
Seit dreieinhalb Jahren in Paderborn Lukas Kwasniok - Erfolgstrainer mit Kanten
Lukas Kwasniok ist mit dem SC Paderborn mittendrin im Aufstiegskampf. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, wann der 43-Jährige als Trainer in der Bundesliga auftauchen wird.
Der SC Paderborn hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten den Ruf erarbeitet, ein sehr gutes Sprungbrett für Fußballtrainer zu sein. Jos Luhukay startete hier einst seine Profitrainerkarriere. Genauso wie André Schubert, Roger Schmidt, André Breitenreiter und Steffen Baumgart.
Und es besteht eigentlich kein Zweifel daran, dass auch Baumgarts Nachfolger irgendwann die ganz große Fußballbühne betreten wird. Denn in den mittlerweile dreieinhalb Jahren unter Lukas Kwasniok gehörte der SCP zumindest zeitweise in jeder Saison zu den Aufstiegskandidaten.
Paderborn aktuell Dritter in der 2. Bundesliga
Das ist auch in dieser Saison so. Im engen Aufstiegsrennen der 2. Bundesliga rangiert der SC Paderborn aktuell auf dem dritten Platz, zwei Punkte hinter dem 1. FC Köln und drei Punkte hinter dem HSV. Gegen die Hamburger holte der SCP in dieser Saison starke vier Punkte. Auch das Hinspiel in Köln gewann Paderborn mit 2:1. Am Samstag (29.03.2025, 13 Uhr) kommt es in Paderborn zum Rückspiel.
Mit einem erneuten Sieg stünde der SCP sieben Spieltage vor Schluss auf einem direkten Aufstiegsplatz. Das ist bemerkenswert, weil Paderborn finanziell in viel niedrigen Sphären unterwegs ist als etwa die Konkurrenz aus Hamburg und Köln. Laut Sportchef Benjamin Weber liege der SCP bei den Ausgaben in Ligavergleich "sehr weit unten". Das sagte Weber im Interview mit "Transfermarkt".
Kwasniok verfolgt klaren Plan und ist trotzdem variabel
Dass der SCP es schafft, trotzdem in fast jeder Saison oben mitzuspielen, liegt zum einen an der klugen Kaderzusammenstellung. Und zum anderen an Trainer Kwasniok, der es immer wieder schafft, Spieler weiterzuentwickeln und so das Beste aus ihnen rauszuholen.
Fußballerisch steht der in Polen geborene Kwasniok für schnörkellosen Offensivfußball in einem 3-4-3-System mit sehr variablen Offensivspielern. Der 43-Jährige passt damit zu der Identität, die sich der SCP unter Markus Krösche und Steffen Baumgart verpasst hat: spielerische Lösungen, schnelles, vertikales Spiel, viele Flanken. Und vor allem: hohe Intensität. Kein Team hat in dieser Saison so viele intensive Läufe abgespult wie der SCP, nämlich 19.063. Auf Platz zwei folgt der 1. FC Magdeburg mit mehr als 400 intensiven Läufen weniger (18.661).
Kwasnioks große Stärke ist jedoch seine Variabilität und seine Fähigkeit, seine Mannschaft an den Gegner anzupassen, ohne dabei die eigene Idee zu vernachlässigen. Für jedes Spiel hat er einen eigenen Matchplan parat. So kann es passieren, dass Stürmer Filip Bilbija gegen den HSV plötzlich als Sechser aufläuft - und zwei Tore schießt. Und geht ein Plan mal nicht auf, hat Kwasniok oft die Fähigkeit bewiesen, auch im Spiel schnell zu reagieren.
Kwasniok eckt an
Kwasniok, der vor dem SCP beim 1. FC Saarbücken, Carl-Zeiss Jena und dem Karlsruher SC tätig war, steht zudem für Klarheit. Klarheit im Spiel, aber auch Klarheit in der eigenen Meinung. Und Letzteres bringt ihm nicht nur Freunde ein.
"Verfehlt und unangemessen polemisch" nannte Schiedsrichter-Chef Knut Kircher Kwasnioks Kritik an Schiedsrichter Florian Heft nach der 1:2-Niederlage gegen Hertha BSC. Nach dem Spiel in Regensburg nannte er den Zustand des Rasens einen "absoluten Skandal". Und nach dem wilden 5:3-Sieg gegen Kaiserslautern am vergangenen Spieltag machte er deutlich, wie sehr er kein Freund des VAR ist.
Der SCP-Coach weiß, dass seine Rhetorik nicht jedem gefällt, nimmt das aber in Kauf: "Wenn die Gefahr besteht, dass ich durch die Fußballwelt eines Tages aalglatt werden würde, wäre ich raus", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Besonders auf sich aufmerksam machte er während der Corona-Pandemie, als er sich gegen eine Impfung entschied und das auch öffentlich verteidigte. Später ließ er sich doch impfen, um mit seiner Mannschaft ins Trainingslager in die USA reisen zu können.
Heftige Kritik an eigenen Spielern
Und auch vor den eigenen Spielern macht Kwasniok nicht Halt. Nach der 1:2-Heimniederlage gegen den Karlsruher SC bemängelte er öffentlich fehlende Qualität in seiner Mannschaft. "Wie machen einfach zu viele Fehler, und das ist ein Qualitätsproblem", sagte er der Sportschau damals. Deutliche Kritik an den Vereinsverantwortlichen, die den Kader nach diesem öffentlichen Rundumschlag unter anderen mit Marvin Mehlem und Manuel Riemann verstärkten.
Im Interview mit der "Neuen Westfälischen" machte Kwasniok dann auch einige Tage später deutlich, dass es ihm auf Dauer nicht reichen wird, immer nur zeitweise oben mitzuspielen: "Je näher das Ende meines Vertrages rückt, desto höher muss die Wahrscheinlichkeit sein, mal ganz oben mitspielen zu können. Ansonsten wird man keinen zufriedenen Trainer erleben", sagte er.
Und so machte er auch keinen Hehl daraus, wie sauer er war, als der Verein ihm im Dezember einen Wechsel zum Hamburger SV verweigerte: "Man hat mir eine Lebenschance genommen. Das ist für mich extrem enttäuschend", sagte er. Mittlerweile haben die Wogen geglättet.
Kwasniok als Hoeneß-Nachfolger in Stuttgart gelandet
Das Interesse des HSV war aber auch eine Bestätigung dafür, dass sich Kwasniok längst in den Fokus größerer Vereine gecoacht hat. Vor rund zwei Wochen tauchte sein Name erneut in der Gerüchteküche auf, nämlich als möglicher Nachfolger von Sebastian Hoeneß als Trainer beim VfB Stuttgart. Sportdirektor in Stuttgart ist Fabian Wohlgemuth, der Kwasniok schon 2021 zum SC Paderborn holte. Mittlerweile hat Hoeneß seinen Vertrag in Stuttgart jedoch verlängert.
Dennoch dürfte niemand überrascht sein, sollte Lukas Kwasniok in naher Zukunft in der Bundesliga trainieren. Vielleicht sogar schon in der kommenden Saison mit dem SC Paderborn. In den Duellen mit den direkten Konkurrenten sah der SCP bislang gut aus und verlor nur in Kaiserslautern (0:3). Dafür ließen die Ostwestfalen gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte teilweise unnötig Punkte liegen.
Seit sechs Spielen sind die Paderborner in der Liga aktuell ungeschlagen. Gegen den 1. FC Köln kann der SCP diese Serie am Samstag ausbauen und sich in eine gute Position für den Saisonendspurt bringen. Lukas Kwasniok wird den passenden Matchplan parat haben.
Unsere Quellen:
- Neue Westfälische
- Westfalen-Blatt
- Transfermarkt.de
- Süddeutsche Zeitung