Die Adler Mannheim fliegen wieder

Eishockey | Playoffs Die Adler fliegen wieder hoch: Mannheim vor dem Halbfinal-Einzug?

Stand: 27.03.2025 17:47 Uhr

Am Dienstag sind die Adler Mannheim in der Viertelfinal-Serie gegen den EHC München mit 3:2 in Führung gegangen. Mit einem weiteren Sieg am Freitagabend in München könnten die Kurpfälzer ins Halbfinale einziehen.

Das war sie endlich wieder, die Eishockey-Stimmung "Marke Mannheim". Als Matthias Plachta am Dienstagabend gegen 23 Uhr, nach 85 Minuten und 41 Sekunden Spielzeit, mit seinem 4:3 in der zweiten Verlängerung die Kurpfälzer zum dritten Sieg geschossen hatte, brachen in der SAP-Arena alle emotionalen Dämme. Auf dem Eis fielen die Adler-Spieler übereinander her, auf den Rängen hüpften die 12.000 Fans vor Begeisterung. Pure Emotionen in der "fünften Jahreszeit" der Eishockey-Cracks, der Play-Off-Zeit.

Play-Off-Serie gedreht

Endlich, die ruhmreichen Adler sind angekommen im Play-Off-Modus, nachdem es es in den ersten Begegnungen gegen die Münchner eher rumpelig zuging. Das erste Spiel gewann Mannheim daheim noch knapp mit 2:1 in der Overtime, danach aber fiel die Leistung zunächst tief in den Keller, zweimal hieß es 2:5. Dazu kam eine schlagzeilenträchtige Rauf-Orgie beim dritten Duell vor einer Woche in Mannheim mit mehr als 100 Strafminuten, von denen allein 70 auf das Konto der Mannheimer gingen. Die Nerven der Adler waren überstrapaziert, das vorzeitige Ende der Viertelfinal-Serie und damit der Saison schien bevorzustehen.

Matchball am Freitagabend für die Adler in München

Doch dann rappelten sich die Mannheimer gerade noch rechtzeitig wieder auf und drehten spektakulär die Serie: Sie gewannen letzten Sonntag mit einer disziplinarischen Glanzleistung 2:0 in München und gingen am Dienstag mit diesem spannungsgeladenen 4:3 nach Überlänge daheim mit 3:2-Siegen in Führung. Das heißt: An diesem Freitagabend (19.30 Uhr) in der neuen Münchner Eishockey-Arena besitzen die Adler jetzt ihren ersten "Matchball" und könnten mit einem weiteren Erfolg bereits das Halbfinal-Ticket in der Best-of-Seven-Serie buchen.

Titelgewinn ist kein zwingendes Saisonziel in Mannheim

Die Blau-Weiß-Roten sind wieder da. Mannheim lebt, die Adler fliegen wieder. Die Eishockeystadt hat sich mit Vehemenz im Kampf um die deutsche Meisterschaft zurückgemeldet. Kämpferisch und inzwischen auch spielerisch. Auch wenn der Titelgewinn in dieser Saison nicht als primäres Ziel ausgegeben wurde.

Die mit jüngeren Spielern - viele mit Mannheimer Vergangenheit - neu zusammengestellte Mannschaft sollte stattdessen unter der Überschrift "Ein Club im Wandel" unter dem früheren NHL-Trainer Dallas Eakins, in Personalunion auch Sportmanager, behutsam weiterentwickelt werden. Der Aufbau eines meisterschaftsfähigen Teams mit Mannheimer Identifikation in den nächsten Jahren ist vielmehr das nachhaltige Vorhaben der Verantwortlichen.

Titelfavorit Eisbären Berlin bereits im Halbfinale

Sollten die Mannheimer allerdings ihre neugewonnene Form samt Disziplin konservieren können, mit einem weiteren Sieg gegen Schwergewicht München ins Halbfinale einziehen, ist bereits in dieser Playoffrunde vieles möglich. Auch wenn der ewige DEL-Rivale und Titelverteidiger Eisbären Berlin vor allem mit seinen exzellenten Sturmreihen um Torjäger Ty Ronning (fünf Tore in fünf Viertelfinalspielen) als klarer Favorit auf die Meisterschaft gilt. Die Berliner machten mit 4:1-Siegen über Straubing bereits am Dienstag ihre Halbfinalteilnahme erwartungsgemäß fix.

Keeper Arno Tiefensee der Rückhalt des Teams

Mannheim aber braucht sich mit seinem ausgeglichenen Team und den phantastischen Adler-Fans im Rücken keineswegs zu verstecken. Trumpfass bei den letzten beiden Mannheimer Siegen über die Münchner war insbesondere der junge Torhüter Arno Tiefensee. Das 22-jährige Top-Talent mit dem schulterlangen Haarschopf, längst mit einem Vorvertrag beim NHL-Club Dallas Stars ausgestattet, brachte die Münchner mit seinen Reflexen serienweise zur Verzweiflung. Beim 2:0 in München blieb Tiefensee sogar zum ersten Mal in seiner Karriere in einem Playoff-Spiel ohne Gegentor.

Adler Mannheim bezwingen EHC München

Topscorer Matthias Plachta trifft wieder

Dazu kommt, dass auch Adler-Topscorer Matthias Plachta rechtzeitig seine Play-Off-Form unter Beweis gestellt, seine Torgefährlichkeit wiederentdeckt hat. Beim 4:3 am Dienstag gegen die Münchner erzielte der 33-Jährige seine ersten beiden Play-Off-Treffer der Saison. Plachtas überbordende Freude über das Ende seiner Torflaute vor allem nach dem Game-Winning-Goal in der Verlängerung zeugt von einer gewissen Erlösung für den sonst so coolen Eishockey-Profi, der mit seinem Können und seiner außergewöhnlichen Schusskraft vor allem in Überzahl ein Spiel alleine entscheiden kann.

Freitagabend - Spiel sechs in München

Matchball hin oder her: Noch aber fehlt den Mannheimern ein Sieg gegen die Münchner, um in die Runde der letzten Vier einzuziehen. Und die Aufgabe am Freitagabend in Spiel sechs in München wird schwer genug. Das erfahrene und ausgebuffte Team von EHC-Interimstrainer Don Jackson - der frühere Meistertrainer war vor der Play-Off-Runde eingesprungen - wird noch einmal alle Register ziehen, um den Serienausgleich zu schaffen. Mit allen Tricks und Kniffen, die in solchen entscheidenden Eishockey-Matches nicht unüblich sind.

Showdown am Sonntag in der SAP-Arena?

Sollte es so kommen und die Münchner auf 3:3 stellen, gibt es am Sonntag (15.15 Uhr) in Mannheim in Spiel sieben den großen Showdown. Ein Eishockey-Krimi mit allen Zutaten wäre sicher, die SAP-Arena mit mehr als 13.000 Fans bestens gefüllt. Und einmal mehr eine Play-Off-Stimmung "Marke Mannheim", wie sie nur eine Eishockeystadt in ihrer "fünften Jahreszeit" garantiert.

Sendung am Do., 27.3.2025 18:40 Uhr, SWR1 Baden-Württemberg