VfB Stuttgart

Fußball | DFB-Pokal VfB mit Effizienz ins Endspiel: Hoeneß‘ Traum und Stillers Beitrag

Stand: 03.04.2025 08:58 Uhr

Der VfB Stuttgart hat sich mit sehenswerten Toren, starkem Fan-Support und vielen Emotionen ins DFB-Pokalfinale gespielt. Nicht nur für Trainer Sebastian Hoeneß geht damit ein Traum in Erfüllung.

Sebastian Hoeneß sprang mit umgedrehter Basecap, weit aufgerissenen Augen und einem breiten Grinsen über den Rasen, Maximilian Mittelstädt wischte sich ungläubig die Tränen aus den Augen, atmete immer wieder tief durch und Maskottchen Fritzle quetschte seinen grünen, plüschigen Körper zwischen die hüpfenden Stuttgarter Spieler, auf deren weißen Shirts in roten Lettern "Finale" stand. Fassen aber konnte es kaum jemand: Der VfB Stuttgart steht im DFB-Pokalfinale. Am 24. Mai gegen Arminia Bielefeld.

VfB Stuttgart feiert den Einzug ins DFB-Pokalfinale

"Das ist ein kleiner Traum, der wahr wird", sagte Coach Hoeneß, als sich die Plätze im Stadion langsam leerten, im Interview mit SWR Sport. "Überragend. Ich bin stolz auf die Mannschaft." Die taumelte derweil glücklich und vielleicht auch ein wenig ungläubig vom Rasen. Torschütze Angelo Stiller sprach vom bisher schönsten Tag seiner Karriere – ergänzte aber direkt: "Ich hoffe, da kommen noch ein paar."

Stillers "schwacher Fuß" ins Glück

Schließlich war es Stiller, der sich nach nicht einmal fünf Minuten ein Herz gefasst und den Ball aus 20 Metern volley genommen hatte. All das mit seinem vermeintlich schwachen rechten Fuß – traf Stiller den Ball in Perfektion. "Ich habe nicht einmal einen Pass in der Qualität von ihm mit dem rechten Fuß gesehen", scherzte Hoeneß nach der Partie. Vier Minuten und 56 Sekunden leuchteten in großen Ziffern auf der Anzeigetafel, als der Ball zur Führung ins Netz peitschte. "Ein unglaubliches Tor. Das war für uns ein sehr guter Opener für dieses Spiel", ordnete der Coach ein, hörbar beeindruckt von Wucht, Willen und Präzision des Führungstreffers.

Nur einen Augenblick später verschwand Stiller unter einer Traube aus Mitspielern und Fans. Auch Maskottchen Fritzle war extra zum Jubeln an die Bande geeilt. "No risk, no fun", sagte Stiller später: "Der kann entweder übers Stadion gehen oder er schlägt halt so ein. Ich hab' den mal ausnahmsweise gut getroffen."

Aufgeheizte Stimmung, starker Nübel

Mit der Führung im Rücken flirrte die Luft im Stadion. Die Fans feierten jeden Ballgewinn des VfB, jede herausgeholte Ecke – nach einer knappen Viertelstunde war es Maximilian Mittelstädt, dem all das noch nicht reichte. Er grätschte über die Grundlinie, riss die Arme in die Höhe und peitschte die Fans noch einmal an. Es war diese Atmosphäre, die der VfB kreieren wollte.

Trotz Fans und VfB-Führung gänzlich unbeeindruckt wirkten zunächst die Gäste aus Leipzig und fast so, als würden auch sie die Pokalstatistik der Schwaben kennen – die bisher in jeder Runde früh in Führung gegangen waren. Leipzig aber drückte, spielte sich Chancen heraus, brachte den Ball auch dank starker Paraden von VfB-Keeper Alexander Nübel zunächst nicht im Tor unter.

Woltemade plötzlich präsent

In einem Gemütszustand irgendwo zwischen angepeitscht und angetrunken, stimmten ein paar mutige VfB-Fans schon vor der Halbzeit "Berlin, Berlin – wir fahren nach Berlin" an. Von der gesungenen Reiseplanung der Anhänger dürfte Coach Hoeneß vor der Pause kaum etwas mitbekommen haben – zu intensiv die Partie, zu groß womöglich die Sorge vor dem Gegentor.

Nach dem Seitenwechsel und noch immer in Führung liegend, fand der VfB wieder den Weg in den Leipziger Strafraum und Nick Woltemade genau da erstmals richtig statt. Während er im ersten Versuch per Kopfball harmlos blieb, spielte er gemeinsam mit Ermedin Demirovic (57. Minute) RB eiskalt aus. Das 2:0 für die Schwaben – eben so schön herausgespielt wie von kurzer Dauer.

Harte Probe, große Erleichterung

Denn nur fünf Minuten später traf Benjamin Sesko, mit seinem sechsten Treffer im sechsten Pokalspiel dieser Saison, für die Leipziger. "Nach dem 2:1 hatten wir eine unglaublich schwierige Situation zu meistern", so Hoeneß. "Wir sind super damit umgegangen." Und so erwies sich der VfB für die Final-Ambitionen von RB als eine Art Endgegner. Leweling drückte den Ball zum 3:1 über die Linie (73.). Woltemade, der erst ins Abseits lief und dann ans Aluminium schoss, hätte sogar noch erhöhen können (76.).

In der Schlussphase stellten die VfB-Fans dann ihre Taktik um und setzten auf Wechsel- und Partygesänge. Sie feierten sich, ihr Team und die Tatsache, dass es sportlich überhaupt mal wieder etwas zu feiern gibt. "Die letzten Wochen waren nicht einfach für uns, deshalb war klar, dass wir das ziehen müssen", sagte Stiller. Vielleicht schaute Hoeneß auch deshalb in der Schlussphase immer wieder auf die Uhr, schien den Schlusspfiff ebenso wenig abwarten zu können wie die Fans.

Erst Bochum, dann Bielefeld

Als der dann ertönte, glitzerte es nicht nur in Hoeneß‘ Augen. "Ich war oft im Stadion und habe Finals gesehen und habe immer darüber nachgedacht, wie es wäre, selbst mal Teil der beiden Mannschaften da unten zu sein", verriet er. Trainer und Team feierten den angesichts der durchwachsenen Bundesliga-Saison beinahe surrealen Final-Einzug gegen Bielefeld. Im Liga-Betrieb wartet am Wochenende der VfL Bochum. "Es wird entscheidend sein, dass wir mit guten Leistungen und Ergebnissen in der Bundesliga nach Berlin fahren", sagte Hoeneß. Für Fans und Verantwortliche aber dürfte ab jetzt gelten: ob Bochum oder Bielefeld, Hauptsache Finale.

Sendung am Do., 3.4.2025 6:00 Uhr, SWR Aktuell am Morgen, SWR Aktuell