
Viertelfinale im DFB-Pokal Wolfsburger Elfmeter-Ärger nach Sieg von Leipzig
Nach 90 umkämpften Minuten jubelte RB Leipzig über den Einzug ins Halbfinale des DFB-Pokals. Der VfL Wolfsburg verlangte den Sachsen beim 1:0 (1:0)-Sieg aber alles ab.
Entscheidend war am Mittwochabend (26.02.2025) ein umstrittener Handelfmeter, den Benjamin Sesko nach 69 Spielminuten zum Sieg verwandelte. Danach entspannte sich schnell eine Grundsatzdebatte über die Entscheidung von Schiedsrichter Tobias Reichel.
"Ich verstehe nicht, warum sich der Schiedsrichter diese Situation nicht noch mal anschaut", sagte Wolfsburgs Kilian Fischer der Sportschau. Leipzigs Sesko hatte ihm den Ball aus kurzer Distanz an den ausgestreckten Arm geschossen. Reichel entschied auf Strafstoß und blieb auch nach Rücksprache mit dem Videoassistenten dabei.
Referee Reichel erklärt seine Sicht
Nach dem Spiel erklärte Reichel sich. Fischer habe "eine klare Sicht auf den Ball" gehabt, sagte der 39-Jährige im Gespräch mit der Sportschau: "Die Distanz war relativ kurz, er versuchte aber auch mit zwei Spreizschritten, sich in den Weg zu stellen. Der Ball war erwartbar. Er ist quasi mit der ausgestreckten Hand in den Ball gegangen."
Zwar habe Fischer versucht, den Arm wegzuziehen, dies sei jedoch erst geschehen, "nachdem der Ball an der Hand war". Als Fischer den Ball berührte, sei "noch eine gewisse Spannung im Arm" gewesen.
Mit Pascal Müller, dem Videoassistenten, sei er natürlich im Austausch gewesen, sagte Reichel. Bilder, die eine klare Fehlentscheidung belegten, habe der ihm aber nicht liefern können. Deshalb habe er sich die Szene nicht noch einmal angeschaut.
VAR-Frust bei Wolfsburgs Trainer Hasenhüttl
Überrascht war davon auch Wolfsburgs Trainer Ralph Hasenhüttl. Er sagte: "Was ich nicht akzeptieren kann: Dass vom VAR keine Aufforderung kam, sich das anzuschauen." Hasenhüttl sagte auch: "Dafür haben wir das Ding. Ich glaube, dass das absolut kein klares Handspiel war. Die Hand geht weg vom Ball."
Am Ende werde es dem intensiven und guten Spiel nicht gerecht, fand Hasenhüttl: "Ich kann mit dem Ausscheiden leben, wenn der Gegner aus einer Chance ein Tor macht." Aber so habe es einen faden Beigeschmack.
"Ich finde, man kann dem Schiedsrichter keinen Vorwurf machen", sagte Leipzigs Trainer Marco Rose der Sportschau. Reichel habe die Handspiel-Regel seiner Meinung nach korrekt ausgelegt. Allerdings sei die Regel "gewöhnungsbedürftig." Deshalb könne er auch den "Unmut" der Wolfsburger nachvzollziehen.
Leipzig und Wolfsburg starten beide mutig
Aber der Reihe nach: Nach vier Minuten stellte sich RB erstmals gefährlich bei den Wolfsburger Abwehrspielern vor. Kevin Kampl hatte einen klugen Pass auf die linke Außenbahn geschlagen, wo Benjamin Sesko die Kugel gleich weiter in die Mitte leitete - der heranstürmede Lois Openda rutschte aber gemeinsam mit dem Ball am Wolfsburger Tor vorbei.
Auch auf der Gegenseite wurde es früh interessant: Andreas Skov Olsen war rechts durch, passte flach ins Zentrum, wo der mit nach vorn gestürmte Außenverteidiger Joakim Maehle nur knapp die Kugel verfehlte (6.). Die Partie hatte einen rasanten Start hingelegt.
Intensive Zweikämpfe
Es ging auch in den Zweikämpfen ordentlich zur Sache. Vor allem Wolfsburgs Kilian Fischer musste in der Anfangsphase gleich zweimal einstecken: Erst einen Check von David Raum, dann einen Tritt von Xavi. Beide Teams gingen in punkto Härte an die erlaubten Grenzen.

Wolfsburgs Jonas Wind (l.) und Bochums Ivan Ordets kämpfen um den Ball.
Bis zur nächsten torgefährlichen Szene dauerte es aber: Wolfsburgs flinker Tiago Tomas hatte nach gewonnenem Zweikampf im Mittelfeld Tempo aufgenommen und Mohamed Amoura links ins Spiel gebracht. Der Wolfsburger Torjäger zog nach innen, seinen Schlenzer pflückte RB-Keeper Maarten Vandevoort aber locker herunter (30.).
Wolfsburgs Amoura köpft an die Latte
Die Zuschauer bekamen eine interessante Partie auf hohem Niveau zu sehen. Und die gut 4.000 mitgereisten Wolfsburger Fans hatten zwei Minuten nach Wiederanpfiff den Torschrei schon auf den Lippen: Nach einem Eckball stand am langen Pfosten Amoura frei - der Kopfball des Algeriers landete aber nur auf dem Querbalken.
Es war und blieb aber ein Spiel auf Augenhöhe. Wolfsburg wirkte optisch überlegen, Leipzig konterte aber immer wieder kreuzgefährlich. In der 56. Minute ging es ganz schnell: Langer Abschlag von Vandevoort, Sesko vorn gleich weiter zu Openda, der aber den Volleyschuss verweigerte. Die Partie wogte hin und her - jedem der beiden war der mutmaßlich entscheidende Treffer zuzutrauen.
Sesko cool vom Elfmeterpunkt
Und dann zeigte Schiri Tobias Reichel im Wolfsburger Strafraum auf den Elfmeterpunkt. Sesko hatte Fischer den Ball aus kurzer Distanz an den Arm geschossen. Es war eine extrem harte Entscheidung. Sie blieb aber bestehen. Und Sesko blieb cool, verwandelte den Strafstoß sicher links unten zum 1:0 (69.).

Leipzigs Sesko trifft per Elfmeter.
VfL-Trainer Ralph Hasenhüttl reagierte direkt, brachte mit Jonas Wind einen weiteren Stürmer. Aber RB wirkte nun souverän, spielte die Sache nun ausgesprochen abgeklärt. Der Ball wurde gut gehalten, immer wieder lancierten das Rose-Team ganz entspannt eigene Angriffe und ließ den VfL kaum noch zur Entfaltung kommen. Xavi hätte nach einem Solo fast sogar noch das 2:0 nachgelegt, schoss aber hauchdünn am linken Pfosten vorbei (83.).
Behrens verpasst späten Ausgleich
Auf der anderen Seite wäre um ein Haar drei Minuten vor dem Ende der Ausgleich gefallen: Der eingewechselte Kevin Behrens war nach Amouras Pass plötzlich frei vor RB-Keeper Vandevoort, bekam die Kugel aber nicht am Niederländer vorbei. So blieb es beim knappen 1:0 - das RB Leipzig den ersehnten Einzug unter die letzten Vier des DFB-Pokals brachte.
Halbfinals am 1. und 2. April
Die beiden Halbfinal-Partien werden am 1. und 2. April ausgetragen, die Auslosung findet am 2. März statt. Das Finale steigt am 24. Mai.