Adrian Alipour (46) leitete am Mittwoch (2. April) seine erste Trainingseinheit bei der BSG Chemie Leipzig.

Fußball | Regionalliga Vom Norddamm auf die Derby-Trainerbank – Adrian Alipour beginnt bei Chemie Leipzig

Stand: 02.04.2025 18:00 Uhr

Adrian Alipour ist seit dem 1. April neuer Cheftrainer der BSG Chemie Leipzig. Gleich zum Einstand wartet am Sonntag das Stadtderby gegen Spitzenreiter 1. FC Lok Leipzig. Ein Ortsbesuch in Leutzsch beim Auftakttraining.

Von Johannes Wolf

"Fußball ist ein Sport, da verlierst du ständig den Ball. Ja, ständig!", sagt Adrian Alipour an die Mannschaft im Kreis. Es ist 12 Uhr am Mittwochmittag auf dem Trainingsplatz am Alfred-Kunze-Sportpark. Erwärmung und Athletikteil haben die Männer in Grün-Weiß schon überstanden, jetzt steht ein Trainingsspiel an.

3, 2, 1, los! Die Spieler der BSG Chemie Leipzig bei der ersten Trainingseinheit unter Adrian Alipour.

3, 2, 1, los! Die Spieler der BSG Chemie Leipzig bei der ersten Trainingseinheit unter Adrian Alipour.

Die Leutzscher Tugenden sollen es richten

"Aber wenn ich dann stehen bleibe und mich ärgere und auf den Boden gucke und schreie: 'Alles ist Scheiße' – dann hat auch der Gegner mehr Zeit, den Ball zu verarbeiten!" In zwei Teams sollen die Chemie-Fußballer deswegen Ballkontakte sammeln. Zuspiele, Annahmen, Dribblings, Sprints. "Vier, fünf, sechs, sieben", zählt Alipour, bevor Team zwei den Ball abnimmt und selbst mit Pass Nummer eins anfängt. Der neue Cheftrainer der Leutzscher hatte dazu eine klare Ansage gemacht: "Das Wichtigste ist, dass ihr den Gegenspieler sofort wieder stresst!"

"Geht darum, Fans beglücken zu können"

Für den 46-Jährigen ist es das erste Training mit der neuen Mannschaft. Die durchlebt in der Regionalliga Nordost bisher eine Saison zum Vergessen, hat als Tabellen-15. aktuell nur zwei Punkte Vorsprung auf den Vorletzten aus Eilenburg und den Klassenerhalt längst nicht sicher. Jetzt sollen es die alten Leutzscher Tugenden richten. Für die steht auch Alipour: "Viel Tempo, viel Lauffreude, viel Leidensfähigkeit, die Bereitschaft sich zu quälen."

Fans von Chemie Leipzig sprechen nach dem Abpfiff mit der Mannschaft

Die Wortführer der Chemie-Ultras redeten dem Team nach der jüngst bitteren 1:2-Niederlage bei Altglienicke ins Gewissen.

Verteidiger Rüth kennt Alipour aus Koblenz

Das ist genau das, was die BSG jetzt braucht, findet Innenverteidiger Fabian Rüth: "Er ist ein Trainer, der sehr viel auf Aggressivität und Intensität setzt. Ich glaube, dass das unserer Mannschaft sehr entgegenkommen kann." Rüth, der Alipour bereits aus seiner Zeit bei Rot-Weiß Koblenz (2022/23) kennt, schätzt an ihm außerdem Wissen, Fleiß und Einsatzbereitschaft: "Aus allen Ligen, jeden Tag, Freitag, Sonnabend, Sonntag guckt er die Spiele. Er kennt gefühlt jeden Gegner, jede Mannschaft ins Detail."

"Er kennt gefühlt jeden Gegner im Detail"

Auch mit dem 1. FC Lokomotive Leipzig habe er sich schon auseinandergesetzt. Ausgerechnet gegen den Stadtrivalen geht Alipour am Sonntag (6. April, 14 Uhr, live bei SPORT IM OSTEN) in sein erstes Spiel als Chemie-Trainer. Die derzeit schwerstmögliche Aufgabe, thronen die Probstheidaer doch mit einigem Vorsprung an der Tabellenspitze.

Dem ist sich der gebürtige Dortmunder Alipour bewusst, als er seine Mannschaft in der Schlussrunde nach dem Training erstmals auf das Derby einstimmt: "Wir spielen uns nicht zum Sieg, wir kämpfen uns zum Sieg!" Diese Haltung brauchen die Leutzscher am Sonntag, stellt der neue Coach klar: "Fakt ist einfach, dass wir hochgradig aggressiv in die Partie gehen müssen, um da überhaupt ’ne Chance zu haben."

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Miroslav Jagatic musste kurz vor Weihnachten 2024 nach fast sechsjähriger Amtszeit die BSG Chemie verlassen.

Dritter Trainer für das dritte Derby

Die BSG geht so also mit dem dritten Trainer ins dritte Derby der laufenden Saison. Im Oktober verloren die Grün-Weißen das Hinspiel im Bruno-Plache-Stadion noch unter Miroslav Jagatic mit 0:2. Kurz vor Weihnachten musste der Aufstiegscoach nach fast sechs Jahren im Amt gehen. David Bergner aus der Sportlichen Leitung übernahm Anfang Januar als Interims-Coach.

Lok nach Derbysieg bei Chemie im Halbfinale

Mit ihm gingen die Leutzscher vor zwei Wochen auch in das Sachsenpokal-Viertelfinale gegen den alten Rivalen. Die 1:4-Niederlage seiner neuen Mannschaft am vorletzten Wochenende erlebte Alipour noch nicht an der Seitenlinie, sondern auf dem Norddamm des heimischen Alfred-Kunze-Sportparks. Zwar hatte die BSG ihren neuen Coach schon Ende Februar vorgestellt; weil der aber offiziell noch beim SV Meppen unter Vertrag stand, konnte er erst ab April übernehmen.

Leipzigs neuer Trainer Adrian Alipour mischte sich unter die Fans im Gästeblock, 30.03. 2025.

Adrian Alipour stand auch bei der Niederlage bei Altglienicke im Chemie-Fanblock.

Alipour: "Aufsaugen, wie die Fans hier ticken"

Aber Alipour nutzte die Wartezeit und verpasste seither kein Spiel seines neuen Klubs. Egal ob daheim oder auswärts, jedes Mal stand der Neu-Leipziger im Fanblock – auch während der jüngsten Last-Minute-Niederlage bei der VSG Altglienicke: "Wichtig war mir einfach aufzusaugen, wie die Fans hier ticken, was die erwarten, wie der Schlag Mensch in Leipzig ist."

Und damit kommt er gut klar; man sei hier ehrlich, authentisch, sagt Alipour. Das mache ihn stolz, jetzt in Leutzsch zu sein: "Das ist einfach ein irrer Verein mit impulsiven Fans. Du kannst schon echt was erreichen, wenn du den schlafenden Riesen hier weckst."