
Reitsport Weltcup-Finale Springreiter Hans-Dieter Dreher träumt vom Podium
Bis Sonntag findet in Basel das Weltcup-Finale im Springreiten statt. Fünf Deutsche reiten mit um den Sieg, darunter Hans-Dieter Dreher. Für ihn erfüllt sich damit ein Traum.
Für Hans-Dieter Dreher ist dieses Weltcup-Finale fast ein Heimspiel: Knapp 15 Kilometer sind es vom heimischen Stall in Eimeldingen bis zur St. Jakobshalle in Basel. Der Weg über die deutsch-schweizerische Grenze ist so kurz, dass er fast hätte hin reiten können, erzählt er schmunzelnd. Seine Top-Pferde Elysium und Vestmalle des Cotis sind am Dienstagmorgen dann aber doch mit dem Transporter angereist. Ihr Reiter pendelt bis Sonntag zwischen Turniergelände und eigenem Bett. "Ich bin schneller zuhause als die anderen Reiter im Hotel."
Weltcup-Finale für Dreher "die Weltmeisterschaft in der Halle"
Im Gespräch mit SWR Sport wirkt der 53-Jährige locker und voller Vorfreude. Ihm ist anzumerken, welch großen Stellenwert die Weltcup-Saison mit dem abschließenden Finale für ihn hat. "Für mich ist das die Weltmeisterschaft in der Halle", erklärt er. In Basel starten diese Woche die besten Reiter und Reiterinnen der Welt. Seit Oktober konnten sie bei verschiedenen Weltcup-Stationen Punkte sammeln, um sich für das Finale der Saison 2024/ 2025 zu qualifizieren.
Mit der Qualifikation für Basel hat Hans-Dieter Dreher sein erstes Ziel erreicht. Nun liegt der Fokus auf dem nächsten: einem Podestplatz im Weltcup-Finale. Die hohen Erwartungen seien ganz normal und bei jedem so, der mitreitet, sagt er. "Ein Platz unter den besten drei ist realistisch, aber nicht vergessen: Die anderen wollen auch gewinnen." In drei Prüfungen ist volle Konzentration gefragt. Jeder der bis zu 1,60 Meter hohen Sprünge ist eine Hürde auf dem Weg zum Final-Sieg.
Die erste Prüfung am Donnerstagabend (20:15 Uhr) ist ein Zeitspringen, für das Hans-Dieter Dreher seinen Fuchswallach Vestmalle des Cotis satteln wird. "Er ist ein sehr schnelles Pferd. Wenn wir eine gute Runde erwischen, können wir vorne dabei sein." Gemeinsam gewannen die beiden im Dezember den Weltcup im belgischen Mechelen, rückblickend das "Highlight der Hallen-Saison" für Hans-Dieter Dreher.
Vergangenes Jahr knapp am Podium vorbei gesprungen
Am Freitagabend (20:15 Uhr) steht dann eine Springprüfung nach Fehlern und Zeit mit Stechen an. Hier soll Vestmalles Stallkollege Elysium zum Einsatz kommen, genau wie am Final-Sonntag. "Er sieht aus wie ein weißer Riese, ist aber sehr sensibel", erzählt Dreher, der ihn liebevoll "Eli" nennt. Beim Weltcup-Finale im vergangenen Jahr verpasste Dreher mit ihm nur knapp das Podium und wurde am Ende als Fünfter bester Deutscher.

Hans-Dieter Dreher zusammen mit Wallach Elysium beim Vet-Check am Dienstagabend. Der Holsteiner-Wallach mit der riesigen Galoppade wolle immer alles richtig machen, erzählt sein Reiter.
Für Dreher ist Basel immer wieder ein "Traum-Turnier". Erst im Januar fand hier eine Weltcup-Etappe statt, nun ist die St. Jakobshalle erstmals Austragungsort des Weltcup-Finals. "Ich reite hier schon etliche Jahre. Sie geben sich so viel Mühe und versuchen, immer noch ein bisschen was besser zu machen."
Zur guten Atmosphäre trage aber auch das eigene Team bei, zu dem vor Ort unter anderem Pfleger Stefan, Frau Marion und Drehers Kinder gehören. "Und auch wir Reiter haben natürlich ein super Team. Wir Deutschen hier verstehen uns alle super. Da unterstützt einer den anderen", erzählt er.
- Seit 1979 haben 44 Weltcup-Finals stattgefunden. Dieses Jahr findet es erstmals in Basel statt.
- Für Vorjahressieger Henrik von Eckermann (Schweden) geht es um den Weltcup-Final-Hattrick: In den vergangenen beiden Jahren dominierte er mit Kind Edward, dieses Jahr startet er mit Iliana.
- Bislang konnten vier Reiter und eine Reiterin das Weltcup-Finale im Springreiten drei Mal gewinnen. Dazu zählen die Deutschen Marcus Ehning und Meredith Michaels-Beerbaum. Ehning tritt in Basel an und könnte sich zum Rekordsieger krönen.
- Mit elf Finalsiegen führen die USA das Nationen-Ranking im Springreiten an. Deutschland folgt auf Platz zwei mit zehn Siegen. Die Schweiz gewann bislang sechs Mal.
- Neben dem Weltcup-Finale im Springreiten werden in Basel auch die Finals in der Dressur und im Voltigieren ausgetragen.
Neben Dreher starten in Basel aus deutscher Sicht auch Richard Vogel, Sophie Hinners, Marcus Ehning und Mario Stevens. "Die sind alle richtig gut drauf", findet Dreher. Zu den Favoriten zählen laut dem 53-Jährigen aber auch der Schweizer Martin Fuchs, der Franzose Julien Epaillard und der Schwede Henrik von Eckermann, der die vergangenen beiden Finals gewinnen konnte.
Voller Fokus auf das Weltcup-Finale in Basel
Genau wie viele andere Weltklasse-Reiter ist Hans-Dieter Dreher mit Pferden groß geworden. Sein Vater betrieb einen Reitstall, in dem auch "Hansi" als Kind das Reiten lernte. Mit sieben Jahren ging es dann für ihn das erste Mal aufs Turnier. Mittlerweile zählt er zur Weltspitze, auch dank Sponsoren aus der Schweiz. Mit der Teilnahme am Weltcup-Finale in Basel erfüllt er sich nun einen Traum und ist sich seines gewissen Heimvorteils bewusst: "Ich kann jeden Tag in einer Viertelstunde nach Hause fahren. Das ist für mich schon sehr angenehm."