Thomas Müller im Trikot des FC Bayern

Einseitige Trennung Thomas Müller - Unwürdiger Abschied einer FC-Bayern-Legende?

Stand: 05.04.2025 11:17 Uhr

Die Ära Thomas Müller beim FC Bayern geht zu Ende. Der Verein hat - anders als angekündigt - dem Spieler seinen Wunsch auf ein weiteres Jahr in München nicht erfüllt. Ein unwürdiger Umgang mit dem personifizierten "Mia-san-Mia"?

Von Raphael Weiss

Die Ära des Ausnahmespielers Thomas Müller beim FC Bayern geht zu Ende. Der Verein hat dem Spieler, der seit seinem zehnten Lebensjahr beim Rekordmeister spielt und seit 17 Jahren der Profimannschaft angehört, keinen neuen Vertrag mehr angeboten. Müller selbst hätte gerne noch etwas verlängert: "Der Verein hat sich jedoch bewusst dafür entschieden, mit mir keinen neuen Vertrag für die nächste Saison zu verhandeln", schrieb der 35-Jährige in seinem Statement. Er respektiere diesen Schritt "den sich Vorstand und Aufsichtsrat bestimmt nicht leicht gemacht haben."

Kurswechsel bei Eberl

Noch im Januar hatte Sportvorstand Max Eberl angekündigt: "Die Gespräche mit Thomas werden sicher sehr kurz sein. Wir haben mit ihm schon gesprochen und uns auf die Zukunft vertagt. Thomas braucht nicht großartig zu verhandeln. Wenn er Lust hat weiterzumachen, werden wir uns tief in die Augen schauen und dann wird es weitergehen."

Sein öffentliche Versprechen kann Eberl nun nicht erfüllen: "Diese Entscheidung ist uns verständlicherweise alles andere als leichtgefallen, und ausschlaggebend war am Ende ganz allein die Kaderplanung, bei der wir den Fokus auf die Zukunft richten", erklärte der Sportvorstand.

Lag es an den Gehaltsvorstellungen?

FC-Bayern-Patron Uli Hoeneß schlug schon im Februar in diese Kerbe, legte dem Offensiv-Spieler ein Karriereende nahe und kritisierte - ausgerechnet bei der Premiere von Müllers Dokumentation - die Vertragsverhandlungen: "Ich glaube schon, dass der FC Bayern und Thomas Müller gemeinsam eine Entscheidung treffen müssen, denn wir sind ja nicht auf dem Basar, wo jeder machen kann, was er will". 17 Millionen verdient Müller wohl in der aktuellen Saison. Ob er ähnlich hohe Gehaltsvorstellungen geäußert hatte, ist nicht bekannt. Zumindest schienen die Verhandlungen nicht nach dem Muster zu verlaufen, das einst Mehmet Scholl mit Hoeneß beschrieben hatte: "Sie nennen eine Summe, ich sage ja."

Das Resultat ist nun bekannt: Die Vereinsikone kann nicht nach freien Stücken entschieden, wie er sein Karriereende gestalten möchte. Der Wunsch eines weiteren Jahres in München bleibt unerfüllt. Müller wird vor die Wahl gestellt, seine aktive Karriere früher beenden, als er möchte - oder noch einmal umziehen. Weit weg von seiner Heimat und dem eigenen Pferdegestüt.

Im Video: Max Eberl stellt Müller im Januar Vertragsverlängerung in Aussicht

Max Eberl

Schleichender Abschied einer FC-Bayern-Legende

Auch wenn das wie und wann für viele Fans ein Schock ist, kam das Ende dieser Ära nicht plötzlich. Der langsame Abschied des Thomas Müllers von dem Verein, dem er seit seinem zehnten Lebensjahr angehörte, begann unter Thomas Tuchel. Seit 2009 hatte Müller Jahr für Jahr aufs neue die van-Gaal'sche-Weisheit "Müller spielt immer" bestätigt. Doch diese Rolle war nicht mehr die des Thomas Müller. Unter Thomas Tuchel saß Müller nun bei knapp der Hälfte aller Spiele auf der Bank.

Der Trainer, der kurz nach seiner Ankunft in München, den Verzicht auf die Vereinslegende bei den Champions-League-Duellen gegen Manchester City damit begründete, dass diese Spiele "keine Thomas-Müller-Spiele" seien, setzte kaum noch auf Müller. Nicht viele nahmen das als Affront wahr, gegen einen der den FC Bayern geprägt hat, wie nur wenige vor ihm. Rekordspieler, zwölffacher deutscher Meister, zweifacher Champions-League-Sieger, Rekordvorlagengeber. Müller war jahrelang das personifizierte "Mia-san-Mia".

Heim-EM als Belohnung für neues Rollenverständnis

Aus einem absoluten Unterschiedsspieler, berüchtigt in ganz Europa für seinen unorthodoxen Stil, für seine fußballerische Intelligenz und für seinen Spielwitz, war auf einmal ein Sorgenfall geworden. Für den Verein und für den Spieler selbst stand auf einmal die Frage im Raum, wie man mit dem Spätherbst einer legendären Fußballerkarriere umgeht.

Müller fand schnell eine Antwort. Er nahm die neue Situation an, setzte sich ohne selbst große Nebengeräusche zu erzeugen auf die Bank, stellte in Interviews immer den Verein an erste Stelle. Aus dem Raumdeuter wurde der verlängerte Arm des Trainers. Einer, der die Mannschaft coachte, anheizte - und, wenn er gebraucht wurde, da war. Müller erfand sich neu - und wurde von Julian Nagelsmann mit der Nominierung für die Heim-EM belohnt.

Der Traum vom ganz großen Abschied lebt

Auch unter dem neuen Trainer Vincent Kompany änderte Müllers Rolle sich nicht mehr. Sportlich ist der Abschied Müllers zu verkraften. Nur zehn seiner 520 Torbeteiligungen für den FC Bayern steuerte er in dieser Saison bei. Wie der FC Bayern den Abgang des personifizierten "Mia-san-Mia" menschlich auffangen wird, bleibt abzuwarten. Doch noch ist Müller ein FC-Bayern-Spieler. Noch können die Fans das altgewohnte Bild des etwas schlabbernden roten Trikots am dünnen Oberkörper des Oberbayern aufsaugen - und vielleicht kann Müller seine Legende noch ein wenig vergrößern. Schließlich gibt es ja noch zwei große Titel zu gewinnen: "Es wäre ein Traum für mich, die Meisterschale wieder nach Hause zu holen und Ende Mai das ersehnte Finale Dahoam zu erreichen. Dafür werde ich alles geben!", so Müller in seinem Abschieds-Statement.