
Reiten "Probleme in Vorteile ummünzen" - Richard Vogel beim Weltcup-Finale in Basel
Für Mitfavorit Richard Vogel lief das Auftaktspringen beim Weltcup-Finale in Basel nicht ganz wie erhofft. Seine Lebensgefährtin Sophie Hinners wurde als Siebte beste Deutsche.
Es war ein Mix aus Vorfreude und Aufregung, den Sophie Hinners vor ihrem ersten Start bei einem Weltcup-Finale verspürte. Im Parcours selbst zeigte die 27-Jährige mit Iron Dames my Prins dann eine souveräne Runde und war am Ende nur 2,26 Sekunden langsamer als der siegreiche Franzose Julien Epaillard mit Donatello d'Auge. Richard Vogel kam mit United Touch als zweitbester Deutscher auf Rang zwölf. Ein "ärgerlicher Fehler" verhinderte eine bessere Ausgangslage vor den weiteren Springen am Freitagabend und Sonntagnachmittag.
"Schlitzohr" United Touch liebt Ausritte im Wald
"United hat sich gut angefühlt. Er ist mit großer Leichtigkeit gesprungen und war sehr fokussiert", resümierte Richard Vogel die Leistung seines Hengstes, den er gerne auch als "Schlitzohr" bezeichnet. Wenige Stunden vor dem ersten Start beim Weltcup-Finale in Basel hatte sich United Touch noch genüsslich im Gras gewälzt. Nach ein paar Umdrehungen stand er wieder auf und zupfte entspannt an den grünen Halmen.
Seine Pflegerin Felicia Wallin beobachtete ihn auch während des Interviews mit SWR Sport ganz genau: "Mein Job ist es, ihn glücklich zu machen." Sie kennt den Hengst in- und auswendig, kümmert sich auf dem Turnier, aber auch zuhause im hessischen Pfungstadt um ihn. Felicia Wallin hält United Touch fit, während Richard Vogel mit anderen Pferden auf Turnieren in der ganzen Welt unterwegs ist. "Im Wald galoppieren ist unser Lieblings-Workout", erzählt sie und ihr ist dabei anzumerken, wie viel ihr der Hengst bedeutet.
Richard Vogel verdankt United Touch seinen Durchbruch
"Felicia ist Uniteds beste Freundin. Ich bin eher so der Arbeitskollege", sagt Richard Vogel mit einem Grinsen im Gesicht. "Wenn ich vorbeikomme, geht es ans Springen, was er ja aber auch sehr gerne mag und genießt." Während der Hengst im Stall die Ruhe selbst sei, starte er im Parcours einen zweiten Motor. "Da kann er seine Kräfte und seine Power erst entfachen."
Richard Vogel, der für den Reiter-Verein Mannheim startet, verdankt dem sprunggewaltigen United Touch seinen Durchbruch. Seit knapp drei Jahren sind die beiden ein Team. Seitdem haben sie viele Große Preise gewonnen, auch beim Weltcup in Stuttgart triumphierten sie bereits zwei Mal. Bei ihrem ersten Weltcup-Finale vor zwei Jahren in den USA wurden sie Achte, vergangenes Jahr gehörten sie zur deutschen Equipe bei den Olympischen Spielen in Paris. "Es gibt viele Sachen, die wir zusammen das erste Mal erlebt haben. Das ist natürlich etwas Besonderes", erzählt Vogel und ergänzt: "United ist ein Familienmitglied."
Vogel bricht für die Pferde die Schule ab
Die Begeisterung für Pferde kennt "Richi", wie ihn alle nennen, von klein an von seiner Familie. Noch bevor er laufen konnte, saß er zusammen mit seiner Mutter im Sattel. Um seine Passion zum Beruf zu machen, brach er kurz vor dem Abitur die Schule ab. "Das hing sicherlich auch damit zusammen, dass ich ein Sturkopf bin", gibt er zu. Nach seiner Ausbildung im Reiter-Verein Mannheim und in Viernheim bei Familie Herbert ging es für Richard Vogel für zwei Jahre nach Riesenbeck zu Ludger Beerbaum. Schon früh merkte er aber, dass er sich selbständig machen möchte. Ein Traum, den er sich zusammen mit seinem Geschäftspartner David Will erfüllte. Im hessischen Pfungstadt und Dagobertshausen kümmern sie sich mit ihren 16 Angestellten um rund 60 Pferde - auch Sophie Hinners gehört mit zum Team.
Es ist ein großes Privileg, dass wir unser Hobby, unsere Passion zu unserem Beruf machen konnten." Richard Vogel
Erst Anfang der Woche ist Richard Vogel aus den USA zurückgekommen. David Will ist viel im Nahen Osten unterwegs, ist Trainer der saudi-arabischen Equipe. "Man sieht dank der Pferde viele Teile der Welt, viele verschiedene Kulturen, lernt viele verschiedene Menschen und Persönlichkeiten kennen", erzählt Richard Vogel. Ein Wochenende oder gar eine ganze Woche zuhause, das käme nicht allzu oft vor. "Wir sind noch jung und motiviert und es läuft auch nicht ganz verkehrt, von daher nimmt man das natürlich sehr gerne mit."
Richard Vogel: ehrgeizig, fleißig und talentiert
Die Zusammenarbeit mit Richard Vogel sei sehr intensiv, erzählt Felicia Wallin: "Er liebt es zu arbeiten. Es gibt nichts anderes als die Pferde, aber es macht Spaß. Er ist sehr motiviert und talentiert." In Basel misst sich der 28-Jährige diese Woche mal wieder mit den besten Reitern und Reiterinnen der Welt. Dass er sich zusammen mit seiner Lebensgefährtin Sophie Hinners für das Weltcup-Finale qualifiziert hat, ist für ihn etwas ganz Besonderes. "Es macht es aber auch hier und da ein bisschen schwieriger, weil viele Emotionen mit reinkommen", gibt er zu.
Um nach den drei Wertungsprüfungen am Sonntagabend als Sieger aus Basel abzureisen, brauche es neben einem guten Pferd, einem guten Reiter und einem guten Team drumherum auch das gewisse Quäntchen Glück, analysiert Vogel. Je nach Parcours könnte die eher kleine Halle eine Herausforderung für United Touch sein. "Mit seiner großen Galoppade ist das nicht immer ganz einfach. Aber wir versuchen, die Probleme in Vorteile umzumünzen", sagt Richard Vogel selbstbewusst. "Ich kann auch sagen: Ich hab es einfacher, weil ich kann hier und da einen Galoppsprung weniger machen als andere." Mit dieser Mentalität soll es nun noch einige Plätze nach vorne gehen.
Sendung am Sa., 5.4.2025 19:30 Uhr, SWR Aktuell Baden-Württemberg, SWR BW