
HSV vor Nürnberg-Spiel Hamburgs Aufstiegschance ist so groß wie nie
Der HSV startet im engen Rennen um den Bundesliga-Aufstieg in die heiße Saisonphase. Im Gastspiel beim 1. FC Nürnberg will der Hamburger Zweitligist am Sonnabend den nächsten wichtigen Schritt machen. Noch nie standen die Chancen auf die Rückkehr ins Fußball-Oberhaus so gut.
Diesmal soll es endlich klappen
Eines war dem HSV und seinen Anhängern in den vergangenen sieben Jahren im Frühling immer sicher: die Häme anderer Fans. Regelmäßig lagen die Norddeutschen in aussichtsreicher Position für eine Rückkehr in die Erste Liga, regelmäßig verspielten sie diese Möglichkeit. So wurde aus dem einstigen Bundesliga- der Zweitliga-Dino.
Doch damit soll für das Team von Merlin Polzin am Ende dieser Spielzeit endgültig Schluss sein - und die Chancen darauf stehen vor dem Gastspiel bei den Franken (13 Uhr, im NDR Livecenter) laut NDR Datenanalyse besser denn je.
Offensiv-Power und Stabilität unter Polzin
Für den Aufstieg des HSV spricht vor allem die starke Offensive. Mit 2,15 Toren pro Spiel stellen die Hamburger den besten Angriff der Liga, was vor allem auf die starken Leistungen von Davie Selke und Ransford Königsdörffer zurückgeht, die den lange verletzten Torjäger Robert Glatzel blendend vertreten.
In der Mannschaft und im Zusammenspiel stimmt es einfach, was auch ein anderer Wert belegt: Mit einem Expected-Goals-Wert von 1,88 pro Spiel generiert der HSV regelmäßig hochkarätige Abschlussmöglichkeiten. Dies zeigt, dass die Tore nicht zufällig fallen, sondern durch planvolle, qualitativ hochwertige Angriffe vorbereitet werden.
Darin lässt sich klar die Handschrift von Trainer Polzin erkennen. Unter ihm hat der HSV neben der offensiven Kraft auch zu defensiver Stabilität gefunden. Die Hamburger stehen unter der Regie ihres 34 Jahre alten Coaches defensiv deutlich kompakter, schließen das Zentrum besser und verhindern effektiver Umschaltsituationen des Gegners - ein elementarer Unterschied zu Vorgänger Steffen Baumgart.
Das HSV-Spiel wurde nach der Entlassung des jetzigen Trainers von Union Berlin insgesamt kontrollierter, taktisch präziser, defensiv stabiler und ausgereifter. Polzin hat der Mannschaft ein klares taktisches Gerüst gegeben - und damit den Aufstiegskampf auf ein solides Fundament gestellt.
Aufstiegswahrscheinlichkeit liegt bei 80 Prozent
Und dieses Fundament wird laut den Berechnungen von Global Soccer Network (GSN) diesmal tragen: Die direkte Aufstiegswahrscheinlichkeit des HSV liegt den Berechnungen zufolge nach den bisherigen 27 Spieltagen bei 80 Prozent. Die Teilnahme an der Relegation, die der Tabellenzweite natürlich gerne vermeiden möchte, ist zu 13 Prozent wahrscheinlich. Zahlen, die den HSV-Fans Hoffnung geben werden für den Saison-Endspurt in der Zweiten Liga.
"Ich würde mich sehr freuen, wenn wir im Sommer einen richtig besonderen Moment hätten."
— Merlin Polzin
Was sagt Polzin zum Thema Aufstieg? Am Donnerstag wie gewohnt nicht viel. Er wich aus - ohne jedoch abzublocken: "Wir werden in jedem der sieben verbleibenden Spiele alles dafür tun, dass es am Ende klappt", sagte der Übungsleiter und fügte hinzu: "Ich würde mich sehr freuen, wenn wir im Sommer einen richtig besonderen Moment hätten."
Mallorca sorgt für freie Köpfe
Um den Druck auf seine Spieler nicht zu groß werden zu lassen, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren und nicht doch wieder an den hohen Erwartungen zu scheitern, hatte Polzin seinem Team von Sonntag bis Mittwoch ein Kurztrainingslager auf Mallorca verordnet.
Vier Tage Fokus auf das große Ziel, aber auch vier Tage, in denen die Spieler die Köpfe frei bekommen sollten. Der junge Coach hat als Co-Trainer in den vergangenen Jahren wieder und wieder mitbekommen, wie sein Herzensverein an den Erwartungen scheiterte, wie der Druck lähmte und der HSV den Aufstieg verpasste.
Trotz guter Stimmung unter mallorquinischer Sonne gab es aber auch eine Hiobsbotschaft: Jonas Meffert zog sich im Kurztrainingslager einen Nasenbeinbruch zu und musste vorzeitig abreisen. Ein Einsatz gegen den "Club" ist für ihn damit unwahrscheinlich.
"Wir müssen von Tag zu Tag schauen", sagte Polzin. Angeschlagen sind zudem Selke und Jean-Luc Dompé, die aber am Sonnabend auflaufen dürften.
Polzin: "Müssen eiskalt sein"
Vor dem Gegner hat der HSV-Coach großen Respekt. Wenn er an die Begegnung mit FCN-Trainer Miroslav Klose denke, werde er "fast schon ehrfürchtig. Wie viele besondere Momente er uns und mir als Fan gegeben hat, ist schon etwas ganz Besonderes. Ich freue mich sehr, ihn am Samstag kennenzulernen."
"Miro" mache das sehr gut, sagte Polzin über seinen Kollegen und DFB-Rekordtorschützen Klose. Nürnberg könne gut mit dem Ball umgehen, sei in der Offensive gefährlich und schaffe es, den Gegner auseinanderzuziehen.
"Sie sind eine Top-Mannschaft, was die Rückrundenbilanz angeht, und extrem heimstark", erklärte Polzin, der von seinen Spielern fordert: "Wir müssen eiskalt sein." Auch, damit alle, die die Raute im Herzen tragen, im Sommer was zu feiern haben.
Mögliche Aufstellungen:
Nürnberg: Reichert - Drexler, Gruber, Karafiat - Janisch, Jander, Yilmaz - Justvan, Lubach - Antiste, Tzimas
HSV: Heuer Fernandes - Mikelbrencis, Elfadli, Schonlau, Muheim - Reis - Karabec, Richter - Sahiti, Selke, Dompé
Dieses Thema im Programm:
Hamburg Journal | 03.04.2025 | 19:30 Uhr