
Boxen | Gala in Potsdam Weltmeisterin "Tiny Tina" Rupprecht kann Geschichte schreiben
Eine Vierfach-Weltmeisterin – das gab es in der Boxgeschichte noch nie. Tina Rupprecht kann die erste deutsche Kämpferin mit dem Prädikat "undisputed" werden. SPORT IM OSTEN überträgt ihren WM-Fight sowie weitere Titelkämpfe live.
"Tiny Tina – Simply the best" oder "Es kann nur Eine geben" – über einen passenden Filmtitel als Überschrift für seinen kommenden Kampfabend am Samstag (5. April, ab 22.30 Uhr live im MDR FERNSEHEN, in der SpiO-App und auf sport-im-osten.de) ist sich Boxpromoter Ulf Steinforth noch nicht ganz sicher. Über das Genre dagegen schon: "Action".
Der Chef des Magdeburger Boxstalls SES lässt sich bei der Pressekonferenz am Mittwoch (2. April 2025) auf dem Gelände des Filmparks in Babelsberg sogar noch zu weiteren Assoziationen inspirieren. "Vielleicht wird es die Geschichte, die irgendwann verfilmt wird. Es gibt Filme über Max Schmeling, es gibt Filme über andere Boxer. Vielleicht gibt es bald auch einen Film über Tina Rupprecht."
Rupprecht greift nach viertem Titel
Eben jene Tina Rupprecht tritt am Samstag an, um "Boxgeschichte zu schreiben", wie Steinforth vollmundig verspricht. Die 32-Jährige verteidigt im Atomgewicht ihre drei WM-Titel der Verbände WBC, WBA, WBO und greift nach der WM-Krone der IBF. Gegnerin ist die Japanerin Sumire Yamanaka, die ihren IBF-Gürtel mit nach Potsdam gebracht hat. Die Siegerin wird Vierfach-Weltmeisterin. Rupprecht könnte als erste deutsche Boxerin der Geschichte "undisputed" werden – also bei allen bedeutenden Weltverbänden die Championesse.
Rupprecht: "Wird ein geiler Kampf"
"Es wird ein geiler Kampf", verspricht Rupprecht. Die 1,53 Meter große Augsburgerin wechselte erst im vergangenen Jahr vom Minimumgewicht ins niedrigere Atomgewicht (46,2 Kilogramm). "Ich bin super fit und freue mich auf den Kampf. Jetzt will ich abliefern", sagt Rupprecht, die in 16 Profikämpfen bisher 14 Siege feierte und ein Remis erkämpfte. In ihren beiden Kämpfen im Atomgewicht siegte die Deutsche und gewann erst gegen die Tschechin Fabiana Bytyqi den WBC und später gegen die Japanerin Eri Matsuda auch noch den WBO-Gürtel.
Rupprecht, der zudem der prestigeträchtige Titel des US-amerikanischen "The Ring"-Magazines verliehen wurde, trifft mit Yamanaka auf eine ungeschlagene Japanerin. Die 29-jährige feierte acht Siege in acht Kämpfen. Die Rechtsauslegerin ist mit 1,46 Metern kleiner als Rupprecht. Nachteile sieht sie darin abr nicht: "Meine Gegnerin ist eine gute Allrounderin. Aber ich sehe meine Chancen. Undisputed – das ist auch für mich eine große Motivation."
Rupprecht-Trainer: "Sie bleibt da"
Rupprecht-Trainer Alexander Haan sieht in der Japanerin zudem eine sportliche Steigerung im Vergleich zu früheren Gegnerinnen: "Sie bleibt da und will kämpfen. Sie wird nicht immer nur weglaufen", erwartet der Coach, der Rupprecht seit 2006 betreut. Heute ist "Tiny Tina", die einen Spitznamen wegen ihrer kleinen Körpergröße zum Kampfnamen im Ring machte, die beste Boxerin der Welt in ihrer Gewichtsklasse. Ein Status, den sie am Samstag untermauern will.

Tina Rupprecht (Mitte) mit Julian Vogel (li.) und Nick Hannig (re.).
Lehrerin Fritschi: "Nicht nur Tina die Boxerin"
Anders als viele männliche Box-Weltmeister geht Rupprecht zwischen ihren Profikämpfen übrigens ganz normal arbeiten – als Sportlehrerin an einer Realschule. "Ich mag die Arbeit sehr gern mit Kindern und Jugendlichen. Es ist eine andere Facette, dass ich nicht die ganze Woche nur Tina die Boxerin bin", erklärte sie der Deutschen Presseagentur (dpa). Im Sportunterricht heißt sie übrigens Frau Fritschi, den Namen ihres Mannes Markus trägt sie seit der Hochzeit im Sommer vergangenen Jahres.
Auch Julian Vogel und Nick Hannig mit Titelkämpfen
Aber am Samstag in Potsdam kommt es nicht nur zum historischen Frauen-Kampf um vier WM-Gürtel. Insgesamt stehen neun weitere Kämpfe auf dem Programm, darunter auch zwei Titelkämpfe: Im Halbschwergewicht verteidigt der Berliner Nick Hannig seinen WBO-EM-Titel gegen den Polen Mateusz Tryc, im Super-Weltergewicht verteidigt Julian Vogel aus Aschersleben die Junioren-WM der WBO gegen den Tschechen Milos Beranek. Für den 38-jährigen Hannig ist es nach seinem TKO-Sieg gegen Tom Dzemski die erste Titelverteidigung. Der 22-jährige Vogel steigt zu seiner dritten Titelverteidigung in den Ring.
Hannig: "Das ist mein Titel, nicht klauen"
"Ich bin heiß", sagt Hannig, der mit 14 Siegen und einem Remis aus 16 Kämpfen in den Ring steigt und mit Tryc auf einen größeren und fünf Jahre jüngeren Gegner trifft. Der Harausforderer aus Polen feierte 15 Siege in 17 Kämpfen. "Drei Wochen Traininglager sind genug. Ich will jetzt in den Ring und die Fäuste fliegen lassen", freut sich der Berliner Hannig auf das Fast-Heimspiel in Potsdam. Und auch er hat hat schon eine Filmtitel-Idee, angelehnt an seinen Walk-In-Song von Tina Turner: "'Simply the Best' ist mein Titel', also nicht klauen."
Dirk Hofmeister