
2028 in Los Angeles olympisch Flag Football - NFL-Stars wittern einmalige Chance
Bei den Olympischen Spielen 2028 wird Flag Football seine Premiere feiern. Für die Spieler der NFL könnte das eine unverhoffte Gelegenheit werden. Der US-Nationalsport soll auch in Deutschland wachsen.
"Dabei sein ist alles" - das Olympische Motto treibt unzählige Spitzensportler an, so gut zu werden, dass sie einmal im Leben dabei sein können, wenn die besten Athleten und Athletinnen alle vier Jahre um die Medaillen kämpfen. Für manche gilt aber: Sie können noch so gut sein, sie werden es nie schaffen. Weil sie in einer Sportart glänzen, für die bei Olympia aus verschiedenen Gründen kein Platz ist.
Als NFL-Spieler gibt es eigentlich keine Chance auf Olympia
Dazu gehört auch American Football. Dieser Sport ist nicht geeignet für ein Event, das aufgrund der zeitlichen Dimension (Olympische Spiele dauern etwas mehr als zwei Wochen, zum Beispiel beim Fußball wird die Dauer ein wenig verlängert) innerhalb einer kurzen Periode mehrere Spiele erfordert. Die Belastung im American Football ist dafür zu groß, mehrfach alle drei Tage zu spielen, ist nicht möglich.
Daher wissen selbst Spieler, die es in die NFL schaffen, dass der olympische Traum einer ist, den sie selbst nie leben werden. Die Superstars verdienen zig Millionen Dollar im Jahr, beim Super Bowl fiebern an den TV-Bildschirmen weltweit Milliarden Menschen mit - aber bei Olympia einfach nur "dabei sein", das bleibt ihnen verwehrt. Das galt zumindest bisher. Denn 2028 in Los Angeles bietet sich eine Möglichkeit, die einige NFL-Stars unbedingt ergreifen wollen.
Flag Football ist ein Sport für jeden und beliebt bei Frauen
In den USA wird erstmals Flag Football zum olympischen Programm gehören. Dabei handelt es sich um eine körperlosere Form des Footballs - deswegen gibt es auch kaum Schutzkleidung und keinen Helm. Die Spieler müssen den Ball weiter in die gegnerische Endzone tragen, sich aber nicht darum sorgen, dass die Verteidigung sie brachial zu Boden bringt.
Statt die Gegner zu tacklen (verboten!), haben die Verteidiger beim Flag Football die Aufgabe, eine der beiden an den Hüften der Offensivspieler befestigten Fähnchen zu klauen. Dann ist der Spielzug beendet, bei einem Zu-Boden-Ringen gibt es Strafen. Weil diese Sportart längst nicht so körperbetont ist, wird sie auch von sehr vielen Frauen - bei Olympia gibt es einen Männer- und Frauen-Wettbewerb - betrieben.

Auch bei Frauen und Mädchen ist Flag Football sehr beliebt.
Große Popularität in den USA - deswegen sportlich nicht zu schlagen
Laut dem internationalen Football-Verband (IFAF) spielen weltweit über 20 Millionen Menschen in 100 Ländern Flag Football. Allein in den USA machen das nach Angaben der NFL 2,7 Millionen Kinder in Vereinen und nach einer Studie der Sports and Fitness Industry Association (SFIA) waren 2022 bereits 7,1 Millionen Menschen in den USA in dieser Sportart aktiv. Seitdem wird sich die Anzahl deutlich erhöht haben, Flag Football gilt seit der Olympia-Nominierung als eine der am stärksten wachsenden Sportarten im Gastgeberland.
Wenig überraschend sind die USA auch qualitativ die unangefochtene Nummer eins im Flag Football. 2024 gewann die Männer-Nationalmannschaft überaus souverän den WM-Titel und dabei alle sieben Spiele deutlich - das Finale gegen Österreich mit 53:21. Frauen und Männer räumten seit 2018 (die WM findet alle drei Jahre statt) alles ab.

Souveräner Weltmeister: Die USA sind im Flag Football nicht aufzuhalten.
Die Spieler der USA sind die besten der Welt, es wäre ein Wunder, wenn sie nicht auch in Los Angeles Gold gewinnen würden. Doch es gibt eine Reihe von NFL-Superstars, die den Spezialisten zumindest einige Plätze im Olympia-Kader abspenstig machen wollen.
NFL-Boss Roger Goodell: Viele NFL-Spieler wollen bei Olympia dabei sein
Top-Quarterback Patrick Mahomes, sein kongenialer Tight-End-Partner Travis Kelce und Wide Receiver Amon-Ra St. Brown (könnte für die USA und Deutschland spielen) sind drei von vielen Spielern, die bereits ihr Interesse daran bekundet haben, bei den Olympischen Spielen dabei zu sein. "Ich habe unmittelbar von vielen Spielern gehört, dass sie teilnehmen und ihr Land vertreten möchten", sagte auch NFL-Chef Roger Goodell kürzlich.
"Das ist etwas, worüber wir weiter diskutieren werden, nicht nur mit der Gewerkschaft, sondern auch mit den Klubs", führte Goodell fort. Denn trotz der weniger gefährlichen Spielweise besteht eine Verletzungsgefahr und die Olympischen Spiele fallen in die Vorbereitung auf die NFL-Saison 2028/29. Die Vereine müssen also mitspielen, damit Mahomes und Co. mitspielen dürfen. Eine Entscheidung soll laut Goodell bis Ende Mai fallen.
Beim Pro Bowl, dem All-Star-Match der NFL, wird seit einigen Jahren Flag Football zum Abschluss gespielt statt eines normalen Spiels, das zuvor das Zuschauerinteresse verloren hatte. Doch die Stars kennen es nicht nur von diesem Event, viele haben ihre ersten Erfahrungen in dieser Sportart gesammelt - und nun könnte der Sport aus ihrer Kindheit dafür sorgen, dass sie eine Erfahrung genießen werden, die "ihr" American Football ihnen niemals bieten könnte.

Quarterback ohne Angst: Joe Burrow braucht beim Flag Football nicht mal einen Helm.
New England Patriots bringen Flag Football nach Deutschland
Dabei wird die NFL auch international immer größer. Davon profitiert nun auch der Flag Football, der über drei Jahre vor den Spielen in L.A. ebenfalls expandiert. Am Samstag (05.04.2025) wird in Düsseldorf ein Flag-Football-Feld der New England Patriots eingeweiht. Also dem NFL-Verein, der durch die unzähligen Erfolge mit Ex-Quarterback Tom Brady auch in Deutschland, das im Flag Football eine der erfolgreicheren Nationen ist, eine riesige Fan-Gemeinde hat.
Zu diesem Anlass schicken die "Pats" aktive Spieler und Ehemalige, es kommen auch wichtige NFL-Mitarbeiter - die Liga präsentiert sich als direkter Partner des Flag Footballs. Die Chancen darauf, dass einige der Spieler 2028 für den Kader berufen werden, mindert das sicher nicht.
Mit Sebastian Vollmer ist auch der erfolgreichste deutsche NFL-Spieler der Geschichte in Düsseldorf dabei. Der 40-Jährige hat mit New England zweimal den Super Bowl gewonnen - und obwohl es seine Position (Vollmer hielt als Offensive-Line-Spieler die Verteidiger von Brady fern) im Flag Football nicht wirklich gibt, ist er ein Fan der Sportart. Der 40-Jährige sich mit den NFL-Spielern über die eventuelle Olympia-Chance.
Deutscher Super-Bowl-Champion Sebastian Vollmer: "Großartige Gelegenheit"
"Ich denke, es ist eine großartige Gelegenheit. Allein wegen meiner körperlichen Statur wäre ich nie jemand für ein Flag-Football-Team gewesen, aber ich freue mich total für alle, dass sie die Chance auf die Olympischen Spiele haben", sagte Vollmer im Sportschau-Gespräch. "Es ist aber auch eine große Chance für den Sport, weiter zu wachsen. In den USA muss er das nicht, aber international. Es ist ein riesiger Schritt für die Sportart, dass wir jetzt auch in Deutschland ein Feld eröffnen."
Zu den Spielern, die 2028 in Los Angeles teilnehmen könnten, gehört Marcus Jones. Der 26-Jährige ist Cornerback (verteidigt in erster Linie die Würfe des Quarterbacks), besetzt also eine der Skill-Positionen, die es im Flag Football in der olympischen Variante (5 gegen 5) gibt. "Früher habe ich oft Flag Football gespielt, die Kinder lernen da schon so viel. Und dass es sicherer ist, ist auch eine tolle Sache. So ist es ein Sport für alle", sagte Jones der Sportschau.
Patriots-Cornerback Marcus Jones: "Wollen nicht die Plätze wegnehmen"
Im Training in New England würden er und seine Kollegen häufiger mal die 7-gegen-7-Variante spielen - die Tür, selbst wieder im 5-gegen-5 bei Olympia zum Flag Football zurückzukehren, hält er sich offen. "Das ist noch so lange hin. Aber es ist verrückt, dass wir NFL-Spieler die Möglichkeit haben könnten", sagte Jones, der aber betonte: "Es geht nicht darum, dass wir die Plätze wegnehmen wollen - wir wollen zusammen ein Team mit der Flag-Football-Nationalmannschaft bilden."
Die Flag-Football-Cracks und die NFL-Stars - sie könnten 2028 gemeinsam Geschichte schreiben und in den USA Gold für ihre Heimat holen. Es wäre für Mahomes und Co. einer von vielen Erfolgen in ihrer Karriere. Schon allein die Olympia-Teilnahme wäre aber etwas, wovon sie seit dem Start ihrer Karriere nie zu träumen gewagt hätten. Die NFL-Stars wittern nun diese einmalige Chance.