Die neuen Hertha-Trainer Stefan Leitl und Andre Mijatovic schauen sich auf dem Trainingsplatz gegenseitig an (Quelle: IMAGO / Matthias Koch)

2. Bundesliga Hertha sucht mit neuem Trainer gegen Nürnberg nach der Wende

Stand: 20.02.2025 17:15 Uhr

Die Berliner brauchen dringend Punkte, um nicht noch tiefer in den Abstiegskampf zu schlittern. Stefan Leitl kündigte an, das Team werde am Freitag (18:30 Uhr) gegen den 1. FC Nürnberg "ans Limit" gehen. Viele personelle Wechsel sind nicht zu erwarten.

Fakten zum Spiel

  • Nürnberg und Hertha waren zur Winterpause punktgleich - dann trennten sich die Wege. Hertha hat vier der fünf Spiele seitdem verloren, Nürnberg vier der fünf Partien gewonnen. Resultat: Nürnberg hat nur noch fünf Punkte Rückstand auf den Aufstiegsrelegationsplatz, Hertha nur noch fünf Punkte Vorsprung auf den Abstiegsrelegationsplatz.
  • Der "Club" hat alle seine vier Rückrunden-Siege spät geholt. Die entscheidenden Tore fielen jeweils erst ab der 85. Minute, zweimal sogar erst in der Nachspielzeit.
  • Mit 41 Toren stellt der FCN die drittbeste Offensive der 2. Bundesliga. 18 verschiedene Spieler haben sich in dieser Saison bereits in die Torjägerliste eingetragen.

Die sportliche Situation in Nürnberg

Der 1. FC Nürnberg ist aktuell in Topform. Aus den letzten fünf Spielen holte die Mannschaft von Trainer Miroslav Klose vier Siege und verlor nur beim FC Schalke (1:3). Marcus Schultz vom Nürnberger Fan-Podcast "Total beglubbt" ist dementsprechend zufrieden. "Ich glaube schon, dass wir ganz gut drauf sind und gut gerüstet für das Spiel am Freitag." Nach einem durchwachsenen Saisonstart habe sich der "Club" kontinuierlich verbessert. "Es hat alles ein bisschen gedauert, das hat man ja auch im Hinspiel gegen Hertha gesehen. Im Umfeld gab es dann natürlich auch schon die ersten Rufe nach einem Trainerwechsel", sagt Schultz. "Ich habe gesagt: Leute, haltet den Ball flach und gebt ihm Zeit."
 
Im Oktober habe es dann die "fast schon historische" Länderspielpause im Oktober gegeben. "Danach wurde alles besser. Wir haben das Derby in Fürth mit 4:0 gewonnen, dann zuhause 8:3 gegen Regensburg. Auch danach haben wir tolle Spiele gezeigt, auch wenn die Ergebnisse nicht immer ganz gepasst haben", blickt Schultz zurück. Dennoch hat sich Nürnberg mittlerweile in einer nach wie vor engen 2. Bundesliga auf den neunten Tabellenplatz vorgeschoben und nur noch fünf Punkte Rückstand auf Aufstiegsplatz zwei. "Das ist bislang eine Saison, die Bock auf mehr macht", resümiert Schultz.

Auf diese Spieler sollte Hertha achten

Als offensichtlichen Spieler, der bei den Franken in dieser Saison für Furore sorgt, nennt Schultz den Griechen Stefanos Tzimas. Für den 19-Jährigen machte der "Club" in der Wintertransferperiode einen Deal mit Brighton & Hove Albion. Der Youngster, der in dieser Saison in 19 Zweitligaspielen bislang auf zehn Tore und eine Vorlage kommt, wechselt im nächsten Sommer für mehr als 25 Millionen Euro in die englische Premier League.
 
Als wirklichen Dreh- und Angelpunkt des Nürnberger Spiels sieht Schultz aber einen anderen Profi. "Der Spieler der Saison ist bislang Caspar Jander auf der Sechs im defensiven Mittelfeld." Der 21-Jährige wechselte vor der Saison vom MSV Duisburg nach Nürnberg und entwickelte sich schnell zur Stammkraft. Nicht nur bei der Defensivarbeit, sondern auch im Spielaufbau sei Jander elementar wichtig für den "Club", so Schultz.
 
Mit seinem Lob ist der Fan nicht alleine. In dieser Woche prognostizierte TV-Experte Christoph Kramer Jander im Podcast "Copa TS" eine Karriere in der Nationalmannschaft.

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Das bewegt die Fans

Neben dem aktuellen sportlichen Erfolg beschäftigen die Nürnberger Fans laut Schultz im Moment vor allem zwei Themen. "Es gab zuletzt ein bisschen Unruhe im Verein, was vor allem an der Entlassung von Olaf Rebbe liegt." Der Sportdirektor und Kaderplaner habe in der Wintertransferperiode zwar gute Arbeit geleistet und viel Geld eingenommen, sei aber schon seit einiger Zeit an verschiedenen Stellen im Verein angeeckt. "Da gab es ein paar Dinge, die das Umfeld sehr beschäftigt haben." Rebbe sei im Umgang mit Vereinsmitarbeitern, Fans und Journalisten nicht unbedingt einfach gewesen.
 
Darüber hinaus bereitet man sich beim 1. FC Nürnberg auf das 125-jährige Klubjubiläum vor. "Der Verein wird am 4. Mai 125 Jahre alt. Voraussichtlich spielen wir genau an diesem Tag zuhause gegen Elversberg. Rund um diesen Termin wird natürlich sehr viel geplant - zum Beispiel ein Sondertrikot und eine riesengroße Choreo", sagt Schultz.

Das sagen die Trainer

Stefan Leitl (Hertha BSC): "Wir wollen die Zuschauer mitnehmen und ans Limit kommen, um dieses Spiel zu gewinnen. Die Jungs sollen nicht verkopfen. Sie sollen frei und klar sein – nur dann kann man auch Energie entwickeln."
 
Miroslav Klose (1. FC Nürnberg): "Wir haben uns in dieser Woche auf uns konzentriert, damit es Berlin schwerfällt, an den Ball zu kommen. Wir müssen flexibel sein. Wir sind zu Hause einen Tick mutiger. Aber wir wissen, dass wir das auch auswärts können."

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So könnte Hertha spielen

Welchen Effekt hat der Trainerwechsel? Unter Cristian Fiél verlor Hertha zuletzt vier Spiele am Stück. Nun richten sich die Blicke auf seinen Nachfolger Stefan Leitl. Auf die Frage, wie der dritte Liga-Heimsieg für Hertha in dieser Saison gelingen kann, sagte der neue Coach: "Mit einem guten Plan, den wir in den paar Tagen erarbeitet haben. Und mit viel Energie", so Leitl.
 
In puncto Personalentscheidungen ließ Leitl derweil noch nicht allzu viel durchblicken: "Zu Personal-Sachen äußere ich mich eigentlich im Vorfeld nie. In der Vorstellungs-Pressekonferenz haben wir ja schon erwähnt, dass die Leistung [der Mannschaft; Anm. d. Red.] in Düsseldorf sehr gut war", betonte Leitl. "Wir haben uns die ersten Eindrücke gemacht und versucht, Input zu geben. Das, was jetzt im Bereich des Möglichen liegt – in der Kürze der Zeit. Dementsprechend wird sich am Kader nicht viel verändern."
 
Herthas mögliche Startelf: Gersbeck - Kenny, Leistner, M. Dardai, Zeefuik - Demme, Maza, Cuisance - Reese, Niederlechner, Scherhant

Die Prognose

Der Tipp der Gegner-Experten: "Hätte man mich vor einer Woche gefragt, hätte ich ein lockeres 2:0 getippt. Bei Hertha wurde aber jetzt unser ehemaliger Trainer Cristian Fiél entlassen. Ein neuer Coach kann natürlich immer etwas freisetzen. Noch dazu halte ich Stefan Leitl für einen sehr guten Trainer. Ich vertraue aber auf unsere Last-Minute-Fähigkeiten und tippe ein spätes 2:1 für uns."
 
Der Redaktionstipp: Hertha BSC profitiert gegen Nürnberg vom im Fußball berühmt berüchtigten "Trainereffekt" und gewinnt das erste Spiel unter Leitl mit 3:1.

Sendung: rbb24, 20.02.2025, 21:45 Uhr