Spieler der SG Flensburg-Handewitt

NDR-Sport Ohne Pytlick: SG Flensburg-Handewitt vor großer Aufgabe gegen Melsungen

Stand: 28.02.2025 10:07 Uhr

Im Sport ist gerne von den Wochen der Wahrheit die Rede. Für die Handballer der SG Flensburg-Handewitt sind es eher Tage der Wahrheit - in der Bundesliga gegen die MT Melsungen und in der European League gegen den VfL Gummersbach.

Von Jan Kirschner

Am vergangenen Sonntag wurde nicht nur der neue Bundestag gewählt. In der Hauptstadt landeten die Flensburger Handballer kurz vor dem Schließen der Wahllokale auf dem Boden der Tatsachen. Die ernüchternde 31:36-Niederlage bei den Füchsen Berlin war erst wenige Minuten alt, da wollte Simon Pytlick nur nach vorne blicken - auf die nächste Bundesliga-Partie. "Wir werden sehr viel Video schauen", kündigte er an. "Die MT Melsungen ist die wohl aktuell beste Mannschaft in Deutschland."

Am Sonnabend kommt es nun in der Bundesliga um 19 Uhr zum Topspiel. Am Dienstag folgt das wichtige European-League-Spiel gegen Gummersbach, das am Donnerstagabend in Hamburg eine ganz starke Leistung gezeigt hat.

SG monatelang ohne ihren Top-Torschützen Pytlick

In Berlin konnte Pytlick noch nicht ahnen, dass er sich zwei Tage später in Toulouse den rechten Unterarm brechen und mehrere Monate ausfallen würde. Ausgerechnet Pytlick! Der dänische Weltmeister war mit seiner außergewöhnlichen Dynamik und der erstaunlichen Wurfkraft in den vergangenen Monaten der gefährlichste Torschütze im Flensburger Positionsangriff.

Die Aussichten für eine Nachverpflichtung sind als eher bescheiden zu bezeichnen. Nach Ende der offiziellen Transfer-Periode können nur vereinslose Spieler unter Vertrag genommen werden. Das heißt: Die entstandene Lücke wird wahrscheinlich mit Bordmitteln gestopft werden müssen.

Personalsorgen vor dem Spiel gegen den Spitzenreiter

Aber ausgerechnet jetzt bereitet der Kader Sorgen. Mads Mensah, Johannes Golla, Lukas Jörgensen und Jim Gottfridsson plagen sich mit Blessuren herum und können teilweise nur sporadisch helfen. Kay Smits verpasste die jüngsten drei Spiele krankheitsbedingt und wird nun erst einmal eingehender untersucht. Zuletzt hüteten auch Johan Hansen und Emil Jakobsen das Bett.

SG-Trainer Ales Pajovic; der erst seit Anfang Februar im Amt ist, muss an verschiedenen Stellen ein Vakuum betreuen, redet die eigenen Ansprüche dennoch nicht klein. "Das wichtigste Ziel ist die Qualifikation für die Champions League", sagte der 46-Jährige vor wenigen Tagen der "Sport Bild" in einem Interview. "Es sind noch 14 Spiele, und wir sind nur vier Punkte hinter einem Qualifikationsplatz."

Viel Lob aus dem Team für SG-Trainer Pajovic

Zunächst war es für viele eine Überraschung gewesen, dass sich die Flensburger im Dezember vom dänischen Trainer Nicolej Krickau getrennt hatten, dann war Pajovic, bislang österreichischer Nationaltrainer, für viele Beobachter alles andere als der Favorit.

Aber der neue Coach, den alle nur "Pajo" nennen, wurde im hohen Norden offenbar gut aufgenommen - auch von den dänischen Spielern, die zu Vorgänger Krickau schon in gemeinsamen Zeiten beim dänischen Erstligisten GOG eine besondere Beziehung aufgebaut hatten.

"'Pajo' ist freundlich und scheint eine klare Kommunikation zu pflegen", meint Jörgensen. Jakobsen ergänzt: "Die SG ist mit 'Pajo' auf dem richtigen Weg. Er ist seriös, Spaß und Freude sind für ihn zum Glück auch keine Fremdwörter."

Auch SG-Geschäftsführer Holger Glandorf gibt dem neuen Trainer ein gutes Zwischenzeugnis: "Er gibt allen Spielern im Team Spielanteile und setzt auf die persönlichen Stärken im Kader."

Flensburg mit drei Niederlagen in Folge gegen Melsungen

Aber nun kommt ausgerechnet Melsungen. Gegen die Nordhessen verloren die Schleswig-Holsteiner zuletzt dreimal in Folge: im Hinspiel und zwei Mal im DHB-Pokal. Mit dem kleinen Spanier Erik Balenciaga (1,69 Meter) und dem großen Letten Dainis Kristopans (2,15 Meter) hatte die MT schon in der vergangenen Saison die größte Rückraum-Amplitude, jetzt gesellt sich die größte Konstanz dazu. Melsungen ist Tabellenführer, Flensburg liegt sechs Zähler zurück.

Glandorf: "Müssen alle zusammenrücken"

"Alle Spiele sind wichtig, aber wir müssen auf uns schauen", sagt Glandorf. "Unsere aktuellen Ausfälle führen dazu, dass wir alle im Verein zusammenrücken müssen."

Drei Tage nach dem Bundesligaspiel gegen Melsungen steht dann gegen den VfL Gummersbach der direkte Einzug in das Viertelfinale der European League auf dem Spiel.

Der Optimismus ist den Spielern nicht verlorengegangen. "Wir sind bei einem Top-Verein, und da versteht es sich von selbst, dass wir möglichst alles gewinnen wollen", sagt Jörgensen.

Dieses Thema im Programm:
Sport aktuell | 01.03.2025 | 22:25 Uhr