Fabian Reese bejubelt seinen Treffer für Hertha BSC gegen den Karlsruher SC. (Foto: IMAGO / Nordphoto)

2. Fußball-Bundesliga Hertha BSC will auch Spitzenreiter Köln niederringen

Stand: 03.04.2025 19:50 Uhr

Hertha BSC hat am Samstagabend die Chance auf den dritten Sieg infolge - und womöglich den endgültigen Befreiungsschlag im Abstiegskampf. Dafür müssen die Berliner Spitzenreiter Köln besiegen, der trotz Tabellenführung nervös ist.

Fakten zum Spiel

  • Hertha BSC hat gegen Köln die Chance, erstmals seit Oktober 2019 wieder drei Ligasiege infolge zu feiern
  • Die Kölner könnten nach dem Hinspielerfolg und dem Weiterkommen im DFB-Pokal den dritten Sieg gegen Hertha innerhalb einer Saison feiern
  • Nur drei der insgesamt 64 Aufeinandertreffen von Hertha und Köln fanden in der 2. Bundesliga statt
  • Mit einem Sieg hätten die Berliner die Möglichkeit, bis auf Tabellenplatz elf vorzustoßen – die beste Platzierung seit dem 16. Spieltag
  • Nachdem Hertha in zuvor sechs Spielen nur zwei Tore gelangen, konnten sie in den letzten beiden Partien gleich acht Mal treffen
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So läuft es sportlich beim 1. FC Köln

Spitzenreiter der 2. Bundesliga – und trotzdem keine Glückseligkeit? Der 1. FC Köln führt die Liga mit 50 Punkten an, doch "die Punkteausbeute ist besser als die allgemeine Stimmungslage um den Effzeh", befindet Denis Lennepe. Er betreibt seit 2017 den Kölner Fan-Podcast "#trotzdemhier". Laut ihm gewinnt die Mannschaft zwar die Spiele, die Leistungen stimmen aber selten.
 
So habe es in nahezu jedem Spiel genügend Chancen für den Gegner gegeben, die dieser aufgrund fehlender Qualität aber nicht habe nutzen können. Die Spiele waren oftmals sehr eng. So verlor Köln zwar nur drei der letzten 17 Ligaspiele, fugr aber in jenem Zeitraum gleich zehn Siege mit nur einem Tor Unterschied ein. Kölscher Minimalisten-Fußball, der aber funktioniert.

Trainer Gerhardt Struber, der im vergangenen Sommer das Amt übernahm, hatte eigentlich eine ganz andere Idee. Der Österreicher ließ sein Team zu Saisonbeginn äußerst mutigen, aggressiven Fußball spielen, der zwar zu vielen Toren führte, aber zu selten für Punkte sorgte.
 
So sattelte Struber taktisch um, installierte eine Dreierkette in der Abwehr und spielt seitdem deutlich defensiver – und damit weitaus weniger attraktiv. "Er muss etwas Mangelverwaltung betreiben", gesteht ihm Podcaster Lennepe zu. Er verweist auf die zurückliegende Transfersperre für Köln, die erst im vergangenen Winter endete. "Der Kader ist weder rund noch tief, dazu kommen viele Verletzungen", sagt Lennepe. So musste Struber vom Idealismus zum Pragmatismus wechseln. "Eine richtige Entscheidung, nicht dogmatisch zu sein", lobt Lennepe.

Das bewegt die Fans

Mit noch sieben ausstehenden Partien befindet sich die 2. Liga auf der Zielgeraden – und Köln im Endspurt des Aufstiegsrennens. Derzeit trennt die Rheinländer ein Zähler von Tabellenplatz zwei und vier von Rang drei. Der Relegationsplatz wird allerdings vom 1. FC Kaiserslautern belegt, gegen Köln am letzten Spieltag der Saison noch spielen muss.
 
Sollte Kaiserslautern jenes direkte Duell gewinnen, würde es den Pfälzern womöglich reichen, in den vorherigen sechs Partien einen Zähler auf den Effzeh aufgeholt zu haben, um ihn zu überholen. "Das Ding ist noch nicht gegessen, wir müssen wirklich aufpassen und niemand will in die Relegation gegen einen Erstligisten", warnt Lennepe. "In dieser wilden Liga, in der jeder jeden schlagen kann, kann noch viel passieren." Köln hat also noch einen steinigen Weg für die direkte Rückkehr in die 1. Liga zu bewältigen.

Auf diese Spieler sollte Hertha besonders achten

Auch wenn der Kölner Fokus derzeit eher auf der Defensive liegt, möchte Lennepe das neue Sturmduo hervorheben. Angreifer Tim Lemperle, der das Hinspiel gegen Hertha mit seinem Treffer für Köln entschied, ist nach langer Verletzungspause wieder fit. Er stürmt mit Winterneuzugang Imad Rondic, der laut dem Podcaster "immer besser ins Rollen" kommt. So sagte Lukas Kwasniok, Trainer des vorigen Kölner Gegners SC Paderborn, das Sturmduo hätte seiner Mannschaft das Leben äußerst schwergemacht. Rondic erzielte beim 2:1-Erfolg sein erstes Tor für seinen neuen Verein.

Das sagen die Trainer

Gerhard Struber (1. FC Köln): "Ich halte von der Hertha sehr viel, speziell die Ausrichtung nach vorne und die Qualität vorne. Sie haben Dynamik, Spielwitz, Durchschlagskraft und mit Fabian Reese einen torgefährlichen und dynamischen Spieler, der uns alles abverlangen wird. Das ist eine Mannschaft, die überraschend hinten ist in der Tabelle. Sie haben eine Mannschaft, die in anderen Regionen sein sollte und von der individuellen Qualität her eine Mannschaft, die sehr viel mitbringt."
 
Andre Mijatovic (Co-Trainer, Hertha BSC): "Wir brauchen keine zusätzliche Motivation, wenn wir gegen den Tabellenführer antreten. Wir spielen da, um etwas mitzunehmen, ob einen Punkt oder drei. Wir befinden uns auf dem gleichen Level. Ich erwarte ein ausgeglichenes Spiel."

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So könnte Hertha spielen

Bei Hertha ist nach zuletzt zwei Siegen infolge und nun acht Punkten Abstand auf Relegationsplatz 16 die Leichtigkeit zumindest ein wenig zurück. "Kommen die Siege, wird alles einfacher", sagte Co-Trainer Andre Mijatovic. Nach dem 5:1 gegen Braunschweig und dem 3:1 gegen Karlsruhe hat das Trainerteam kaum Gründe, etwas an der Startaufstellung zu verändern. Die Defensive hält wieder, die Stürmer um Fabian Reese treffen wieder das Tor. "Wir sind voller Hoffnung, dass es in Köln so weitergeht", so Mijatovic.
 
Der genesene Pascal Klemens wird wohl den gelb-gesperrten Marton Dardai in der Innenverteidigung ersetzen. Da Linus Gechter rechtzeitig fit geworden ist und spielen kann, müssen keine weiteren Anpassungen gemacht werden. Zudem steht Palko Dardai nach überstandem Infekt wieder zur Verfügung. John Anthony Brooks, Jeremy Dudziak und Bilal Hussein fallen weiterhin aus.
 
Trainer Stefan Leitl wird allerdings nicht ausfallen. Herthas Übungsleiter konnte der Pressekonferenz krankheitsbedingt nicht beiwohnen, wird in Köln aber wohl auf der Bank sitzen.
 
Herthas mögliche Startelf: Ernst - Gechter, Leistner, Klemens - Kenny, Demme, Cuisance Zeefuik - Maza - Reese, Scherhant

Die Prognose

Der Tipp des Gegner-Experten: "Wir sehen derzeit immer dasselbe Spiel: Der Effzeh spielt nicht so toll, schießt aber genügend Tore, um mindestens einen Punkt zu holen. Auch am Samstag werden wir nicht als Verlierer vom Platz gehen. Ich rechne mit einem 2:1-Heimsieg, notfalls auch mit einem 1:1."
 
Der Redaktionstipp: Hertha BSC scheint unter Trainer Stefan Leitl allmählich die Kurve bekommen und sich stabilisiert zu haben. Auch gegen den 1. FC Köln werden die Berliner eine kämpferische und gut strukturierte Leistung abliefern, gegen den defensiv starken Tabellenführer aber nicht den dritten Sieg infolge einfahren. Die Partie endet mit 1:1.

Sendung: rbb24, 03.04.2025, 21:45 Uhr