Patrick Lange beim Marathon auf Hawaii

Ironman-Weltmeister vor dem Saisonstart Patrick Lange will es Frankfurt und der Welt noch einmal zeigen

Stand: 28.03.2025 13:07 Uhr

Patrick Lange hat alles erreicht. Doch in diesen Tagen schwitzt der Ironman-Weltmeister schon wieder auf Mallorca, um sich auf eine weitere Saison vorzubereiten. Auch in Frankfurt will der Hesse es endlich allen beweisen – und einem Zuschauer vielleicht ganz besonders.

Patrick Lange hat sich einsam gesiegt. Jan Frodeno und Sebastian Kienle, die anderen zwei der großen Drei seiner Generation, haben sich aufs sportliche Altenteil verabschiedet. "Jetzt bin ich gerne der letzte übriggebliebene lonely Kämpfer für die alte Generation, wenn du so willst", sagt der gebürtige Bad Wildunger im Gespräch mit dem hr-sport. 38 Jahre sind im Triathlon-Sport noch kein biblisches Alter. Die Luft wird aber stetig dünner, die jüngere Konkurrenz fährt im Rückspiegel immer dichter auf. "Die Renndynamiken haben sich noch mal verändert und weiterentwickelt", sagt Lange. "Es wird mir nicht einfacher gemacht." Einsichten, denen er er bei Training und Vorbereitung Rechnung getragen hat.

Nicht zuletzt durch einen Trainerwechsel. Seit September 2024 ist Ben Reszel der wichtigste Mann an seiner Seite. Die Zusammenarbeit mit dessen Vorgänger Björn Geesmann beendeten beide Parteien wenige Tage nach der Enttäuschung beim Ironman Frankfurt im vergangenen August. Obwohl ihm sein Heimrennen erneut wenig Freude bereitete, will Lange aber noch mal "mit der Mär aufräumen", die vergangene Saison sei vollständig missraten. Das gründliche Gegenteil sei richtig. Lange rechnet vor: "Ich hatte zwei schlechte Rennen, in Roth und in Frankfurt, da gibt es gar kein Drumherumreden. In der Ironman Pro Series bin ich aber Zweiter geworden, was für eine konstant gute Saison spricht. Insgesamt gesehen war das meine beste Ironman-Saison."

Player: videoPatrick Lange bringt sich auf Mallorca in Form

Patrick Lange bringt sich auf Mallorca in Form

Neuer Trainer mit neuem "Push"

Gleichwohl gab es Gründe, die ihn zu einem Trainerwechsel veranlassten. Große Stücke auf Reszel hielt Lange schon länger und empfahl den Coach bereits seinem Trainingspartner Andrea Salvisberg. "Da hatte ich dann so ein kleines trojanisches Pferd mit Andrea, der schon Insights sammeln konnte." Fazit: "Der war total begeistert." Dem kann sich Lange inzwischen aus eigener Erfahrung anschließen. Es harmoniert zwischen ihm und Reszel. Lange schätzt an seinem Trainer dessen Detailverliebtheit. "Es hat Spaß gemacht, neue Reize und neue Trainingsansätze zu bekommen. Das noch mal neu zu denken, hat mir noch mal einen Push gegeben."

Die kleinen Änderungen im Betriebsablauf haben spürbare Konsequenzen. Gut eine Woche vor dem Saisonauftakt in Oceanside (USA) am ersten Aprilwochenende bekennt Lange freimütig: "Ich bin noch nicht topfit." Aber: "Das ist gut so, weil ich es weder sein will noch muss." Er selbst habe gespürt, dass es ihm vergleichsweise leicht falle, seinen Körper ans Maximum hochzufahren. Probleme bereitete ihm dagegen, dieses Level dauerhaft zu halten. Daher ist der Trainingsplan nun gezielt darauf abgestimmt, den Routinier auf den Punkt zu Höchstleistungen zu befähigen.

Ehrgeizige Ziele für Lange

Derzeit absolviert der Nordhesse sein drittes Trainingslager in der Saisonvorbereitung auf Mallorca. Die Insel lockt nicht nur klimatisch zu dieser Zeit mit besonderen Angenehmlichkeiten. "Wie viele Menschen mich hier erkennen, sich beim Fahrradfahren rumdrehen, das ist schon erstaunlich", sagt Lange. Das habe sich noch einmal spürbar verändert nach seinem insgesamt dritten WM-Sieg beim Ironman auf Hawaii im vergangenen September. Ein Erfolg, der für Lange aus ganz persönlichen Motiven den höchsten Stellenwert in seiner Karriere einnimmt: Er konnte den Titel seiner 2020 verstorbenen Mutter widmen.

Das klang wie eine Abschluss. Doch Lange war schlicht noch nicht fertig. Wer ihm im Frühjahr 2025 zuhört, spürt, dass der Triathlon-Best-Ager noch ehrgeizige Ziele hat. Sich auf eine neue Triathlon-Saison vorzubereiten: Ohnehin ein Ding der Unmöglichkeit für einen, der nicht mehr dafür brennt. Vor allem der Stachel des verkorksten Heimrennens sitzt tief und ist eine Triebfeder, in diesem Jahr endlich den "Frankfurt-Fluch" zu besiegen. Im vergangenen August hatte sich scheinbar alles gegen den Nordhessen verschworen. Beim Schwimmen bekam er mehrere Tritte ab, hatte massive Rückenprobleme und musste Schmerzmittel einwerfen, um seinen rechten Fuß wieder zu spüren. Zum bitteren Ende trug er noch einen öffentlichen Streit mit einem Zuschauer aus.

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Immer andere Probleme in Frankfurt

Platz acht wurde es am Ende, das ging darüber beinahe unter. Elfter, Sechster und Dritter ist er auch schon geworden. Ein Sieg am Main steht aber weiter ganz oben auf dem Wunschzettel für die kommende Saison. "Ich möchte in der Lage sein, das Rennen theoretisch gewinnen zu können", so formuliert es Lange. "Dafür habe ich einen klaren Plan und weiß, was es dazu braucht von mir persönlich. Die Male, die ich da gestartet bin, ist es nie gut gelaufen. Es hatte aber immer unterschiedliche Gründe. Deshalb freue ich mich auf mein Heimrennen. Ich kenne fast jedes Gesicht an der Strecke und jeden Fahrradmeter." Eine Platzierung will sich der amtierende Weltmeister im Vorfeld nicht auferlegen. Eine "Top-Leistung" möchte er dem Heimpublikum aber zeigen – und einem Zuschauer vielleicht diesmal ganz besonders.

Das sportlliche Saisonhighlight ist gleichwohl die WM im September in Nizza. "Wir sind jetzt im März und haben das Rennen schon im Kopf. Ein vierter Stern wäre schon was Geiles und ist im Bereich des Möglichen", sagt Lange. Mit seiner Erfahrung weiß er aber auch, dass sich im Feld der Besten nicht automatisch der mit dem ausgeprägtesten Ehrgeiz durchsetzt. Coach Reszel gewährt dazu einen Einblick in seine Sicht der Dinge. "Wenn man Spaß dabei gehabt hat, das Rennen vorzubereiten, dann ist schon mal viel gewonnen."

In bester Verfassung und mit größter Ambition an den Start gehen also – ab da muss irgendwann Schicksal entscheiden. Vielleicht ist die Gelassenheit, die das etwas gesetztere Sportleralter mit sich bringt, ja genau der X-Faktor, der den Unterschied für Lange machen kann. Oder, wie es sein Trainer formuliert: "Er ist jetzt dreimal Weltmeister geworden. Wem muss er noch etwas beweisen?" Wohl allenfalls sich selbst.