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Verbleib in München unsicher Kimmich und die Bayern - das erinnert an den Fall Ballack
Joshua Kimmich, der Kapitän der DFB-Elf, könnte den FC Bayern im Sommer ablösefrei verlassen. Die Situation weist Parallelen auf zum Abschied Michael Ballacks aus München vor vielen Jahren.
Der FC Bayern, das haben mehrere Medien bestätigt, hat offenbar das Vertragsangebot für Joshua Kimmich zurückgezogen. Nach wochenlangem öffentlichen Hätscheln und Süßholzraspeln geht der FC Bayern nun im Vertragspoker mit Kimmich eine komplett neue Richtung. Die Münchner möchten ein Zeichen der Stärke setzen - und könnten dadurch vielleicht einen ihrer wichtigsten Spieler im Sommer ablösefrei verlieren.
"Nicht auf dem Basar" - Hoeneß-Aussage auch Fingerzeig an Kimmich?
Kimmich ist in dieser Saison das Herzstück des Kompany-Fußballs. Fast jeder Angriff läuft über ihn, im Gegenpressing setzt er entscheidende Impulse. Kimmich lenkt, schaltet, dirigiert. Der DFB-Kapitän - und auserkorene, künftige FC-Bayern-Kapitän ist das zentrale Puzzlestück des Klubs. Er genießt auf dem Platz ein Ansehen wie vielleicht noch nie in seiner Karriere.
Der Aufsichtsrat - nicht Max Eberl - soll sich laut der Berichte zu dem Schritt, das Vertragsangebot zurückzuziehen, am Montag entschieden haben. "Wir sind hier nicht auf dem Basar, wo jeder machen kann, was er will", hatte Hoeneß kürzlich gesagt, als es um die Vertragsverlängerung von Thomas Müller ging. Vielleicht hatte er dabei auch Kimmich im Sinn, schließlich war kurz zuvor die Entscheidung des Aufsichtsrats gefallen.
Fall Ballack: Öffentliche Demütigung auf der JHV
Das Vorgehen erinnert an den Winter 2005. Damals hatte der FC Bayern ebenfalls einen DFB-Kapitän unter Vertrag, der auf der Höhe seines Schaffens war. Michael Ballack war der Kopf des Münchner Spiels, hat sein Team zu zwei Double-Siegen in Folge geführt, war zum Fußballer des Jahres gekürt worden - und hatte ein auslaufendes Arbeitspapier.
Ein letzter großer Vertrag beim FC Bayern? Doch noch einmal der Schritt ins Ausland? Ballack fiel es schwer, sich zu entscheiden, zögerte, ein Angebot zu unterschreiben. Und dann erklärte der damalige FC-Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge auf der Jahreshauptversammlung des deutschen Rekordmeisters unter dem Applaus einiger Mitglieder, man habe das Angebot an Ballack zur Vertragsverlängerung bis 2010 "offiziell zurückgezogen".
Eine öffentliche Demütigung für Ballack, zumal dieser später zu Protokoll gab, die Verantwortlichen hätten ihm persönlich mitgeteilt, dass man sich "jederzeit zusammensetzen" könne, wenn er sich doch für München entscheiden sollte. Auch Kimmich wurde laut den Berichten eine solche Hintertür offengelassen. Wenn er sich zeitnah entscheide, sei das Angebot weiterhin gültig, wenn er erst in drei bis vier Wochen vorstellig werden würde, würde es schwierig werden.
Barcelona, City, Paris - Kimmich hat verlockende Alternativen
Ob Kimmich nun überhaupt vorstellig wird, bleibt abzuwarten. Ballack wurde es damals nicht mehr. "Mein Herz hängt am FC Bayern. Das ist doch der Grund, warum ich mich nicht längst verabschiedet habe", erklärte er damals öffentlich sein Zögern. Ähnlich dürfte es Kimmich gehen. Schließlich sind die potenziellen Interessenten Guardiolas Manchester City, Flicks FC Barcelona und Enriques Paris Saint-Germain. Bei Ballack hießen die Interessenten damals Real Madrid, AC Mailand und FC Chelsea.
Ballack wurde mit Pfiffen bei seinem letzten Spiel in München verabschiedet. Er wechselte schließlich nach London, bekam dort viel Anerkennung, während die Münchner sich sehr schwertaten, den Abschied des DFB-Kapitäns aufzufangen. Die Bayern wurden im Folgejahr in der Bundesliga nur Vierter - das schlechteste Ergebnis in den vergangenen 30 Jahren - und flogen früh in DFB- und Europapokal raus.
FC Bayern: Keine Ruhe vor der heißen Phase
Und Kimmich? Zu seinem Glück hat er ein wenig Zeit, bis er das nächste Mal vor die Kamera treten muss. Das Spiel gegen den VfB-Stuttgart verpasst er verletzt. Hat er Verständnis für das Vorgehen der Münchner, die bei so einer wichtigen Personalie tatsächlich Planungssicherheit brauchen?
Seine Liebe zum FC Bayern dürfte jedenfalls nach der teils scharfen Kritik aus der Vorsaison und der fehlenden Rückendeckung während der Impfdebatte zu Corona-Zeiten, durch diesen Schritt nicht gewachsen sein. Ob das einer Vertragsverlängerung im Weg steht, wird sich zeigen. Sicher ist zunächst nur, dass beim FC Bayern vor den wichtigsten Wochen der Saison erstmal keine Ruhe einkehren wird.
Im Video: Eberl im September: "Kimmich soll Kapitän werden"
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Quelle: BR24Sport 28.02.2025 - 18:30 Uhr