
BR24 Sport Aus beim FC Bayern: Thomas Müller verlässt die große Bühne
Die letzten Wochen von Thomas Müller als Spieler des FC Bayern München haben offiziell begonnen. Der Raumdeuter, Dirigent und Kommunikator hat seinen Verein über Jahrzehnte mitgeprägt.
Was für viele Bayern-Fans lange nicht vorstellbar war, wird nun Realität: Thomas Müller wird ab nächster Saison nicht mehr beim FC Bayern München spielen.
Der FC Bayern wird einen Ur-Münchner, einen Bilderbuch-Bayern, einen Publikumsliebling verlieren. Vor allem aber einen Spieler mit großem Wiedererkennungswert, der das Spiel versteht wie kaum ein anderer. "Typisch Müller" - das hieß vor allem: mit den Händen zu fuchteln, auf dem Platz zu dirigieren und scheinbar aus dem Nichts Tore zu schießen.
Thomas Müller schafft es, das Feld zu lesen
Im Jahr 2011 bezeichnete sich Thomas Müller selbst als Raumdeuter. "Irgendwie bin ich schon ein Unikat. Es gibt Dribbler, die sich ziemlich ähnlich sind, auch Stürmer, aber was bin eigentlich ich? (...) Ja, ich bin Raumdeuter", reflektierte er in der Süddeutschen Zeitung. Ein Begriff, der fortan ein geflügeltes Wort wurde - allerdings ausschließlich mit Bezug auf Müller, immer dann, wenn zahlreiche Journalisten versucht haben, Müllers Spielstil zu erklären. Guardian-Journalist Barney Ronay jedenfalls verglich das Spiel des Raumdeuters mit einem Rauchstrahl, der jeden Raum füllen kann.
Den Raum zu füllen, gelingt ihm vor allem, weil er der Meister der Laufwege ist. Manche bezeichneten seine Laufwege als "unorthodox" und seltsam, oft waren sie aber genau so platziert, dass sie - im Nachhinein auch für andere - Sinn ergaben.
Thomas Müller hat über die vergangenen Jahre geschafft, das Feld wie kaum ein anderer zu lesen, er kann antizipieren, adaptieren - er ist fluide und kann dadurch auf verschiedenen Positionen funktionieren. Als Raumdeuter agiert er oft nicht im Vordergrund - und ist im Gegensatz zu anderen seltener direkt am Ball, braucht aber Ausdauer, um die entstehenden Lücken zu schließen.
Thomas Müller ist der König ohne Ball
Müller schätzte das eigene Niveau immer selbstkritisch ein. "Ich weiß, dass ich schlaksig bin. Ich weiß, dass ich dünne Beine und Probleme mit der Technik habe. Die Stürmer, die den Unterschied ausmachen, sind schnelle Jungs und tolle Dribbler. So bin ich nicht. Um die Mängel zu verbergen, suche ich für mich nach der optimalen Position zwischen den Linien. Auf dieser Suche basiert mein Spiel", sagte Müller im Interview mit The Guardian im Jahr 2016.
Martin Rafelt schrieb für den Spiegel einmal: "Lionel Messi ist der König des Dribblings, Kevin De Bruyne der des Passes - und Müller der ohne Ball. Er ist die Messlatte dafür, für Dribblings Raum zu öffnen und für Pässe Anspielmöglichkeiten zu bieten."
Unter Vincent Kompany spielt er nur mehr eine Nebenrolle
Müller mag am Ball nicht elegant wirken, ohne ihn ist er aber umso eleganter. Als Meister der Kommunikation auf dem Platz sieht man ihn oft wild fuchtelnd und Kommandos schreiend. Weil er den Überblick so gut behält und das Spiel so gut lesen kann, gelingt es ihm auch, seine Mitspieler in die entsprechenden Positionen zu bringen.
17 Jahre lang machte er das im Trikot des FC Bayern. Als einer gestartet, dem man wenig zutraute, wurde er einer, der die Zeiten überstrahlen wird. Der eingehen wird in die Annalen eines der größten Vereine der Welt. Rekordspieler des FC Bayern, bester Vorlagengeber der Bundesliga-Geschichte, zweimaliger Champions-League-Sieger, zwölfmaliger deutscher Meister. Mit dem Vermerk "Stand: 5. April 2025.".
13. Meisterschaft & Finale dahoam: Müller hat noch große Ziele
Schließlich stehen Entscheidungen bei zwei großen Titel noch aus. So unwürdig wie der Abschied der Vereinslegende Müller vonstattengegangen ist, so sehr hätte er es verdient, dabei zu helfen, sich selber einen Ausstand nach Maß zu bereiten. Das ganz große Ende wäre freilich der Champions-League-Titel in der heimischen Arena in München. Doch eine weitere Meisterschale soll es mindestens werden. Es wäre die 13. in der 25 Jahre langen Karriere des Thomas Müller. Fast schon kitschig passend: Rückennummer 13 trug er in der deutschen Nationalmannschaft und die 25 beim FC Bayern.
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Quelle: BR24Sport 05.04.2025 - 12:00 Uhr