Hat sich im Training der A-Nationalmannschaft verletzt: Marie Müller

Schwere Verletzungen Zwei Kreuzbandrisse im Training der DFB-Frauen

Stand: 27.02.2025 13:20 Uhr

Die ersten Punkte in der Nations League haben die DFB-Frauen teuer bezahlt. Marie Müller zog sich im Training einen Kreuzbandriss zu. Auch Sophia Winkler verletzte sich schwer - nach Sportschau-Informationen ebenfalls am Kreuzband.

Die Stimmung war gut, als die deutschen Fußballerinnen am Dienstagabend in Nürnberg einen Pflichtsieg in der Nations League eingefahren hatten. Nach dem 4:1 gegen Österreich drehten die Spielerinnen eine Ehrenrunde, begleitet von Partymusik im Max-Morlock-Stadion.

Doch zu feiern gibt es eigentlich gar nichts mehr. Die erste Länderspielmaßnahme wurde überschattet von zwei schweren Verletzungen, die die der Deutsche Fußball-Bund nur am Rande in aller Kürze kommunizierte.

Beide Verletzungen sind im Training passiert

Am Mittwochabend (26.02.2025) meldete der DFB, dass die nachnominierte Marie Müller am selben Tag erfolgreich operiert sei, nachdem sich die 24-Jährige bereits vor einer Woche das vordere Kreuzband im rechten Knie gerissen hatte.

Die beim Portland Thorn FC, dem langjährigen Arbeitgeber der ehemaligen Nationaltorhüterin Nadine Angerer, unter Vertrag stehende Defensivspielerin, verletzte sich im Training, nachdem sie von der U23-Nationalmannschaft aus Portugal anreiste.

Unglücklicher hätte der Abstecher nach Frankfurt auf den DFB-Campus nicht ablaufen können. Doch noch viel mehr Pech hat Sophia Winkler gehabt. Die vielleicht hoffnungsvollste deutsche Torhüterin war mit einer "schweren Knieverletzung“ Anfang der Woche aus Nürnberg abgereist. Weder der DFB noch die SGS Essen haben bislang eine Diagnose veröffentlicht.

Winkler droht ein Ausfall von mehr als einem Jahr

Nach Sportschau-Informationen hat die 21-Jährige neben einem Kreuzbandriss auch einen Meniskusschaden erlitten. Nicht ausgeschlossen, dass auch Knorpel und Knochen betroffen sind. Befürchtet wird eine Ausfallzeit von mindestens einem Jahr. Die SGS Essen wird ein Statement erst nach weiteren Untersuchungen und der Operation veröffentlichen, die sich durch die Schwere der Verletzung auf kommende Woche verschoben hat.

Trainer Markus Högner ist immer noch geschockt vom Langzeitausfall seiner Stammtorhüterin, die sich beim besten Ausbildungsverein der Frauen-Bundesliga prächtig entwickelt hat. "Das ist ganz schlimm für Sophia, weil sie gute Möglichkeiten gehabt hätte, zur EM zu fahren und vielleicht auch zu spielen", sagte der am Saisonende zu den Frauen von Borussia Dortmund wechselnde Högner der Sportschau.

Das Video von Sophia Winklers Verletzung sieht harmlos aus

Er habe sich das Video von der Verletzung im besagten Training unter DFB-Anleitung angesehen: Die 21-Jährige sei ohne gegnerische Einwirkung bei einer Parade mit dem linken Knie weggeknickt, "das sah eigentlich harmlos aus".

Die komplexe Knieverletzung mit entsprechender Ausfallzeit trifft auch Eintracht Frankfurt im Mark. Erst kürzlich hatten der ambitionierte Bundesliga-Zweite Winkler, die gegen die Schweiz (6:0) als Nationaltorhüterin debütiert hatte, mit einem Vertrag bis 2029 ausgestattet, um auf dieser Position bestens aufgestellt zu sein.

Hat sich im Training schwer verletzt: Torhüterin Sophia Winkler

Hat sich im Training schwer verletzt: Torhüterin Sophia Winkler

Winkler hatte zu der Vertragsunterschrift in Frankfurt gesagt: "Ich bin seit acht Jahren in Essen und habe im vergangenen Jahr meine ersten Einladungen für die deutsche A-Nationalmannschaft bekommen. Es fühlt sich nach dem richtigen Zeitpunkt an, ab dem Sommer die nächsten Schritte zu machen, um mich weiterzuentwickeln und auf Topniveau messen zu können."

Doch nun wird sie erstmal eine lange Reha absolvieren müssen. Schon jetzt deutet sich an, dass ihr ein ganz schwerer Weg bevorsteht, der großes Durchhaltevermögen erfordert. Die Eintracht wird vermutlich noch eine weitere Torhüterin verpflichten müssen, da die gegen Österreich eingesetzte Stina Johannes zum VfL Wolfsburg wechseln will.

Marie Müller wagte erst gerade den Sprung ins Ausland

Auch die U23-Nationalspielerin Müller ist durch einen Trainingsunfall ausgebremst worden: Die 24-Jährige wagte vor einem Jahr erst den Sprung ins Ausland und bestritt für das Team aus der US-amerikanischen NWSL absolvierte Müller bislang 25 Ligaspiele und eine Play-off-Partie.

Ihre gute Entwicklung hatten die DFB-Scouts im Auge - und auch Bundestrainer Christian Wück soll nach den ersten Eindrücken angetan gewesen sein. Auch ihn dürfte es nachdenklich stimmen, dass sich solch schwere Verletzungen ereignen.

Junge Spielerinnen leiden unter dem mentalen Stress

Der unter Steffi Jones selbst als Co-Trainer kurzzeitig beim Nationalteam arbeitende Högner will dem DFB keinerlei Vorwürfe machen, gibt aber zu bedenken, dass gerade bei jüngeren Spielerinnen schon früher gewisse Zusammenhänge zu beobachten waren. "Es prasselt in dieser Phase vieles auf sie ein. Oft ist es mentaler Stress, der ein Spannungsfeld erzeugt."

Der Fußball, das Studium, die Ausbildung oder das Privatleben: Oft ist es nicht einfach, die Balance zu finden. Winkler habe aufregende wie anstrengende Woche hinter sich gehabt, "das sind dann viele Einflussfaktoren, die zusammenkommen", gibt Högner zu bedenken. Klar auch: Das Problem ist vielschichtig und in Teilen unerforscht.

Auch Lena Oberdorf fehlt schon lange

Als prominenteste Nationalspielerin ist aktuell Lena Oberdorf nach einem im Juli vergangenen Jahres im EM-Qualifikationsspiel gegen Österreich (4:0) erlittenen Kreuzband- und Innenbandschaden außer Gefecht. Die 23-Jährige brauchte lange, um die Schwere der Verletzung zu realisieren.

Zuletzt sagte die zum FC Bayern gewechselte Mittelfeldspielerin: "Meine Wunschvorstellung ist, dass ich es zur EM schaffe und davor auch noch ein paar Spiele machen kann." Doch sicher ist das nicht, denn die Zwangspausen variieren stark. Neu ist das Phänomen mitnichten, dass Kreuzbandrisse im Fußball der Frauen deutlich häufiger auftreten als bei den Männern.

Besonders geplagt von dieser Verletzung ist bekanntlich die heutige Sportdirektorin Nia Künzer. Die heute 44-Jährige köpfte für Deutschland das Golden Goal im WM-Finale 2003, hatte sich aber in demselben Jahr bereits zum dritten Mal ein Kreuzband gerissen. Und nur zwei Monate nach ihrem Glück schlug das Pech in Form eines vierten Kreuzbandrisses erneut zu. Kurz darauf musste sie mit dem Fußball aufhören.