warum Heidenheim jetzt auch Leverkusen schlagen kann
In der Fußball-Bundesliga trifft der 1. FC Heidenheim am 28. Spieltag auf Bayer 04 Leverkusen. Kann der wiedererstarkte FCH auch gegen das Spitzenteam gewinnen?
Der Meister kommt: Bayer 04 Leverkusen gastiert am Samstag (05.04.2025, ab 15:30 Uhr im sportschau.de-Livecenter) beim 1. FC Heidenheim. Die Rheinländer spielen zwar um den zweiten Titel in Folge, haben aber das Halbfinal-Aus im DFB-Pokal zu verdauen. Auf der anderen Seite ist der FCH zuletzt immer besser in Schwung gekommen und trifft nun womöglich zum besten Zeitpunkt auf die Spitzenmannschaft von Xabi Alonso.
SWR Sport kennt fünf Gründe, warum Heidenheim jetzt auch gegen Leverkusen gewinnen kann:
1. Heidenheim kann Leverkusen
Zugegeben: In ihrer noch jungen Bundesliga-Historie konnten die Heidenheimer selten mit Bayer 04 mithalten. Mal abgesehen von der ersten Halbzeit des Hinspiels der laufenden Saison, als die Mannschaft von Trainer Frank Schmidt zwischenzeitlich sogar mit zwei Toren Vorsprung führte, fielen die Ergebnisse teils sehr deutlich aus: 2:5, 1:2, 1:4 – zwischen diesen beiden Teams waren die Verhältnisse eigentlich immer geregelt. Eigentlich.
In der Saison 2018/19 nämlich feierte der FCH seinen ersten und bislang einzigen Pflichtspielsieg gegen die Werkself. Ein 2:1 im Achtelfinale des DFB-Pokals bescherte dem damaligen Zweitligisten einen überraschenden Einzug in die nächste Runde. Mit Torwart Kevin Müller, den Verteidigern Patrick Mainka und Norman Theuerkauf sowie Mittelfeldspieler Niklas Dorsch standen vier Profis in der Startelf, die heute immer noch oder wieder in Heidenheim sind. Den Beweis, dass der FCH Leverkusen bezwingen kann, hat der Club bereits vor Jahren angetreten.
2. Heidenheim kann Top-Clubs
Zurück zum Geschehen in der Bundesliga: Das bis heute engste Duell mit Bayer lieferte sich die Schmidt-Elf beim 1:2 in der Rückrunde der vergangenen Saison im eigenen Stadion auf dem Heidenheimer Schlossberg – jenem Ort, der sich bei Heimspielen gegen Top-Clubs aus Deutschland und Europa regelmäßig zu einem Happy Place für den FCH und seine Fans verwandelt.
In der abgelaufenen Spielzeit wurde hier der Rekordmeister aus München mit 3:2 niedergerungen, Vizemeister VfB Stuttgart verlor mit 0:2 und auch Champions-League-Club Borussia Dortmund kam nicht über ein 0:0 hinaus. Im zweiten Bundesliga-Jahr mögen diese Highlights vielleicht noch fehlen – aber selbst beim 0:2 in der Conference League gegen Chelsea hatten die Heidenheimer ein Topspiel abgeliefert. Kurzum: Kommen die Großen, wird oft auch der 1. Fußballclub eine Nummer größer.
3. Pieringer und Co. können leiden
Was den Bundesliga-Abstiegskampf betrifft, war Heidenheim am vergangenen Wochenende durch das 1:0 beim VfL Wolfsburg der große Gewinner des 27. Spieltags. Für DIE Szene dieser Partie sorgte Marvin Pieringer, und das sogar mit Blut im Gesicht: Nach einem Zweikampf musste eine Platzwunde im Gesicht des Angreifers getapt werden, nur kurze Zeit später holte er einen Elfmeter heraus und verwandelte diesen selbst.
Einsatz, den Trainer Schmidt und Kapitän Mainka hinterher unisono als Szene mit Symbolcharakter für den Auftritt des FCH bezeichneten. "Jeder einzelne Spieler ist an die Schmerzgrenze gegangen", sagte der Coach und verteilte ein ähnliches Sonderlob an Pieringers Sturmpartner Budu Zivzivadze. Leidensfähigkeit – die Kicker aus dem Brenztal haben sie rechtzeitig zum Saisonendspurt wiederentdeckt.
4. Der FCH weiß wieder, wo das Tor steht
Klingt banal, ist aber im Vergleich zum 8. Februar in der Tat ein gewaltiger Entwicklungsschritt. An jenem Samstagnachmittag, als Heidenheim knapp beim SC Freiburg verlor, war Schmidt von außen betrachtet an der Seitenlinie schier wahnsinnig geworden. Immer wieder ruderte er mit seinen Armen, er zeigte seinen Spielern auf dem Rasen mit großen und eindeutigen Bewegungen an, in welcher Richtung das gegnerische Tor zu finden gewesen wäre. Ohne Erfolg.
Kein eigener Treffer beim Sport-Club (0:1), kein eigener Treffer gegen St. Pauli (0:2), Mainz 05 (0:2) oder Mönchengladbach (0:3) – offensiv war der FCH im Jahr 2025 lange Zeit viel zu harmlos. Das änderte sich spätestens mit dem 3:1 gegen Holstein Kiel vor rund zwei Wochen. Neben Top-Torjäger Pieringer (sieben Treffer) ist auch Winter-Neuzugang Zivzivadze (zwei Tore und eine Vorlage in den vergangenen drei Spielen) endlich in der Spur.
5. Heidenheim spielt seine Tugenden aus
Zwei Siege sowie ein Unentschieden aus den vergangenen drei Spielen: Diese Mini-Serie hat die Heidenheimer im Tabellenkeller auf den Relegationsplatz geführt. Alles nur Ergebnisfußball? Von wegen!
In Wolfsburg zum Beispiel gewannen die Heidenheimer mehr Zweikämpfe (knapp 54 Prozent), sie liefen über zwei Kilometer mehr als der VfL und sie verteidigten phasenweise so beherzt und clever, dass der Gegner in der zweiten Hälfte erst nach knapp 70 Minuten zu seiner ersten Chance kam. Man könnte meinen: Der 1. FC Heidenheim hat all seine Tugenden wiederentdeckt, die ihn in seinen stärksten Zeiten erfolgreich gemacht haben. Nicht auszuschließen, dass diese Erkenntnis bereits auch in Leverkusen angekommen ist.
Sendung am Sa., 5.4.2025 14:00 Uhr, Stadion, SWR1 Rheinland-Pfalz