
Letztes Jahr für Olympia-Fahnenträgerin Karriere-Ende: Judo-Weltmeisterin Anna-Maria Wagner hört auf
Die zweimalige Judo-Weltmeisterin Anna-Maria Wagner wird in diesem Jahr ihre Karriere beenden. "Mein Kopf, mein Körper und mein Herz sehnen sich nach Veränderung", sagt die Ravensburgerin.
2025 wird das letzte Jahr in der überaus erfolgreichen sportlichen Karriere von Anna-Maria Wagner sein. Auf ihrer Instagram-Seite schreibt die 28-Jährige, die im vergangenen Sommer bei den Olympischen Spielen in Paris deutsche Fahnenträgerin war: "Nach vielen Jahren im Leistungssport ist es nun soweit: Mein Kopf, mein Körper und mein Herz sehnen sich nach Veränderung."
Social-Media-Beitrag auf Instagram: Anna-Maria Wagner verkündet Abschied vom Judosport
Nach der Rückkehr aus Paris, wo ihr die erhoffte Einzel-Medaille verwehrt geblieben war, hatte sie sich vom Judosport zurückgezogen. Um ihre schwere Enttäuschung zu verarbeiten, lenkte sie sich bewusst mit Unternehmungen außerhalb ihres Sports ab. Im SWR-Interview hatte sie betont, dass sie versuche, schöne Ereignisse einzubauen, "damit ich nicht in ein Loch rutsche. Ich möchte die Zeit, die ich jetzt zur Verfügung habe, genießen." Sie wollte nachholen, worauf sie in den vergangenen Jahren "meist gern" verzichtet hatte. Wagner sagte: "Ich freue mich, ohne Zeitplan, Trainingslager und Verpflichtungen durch den Tag zu gehen. Ich kann das machen, worauf ich Lust habe."
Anna-Maria Wagners Zweifel: "Ist mein inneres Brennen noch da?"
Im Spätsommer hatte sie noch offen gelassen, ob sie den Judoanzug überhaupt jemals wieder anziehen würde. "Ich mache mir da keinen Druck", sagte sie. "Ich lasse mein Körpergefühl entscheiden. Ist mein inneres Brennen für den Sport im nächsten Jahr da? Bin ich wieder bereit zu trainieren? Danach werde ich es entscheiden."
Erst zu Beginn dieses Jahres hatte die Athletin des KJC Ravensburg wieder den Judoanzug übergestreift und mit dem Training begonnen. Allerdings nicht, wie in den vergangenen gut acht Jahren am Olympiastützpunkt Rheinland in Köln, sondern am Olympiastützpunkt in Stuttgart. Hier hatte Wagner ihre Karriere in jungen Jahren gestartet. Damit ist sie auch wieder näher dran an ihrer Heimat, wo auch ihr Lebensgefährte, der ehemalige Bahnradfahrer Domenic Weinstein, lebt.
Anna-Maria Wagner sprach offen über ihre Post-Olympia-Depressionen
Anna-Maria Wagner war eine der wenigen Leistungs-Sportlerinnen, die offen über ihre Post-Olympia-Depressionen gesprochen hatte. Nach den Olympischen Spielen in Tokio 2021, bei denen sie zwei Mal Bronze gewonnen hatte, streikten Körper und Seele. Ihre Karriere stand damals auf der Kippe. Auch nach den Spielen von Paris war sie sich nicht sicher gewesen, ob sie wieder in ein mentales Loch fallen würde. Aber der bewusste Abstand vom Sport in den Monaten danach taten ihr offenbar gut.
Über ihre Zukunftspläne verrät Wagner nur wenig. "Es warten nicht nur Kämpfe, sondern auch tolle Projekte", schreibt sie. Der erste Wettkampf des Jahres steht allerdings schon fest: Am 12. April will Wagner in der 1. Bundesliga der Frauen für die TSG Backnang auf die Matte gehen.
Sendung am Mi., 2.4.2025 18:40 Uhr, SWR1 Baden-Württemberg