Heidenheims Benedikt Gimber nach Doppel-Alu gegen Leverkusen

Fußball | Bundesliga Kurioses Alu-Pech: Heidenheims "grausame Niederlage" gegen Leverkusen

Stand: 05.04.2025 18:42 Uhr

Der 1. FC Heidenheim hat gegen Meister Bayer Leverkusen mit 0:1 verloren. Damit ging die Drei-Spiele-Serie der Schwaben ohne Niederlage kurz vor dem Abpfiff sehr unglücklich zu Ende. "Grausam", meinte FCH-Trainer Frank Schmidt.

Es war eine unglaubliche Szene, an die sich die unglücklichen Heidenheimer die nächsten Tage mit Grausen erinnern dürften. Selten kurios und wie eine Art Fußball-Billard: 26 Minuten waren gespielt, als Heidenheims Abwehrmann Benedikt Gimber die Riesenchance zur Führung auf dem Fuß hatte. "Gimbo" wuchtete aus kurzer Distanz und spitzem Winkel den Ball an die Unterkante der Latte, von wo er dann an den linken Pfosten des Leverkusener Gehäuses spritzte und von dort, vorbei am erstarrten Mitspieler Jan Schöppner, zurück ins Spielfeld hoppelte.

Wahnsinn! Kollektives Haareraufen auf dem Schlossberg. Doppel-Aluminium statt verdienter Führung für den Außenseiter: "Bei uns springt der Ball an Latte und Pfosten", so ein frustrierter FCH-Trainer Frank Schmidt gegenüber SWR Sport, "bei denen springt er rein."

Marvin Pieringer: "Ich hatte ganz schön Scheiße am Fuß"

Denn am Ende kam's dann, wie es so oft im Fußball kommt: Der Titelverteidiger machte doch noch unerwartet und unverdient kurz vor Toreschluss den Siegtreffer durch Emiliano Buendia (90.+1). "Ich bin grad sehr leer", gab Heidenheims Stürmer Marvin Pieringer nach dem Abpfiff einen Blick in sein Seelenleben preis, "wir haben ein Riesenspiel gemacht und hätten vor der Pause zwei, drei Tore machen müssen. Ich hatte auch ganz schön Scheiße am Fuß, der Ball wollte einfach nicht reingehen." Stattdessen folgte eben der bittere Nackenschlag in der Nachspielzeit. Die erste Niederlage des FCH nach zuvor drei Spielen mit sieben Punkten.

Trainer Frank Schmidt: Eine grausame Niederlage"

Auch FCH-Trainer Frank Schmidt war bedient: "Das Ergebnis ist grausam. Das war eine unfassbar bittere Niederlage. Wir waren die bessere Mannschaft, haben fast bis zum Ende alles richtig gemacht. Das macht mich ein bisschen fassungslos", so der Coach kopfschüttelnd, "die Leistung war herausragend, fast bis zum Schluss." Fast entschuldigend schüttelte ihm Kollege und Bayer-Coach Xabi Alonso nach diesem Spiel mit ungerechtem Ausgang zum Abschied die Hand.

Chancenwucher des FCH vor der Pause

Das Last-Minute-Glück des Meisters hier, das Heidenheimer Pech im Abstiegskampf dort. Und irgendwie war Benedikt Gimbers eingangs beschriebener Doppel-Alu-Treffer symptomatisch für das ganze Spiel. Denn vor der Pause betrieben die Heidenheimer regelrechten Chancenwucher. Der unermüdliche Mittelfeldmann Adrian Beck hatte ebenso das 1:0 auf dem Fuß wie Frans Krätzig und auch gleich mehrfach Torjäger Marvin Pieringer, der die Heidenheimer noch letzte Woche in Wolfsburg zum Sieg geschossen hatte.

"Vor der Pause müssen wir klar in Führung gehen", so Trainer Frank Schmidt. Der FCH brachte den nach der Pokalpleite in Bielefeld müde und uninspiriert wirkenden Meister und Tabellenzweiten aus Leverkusen am Rande einer Niederlage. Heidenheim ging früh drauf, störte Leverkusens Spielaufbau schon im Ansatz. Bayer wankte, aber fiel nicht.

Nach dem Wechsel deutete alles auf ein 0:0 hin

Denn nach dem Seitenwechsel war bei Heidenheim irgendwie die Offensivluft raus, klare Chancen kamen nicht mehr zustande. Defensiv aber standen die Brenztäler sicher und solide. Und weil auch Leverkusen, trotz höherer Spielanteile, nicht mehr allzu gefährlich vor dem Tor von Kevin Müller aufkreuzte, plätscherte die Partie in der letzten Viertelstunde über weite Strecken eher so dahin. Es roch verdächtig nach torlosem Unentschieden, mit dem die Heidenheimer durchaus hätten leben können gegen den namhaften Gegner. Bis eben zum nicht mehr für möglich gehaltenen Siegtor der ansonsten merkwürdig harmlosen Werkself.

Leverkusens Siegtor wie ein Stich ins Heidenheimer Herz

Die Nachspielzeit lief bereits, Heidenheim hing in der Defensive fest, bekam keinen Zugriff mehr. Der Spanier Emiliano Buendia, erst in der Schlussphase eingewechselt, sagte im Sechzehner Dankeschön und schnibbelte den Ball an Müller vorbei zum schmeichelhaften 1:0-Siegtor ins Netz der konsternierten Gastgeber. "Das sind wir zu spät rausgerückt und konnten den Ball nicht mehr blocken", so Schmidt. Und Leverkusen? "Am Ende fragt keiner mehr, wie der Sieg gelungen ist", zuckte nach dem Abpfiff der Ex-Heidenheimer Robert Andrich im Bayer-Trikot mit den Schultern, "aber die Art und Weise werden wir sprechen müssen. Das war phasenweise wie in Bielefeld." Andrich sprach von einem "guten Heidenheimer Team und einem glücklichen Sieg".

"Leverkusen macht aus einer halben Chance ein Tor"

Während der Drittligist aus Bielefeld am Dienstagabend allerdings die Lethargie der Leverkusener eiskalt zur Pokal-Sensation nutzte, verpatzte Heidenheim die Chance zur Überraschung an diesem Bundesliga-Spieltag. Statt eigentlich verdientem Punktegwinn stand auf Seiten der Gastgeber am Ende nur die Null und riesige Enttäuschung bei Spielern, Trainern und den 15.000 Fans. "Die Leverkusener haben das schon in der letzten Saison perfektioniert, in der Nachspielzeit zu treffen", zeigte sich Marvin Pieringer frustriert, "die machen aus einer halben Chance ein Tor, das zeigt ihre Qualität. Wir machen aus zehn Chancen nichts. Das ist einfach sehr ärgerlich. "Es tat allen Heidenheimern besonders weh, weil es irgendwie gefühlt ein verschenkter Punkt gegen den Meister war."

Das Restprogramm des 1. FC Heidenheim
Sonntag, 13.4., 17:30 Uhr, Eintracht Frankfurt (A) Samstag, 19.4., 15:30 Uhr, FC Bayern (H) Freitag, 25.4., 20:30 Uhr, VfB Stuttgart (A) Freitag, 2.5., 20:30 Uhr, VfL Bochum (H) Samstag, 10.5., 15:30 Uhr, Union Berlin (A) Samstag, 17.5., 15:30 Uhr, Werder Bremen (H)

Hartes Heidenheimer Programm in den nächsten Wochen

Der FCH verharrt weiter auf dem Relegationsplatz, ein Punkt gegen Leverkusen hätte gut getan. Denn die Aufgaben für das Team werden in den nächsten drei Wochen nicht einfacher: Es geht nach Frankfurt, dann kommt Bayern München auf den Schlossberg, anschließend steht das Baden-Württemberg-Duell beim wiedererstarkten VfB Stuttgart an. "Wir benötigen jeden Punkt. Die Art und Weise wie wir gespielt haben, das nehmen wir aber mit in den Abstiegskampf", bleibt Marvin Pieringer positiv, "dann werden auch vorne die Bälle wieder reingehen." Und Trainer Frank Schmidt meinte zum Abschluss: "Wir müssen einfach so weitermachen. Dass wir heute ohne Punkt rausgehen...grausam."

Sendung am Sa., 5.4.2025 14:00 Uhr, Stadion, SWR1 Baden-Württemberg