Schiedsrichterin Fabienne Michel

Sexistische Rufe von RWE-Fans DFB leitet Ermittlungen ein

Stand: 04.04.2025 16:46 Uhr

Nach den sexistischen Gesängen von Essener Fans beim Spiel gegen Verl am vergangenen Freitag in Richtung der Schiedsrichterin Fabienne Michel leitet der DFB-Kontrollausschuss nun Ermittlungen ein. 

Der DFB hatte erst durch die Recherchen der Sportschau von den Vorfällen erfahren. Nach eingehender Prüfung der vorliegenden TV-Aufnahmen sind die Verantwortlichen nun zum Schluss gekommen, dass hier mindestens sportrechtlich relevante Verstöße vorliegen könnten. "Es wird aktuell der Sachverhalt ermittelt und dann einer Bewertung zugeführt. An der Stelle spricht man dann eben von einem laufenden Verfahren", erklärte DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann gegenüber der Sportschau.

Rot-Weiss Essen ist in diesem Zuge gemäß der Rechts- und Verfahrensordnung angeschrieben worden und nun zu einer schriftlichen Stellungnahme aufgefordert. Die DFB Schiri GmbH begrüßt die aufgenommenen Ermittlungen ausdrücklich: "Gerade die Unterstützung und der Schutz der Schiedsrichterinnen ist uns sehr wichtig und hat hohe Priorität", schreibt der Leiter Kommunikation und Medienarbeit Alex Feuerherdt.

Auch DFB-Vize Zimmermann betonte, dass man sich als Verband vor die Schiedsrichter und Schiedsrichterinnen stelle. "Gerade in solchen Angelegenheiten, wie auch in dieser", so Zimmermann. "Das ist nicht nur Pflicht, das ist eine Verantwortung und damit eine Selbstverständlichkeit für uns."

Sportschau, 04.04.2025 17:14 Uhr

Sexistische Beleidigungen und verbale sexualisierte Gewalt

Im Spiel gegen den SC Verl hatten die Essener Fans bei der 0:3-Niederlage Fehler der Schiedsrichterin Fabienne Michel zum Anlass genommen, Gesänge anzustimmen, die nicht nur sexistische Beleidigungen enthielten, sondern auch verbale sexualisierte Gewalt.

Der Vorfall blieb zunächst ohne weitere Auswirkungen, weil er weder durch den anwesenden Schiedsrichterbeobachter noch durch die Schiedsrichterin selbst im Spielberichtsbogen dokumentiert wurden.

Ob Fabienne Michel den Vorfall mitbekommen hat, ist fraglich. Sie war zum Zeitpunkt der diskriminierenden Gesänge intensiv ins Spielgeschehen eingebunden. Warum andere Anwesende und Verantwortliche den Vorfall nicht weitergeleitet haben, ist unklar.

Kein Handlungsimpuls trotz klar definierter Abläufe

Grundsätzlich gibt es in Fällen sexistischer Diskriminierung wie auch bei Rassismus klar definierte Abläufe, schreibt der SC Verl auf Nachfrage der Sportschau: "Durchsagen des Stadionsprechers, Ansprache durch Fanbeauftragte sind Teil dieses Ablaufs."

Eine rote Linie wie etwa durch bestimmte Begriffe, sei allerdings nicht definiert. Ob und wann eingegriffen werde, liege im Ermessen der Sicherheitsverantwortlichen in Absprache mit dem Schiedsrichterteam. Schnittstelle ist hier der Schiedsrichterbeauftragte.

Warum in dieser Kette anhand der klar sexistischen Beleidigungen niemand einen Handlungsimpuls verspürte, lässt sich Stand jetzt nicht klären. Rot-Weiss Essen will sich zu den Vorfällen aktuell nicht äußern. Dort steht am Sonntag ein Heimspiel gegen Hansa Rostock an. In Verl will man den Vorfall nachträglich aufarbeiten.