
Fußball | Bundesliga Promi-SMS, Ansprüche und Chefrollen – RB Leipzig braucht Sieg gegen Hoffenheim
"Keiner funktioniert auf Knopfdruck", macht Zsolt Löw vor seiner Bundesliga-Premiere als Cheftrainer von RB Leipzig klar. Er muss vor dem immens wichtigen Heimspiel gegen Hoffenheim die Balance zwischen Zuckerbrot und Peitsche finden.
Vor der Heimpremiere von Zsolt Löw als Trainer von RB Leipzig am Samstag (15:30 Uhr im Audio-Livestream und SpiO-Ticker) gegen 1899 Hoffenheim waberten schon diverse Namen seines potentiellen Nachfolgers durch den Fußballkosmos. Matthias Jaissle – aktuell Coach des saudi-arabischen Clubs Al-Ahli – könnte der Mann sein, der RB nächste Saison zu Höhenflügen führen soll. Möglicherweise macht es auch Oliver Glasner von Crystal Palace. Oder, oder, oder. Fakt ist, man stochert noch im Nebel.
Noch sieben Spiele – dann ist Schluss für Löw
Was sicher ist: Löw wird keine Dauerlösung sein. Selbst wenn RB unter ihm zum Höhenflug ansetzt, sieben Spiele gewinnt und als Dritter hinter dem FC Bayern München und Bayer Leverkusen ins Ziel fährt, räumt der 45-Jährige seinen Platz. "Es ist ganz klar geregelt, dass ich das bis Sommer mache und ab Sommer ein neuer Trainer kommt. So ist es mit dem Verein abgesprochen", machte Löw am Freitag (4. April) bei seiner dritten Pressekonferenz innerhalb von sechs Tagen als RB-Coach klar. Gründe ließ er sich nicht entlocken.
Löw stand bisher als Assistent unter prominenten Trainern wie Ralf Rangnick oder Thomas Tuchel in der zweiten Reihe und punktet vor seinem ersten Chef-Auftritt daheim mit Bescheidenheit: "Ich muss erstmal beweisen, dass ich das gut kann, dass ich die Mannschaft in eine richtige Spur bringe." Im verlorenen Pokal-Halbfinale beim VfB Stuttgart klappte das zumindest ergebnistechnisch nicht. In vielen Statistiken hatte RB zwar die Nase vorn, in der entscheidenden war Stuttgart besser.
Wir müssen einfach akzeptieren, dass keiner eine Maschine ist, dass keiner auf Knopfdruck einfach funktioniert. Zsolt Löw über Lois Openda |
Trotzdem sah Löw viel Gutes und freute sich insbesondere über den wiedererstarkten Lois Openda, der allerdings auch unter Löw noch nicht traf. "Wir müssen einfach akzeptieren, dass keiner eine Maschine ist, dass keiner auf Knopfdruck einfach funktioniert." Wer einmal 20 Tore schießt, schießt im ganzen Leben immer 20 Tore – so funktioniere Fußball nicht, weiß Löw, der auf viele Einzelgespräche mit den "Sorgenkindern" setzt. Dazu gehört auch Xavi Simons, den Löw schon als Teenager aus Zeiten bei Paris Saint-Germain kennt. Xavi sei ein Ausnahmetalent, so Löw, er müsse aber "sehr viel mannschaftsdienlicher denken", mahnt der Coach.

Auch Thomas Tuchel und Leon Goretzka beglückwünschten ihrem ehemaligen Co-Trainer Zsolt Löw (li.) zum Aushilfsjob in Leipzig.
Löw: Sogar zwei Bayern-Profis meldeten sich
Großartige Änderungen im Vergleich zum Pokalaus wird es nicht geben, sagt Löw, der defintiv bei der Viererkette bleiben wird und den Fokus auf Kompatkheit legt. "Dann brauchen wir auch die langen Sprints und vielen Kilometer nicht." Viele Kilometer hat Löw in seiner Trainerkarriere schon zurückgelegt und Spuren hinterlassen. RB, Paris, Chelsea, Bayern – logisch, dass sein Telefonbuch prominent bestückt ist.
Nach dem Einstieg als Cheftrainer bei RB erlebte aber auch Löw neue Dimensionen. Die Reichweite an Gratulanten sei "wirklich extrem" gewesen, schmunzelt der einstige Cottbuser Bundesligaprofi und plaudert einige Namen aus. Joshua Kimmich und Leon Goretzka meldeten sich genauso wie Thomas Tuchel oder Ralf Rangnick. Und auch die Besitzer von Chelsea und Paris Saint-Germain wünschten nur das Beste. "Es ist ein sehr gutes Gefühl, weil es bedeutet, dass ich mich in meiner Laufbahn, egal wo ich war, normal und gut verhalten habe. Dass ich versucht habe, immer das Beste zu geben und unter allen Umständen immer versucht habe, Mensch zu bleiben", freut sich Löw über Sympathiewelle, die ihm entgegenschlug.
Sieben-Tore-Spektakel im Hinspiel
Gegen seinen Ex-Klub – als Spieler stieg er mit Hoffenheim zwei Mal auf – braucht RB einen Heimsieg, um das Ziel Champions League nicht noch weiter aus den Augen zu verlieren. Aktuell haben die Leipziger drei Punkte auf Rang vier, der das Ticket zur Königsklasse mit sich bringt.
Fast witzig: Im Hinspiel am 23. November 2024 hatte Christian Ilzer sein Debüt als TSG-Trainer gefeiert. Nun erlebt Löw sein erstes Bundesliga-Spiel als RB-Chefcoach gegen Hoffenheim. Auf eine Achterfahrt wie beim 4:3-Sieg der TSG wird Löw gern verzichten können – gegen einen Einstand, wie ihn einst Ilzer hatte, hätte der Neue an der Seitenlinie der Rasenballer sicher nichts einzuwenden.
Löw: RB wird nie mit Mittelmaß zufrieden sein
Der Weg von Leipzig und Hoffenheim war nahezu der Gleiche. Beide schafften Stück für Stück den Aufstieg aus der Regionalliga ins oberste deutsche Fußball-Regal. Die TSG ist dort ein stabiler Mittelfeldklub, aber nicht mehr. Droht RB ein ähnlicher Weg?
"RB hat größere Träume, Wünsche und Ambitionen. RB wird nie mit Mittelmaß zufrieden sein", macht Löw die Unterschiede der beiden Vereine klar. Anspruch und Wirklichkeit klaffen aktuell aber weit auseinander: 42 Punkte nach 27 Spieltagen – so wenige hatte RB zu diesem Saisonzeitpunkt in seiner Bundesliga-Geschichte noch nie. Jetzt liegt es an Löw die Bilanz aufzupolieren und zu zeigen, dass er auch Cheftrainer kann.
Sanny Stephan