
Demirovic mit Hattrick Eiskalte Stuttgarter verschärfen Abstiegsangst in Bochum
Ein alarmierend schwacher VfL Bochum kommt dem VfB Stuttgart gerade recht, um die Negativserie in der Fußball-Bundesliga zu beenden. Die Stuttgarter gewannen am 28. Spieltag mit 4:0 (2:0) und feierten nach sechs sieglosen Bundesliga-Spielen wieder einen Dreier.
Jeff Chabot brachte den VfB am Samstag in der 8. Minute in Führung, Ermedin Demirovic machte mit seinen drei Treffern (11., 48., 85.) einen Horror-Nachmittag für den VfL Bochum komplett.
Die Bochumer bleiben mit 20 Punkten auf dem vorletzten Tabellenplatz, mit 18 Niederlagen nach 28 Spielen hat der VfL einen neuen Negativwert in seiner Bundesliga-Historie. Selbst in den Abstiegsjahren hatten die Bochumer maximal 17 Mal verloren.
Bochums Coach Dieter Hecking bescheinigte dem Team im Sportschau-Interview, "hoffnunglos unterlegen" gewesen zu sein, versuchte aber trotzdem, nach vorne zu schauen. Er sei lange genug dabei, um zu wissen, "dass im Abstiegskampf solche Spiele wie heute immer mal drin sind", so Hecking. Die Spiele mit schweren Gegnern wie Frankfurt, Bayern, Leverkusen und Stuttgart lägen nun hinter der Mannschaft. "Ich habe ihnen immer gesagt, wenn wir danach noch realistisch an den anderen Klubs dran sind, dann glaube ich fest daran, dass wir das noch lösen können. Wir sind zwei Punkte vor Kiel, zwei hinter Heidenheim. Genau das ist jetzt unsere Aufgabe, dass wir in den letzten sechs Partien mehr Punkte holen als die Konkurrenten."
Für die Stuttgarter bleibt Bochum weiter ein gern genommener Gegner: Der VfB hat von den letzten 16 Duellen gegen den Revierklub nur einmal verloren. In der Tabelle machte der Pokalfinalist mit jetzt 40 Punkten Boden gut, auch die internationalen Plätze sind wieder in Reichweite.
"Wir wollten den Schwung mitnehmen vom Mittwoch, das ist uns gelungen, weil wir super in beide Halbzeiten reingekommen sind", freute sich Sebastian Hoeneß am Sportschau-Mikrofon.
VfB trotz Neuerungen dominant
Stuttgarts Coach nahm gegenüber dem Pokal-Coup unter der Woche gegen Leipzig gleich sechs Veränderungen in der Startelf vor. Mit Angelo Stiller, Enzo Millot und Jamie Leweling durfte fast das komplette Kreativzentrum pausieren. Zudem fehlte Nationalstürmer Deniz Undav wegen eines Infekts.
Auf dem Platz machten sich die Umstellungen beim VfB kaum bemerkbar, eher spielten die Bochumer, als wären sie eine frisch zusammengestellte Auswahl-Elf bei einem Benefizkick: Bei Chabots Führungstor nach einer Ecke war der Ball eine halbe Ewigkeit im Strafraum unterwegs, Atakon Karazor legte zurück auf Chabot, der Innenverteidiger traf ungehindert aus kurzer Distanz.
Bochum völlig ohne Orientierung, Stuttgart weiter mit dem Selbstbewusstsein eines Teams, das vor drei Tagen mit einer starken Leistung ins Pokalfinale eingezogen war. Keine 180 Sekunden nach der Führung sah Bochums Abwehr erneut nicht bundesliga-tauglich aus: Karazor überbrückte das Mittelfeld mit einem langen Ball in die Spitze, Demirovic drückte kurz aufs Gas, hängte Ivan Ordets im Laufduell ab und ließ auch Keeper Timo Horn keine Chance.
Stuttgarts Demirovic mit Hattrick
VfL-Coach Hecking brachte nach der Pause mit Erhan Masovic und Georgios Masouras zwei neue Offensivkräfte, stellte auf ein 4-1-4-1-System um. Doch bevor sich die Bochumer sortieren konnten, schlug der VfB erneut zu: Ramon Hendricks hatte unfassbar viel Freiraum auf dem linken Flügel, brauchte nur noch zu warten, bis Demirovic in der Mitte in Position lief, natürlich kam die Flanke durch - kurz nach Wiederanpfiff war das Spiel mit dem 3:0 praktisch entschieden.
Nach knapp einer Stunde hätte Demirovic fast den nächsten Treffer nachgelegt, stand nach Vorlage von Nick Woltemade völlig frei vor Horn, doch Bochums Keeper verhinderte mit einer starken Rettungstat zunächst den vierten Gegentreffer.
Bochum offensiv komplett ungefährlich
Bochum hatte in der Folge eine rein optische Überlegenheit, blieb aber in Strafraumnähe weiter komplett ungefährlich. Es dauerte eine Stunde, bis zur ersten echten Torchance: Matus Bero wurde endlich einmal freigespielt und zog von der Strafraumgrenze ab. Alexander Nübel wehrte mit einem Reflex nach vorne ab, hatte dann schon klar die Hand auf dem Ball, ehe Masouras heran rauschte und die Kugel über die Linie stocherte - Schiedsrichter Felix Brych gab den Treffer zurecht nicht.
Große Proteste blieben aus, die Bochumer Fans verfolgten das Geschehen zunehmend stumm und desillusioniert. Auch die Zwischenstände der Konkurrenz auf den anderen Plätzen machten wenig Hoffnung. Mats Pannewig hatte zehn Minuten vor dem Ende noch einmal die gute Chance auf den möglichen Anschlusstreffer, setzte den Ball aber neben den Kasten. Dafür machte Demirovic kurz vor dem Abpfiff, wieder völlig freistehend, aus kurzer Distanz den Dreierpack komplett.
"Es ist das erste Mal für mich in der Bundesliga, deshalb auch etwas Besonderes", sagte Stuttgarts Dreifach-Torschütze, der sich den Spielball mit nach Hause nahm, im Sportschau-Interview. "Er bekommt ein ganz besonderes Plätzchen." Der Einzug ins Pokal-Endspiel habe dem Team zusätzlich Motivation gegeben, so Demirovic, um auch in der Bundesliga wieder in die Spur zu kommen. "Wir haben schon in den letzten Wochen gute Spiele gezeigt, heute haben wir uns endlich auch einmal belohnt."
Stuttgart gegen Bremen, Bochum gegen Augsburg
Der VfL Bochum hat am kommenden Samstag (12.04.2025, 15.30 Uhr) erneut zu Hause gegen den FC Augsburg die Chance, die dringend benötigten Punkte für den Klassenerhalt einzufahren. Stuttgart empfängt am Sonntag (15.30 Uhr) Werder Bremen.