
Gala in Potsdam Tina Rupprecht schreibt Box-Geschichte
Mit drei WM-Gürteln stieg Tina Rupprecht in Potsdam in den Ring - und mit einem mehr wieder heraus. Die Augsburgerin krönte sich im WM-Vereinigungskampf zum "undisputed" Champion. Weniger erfreulich verlief die Box-Gala für Nick Hannig.
Tina Rupprecht hat deutsche Box-Geschichte geschrieben. Die 32-Jährige besiegte in einem packenden WM-Vereinigungskampf in Potsdam die bis dahin ungeschlagene Sumire Yamanaka nach Punkten und krönte sich damit zur "undisputed" (unangefochtenen) Weltmeisterin im Atomgewicht (bis 46,3 kg).
Rupprecht siegt und siegt
Die Augsburgerin besitzt nun alle vier WM-Gürtel der wichtigsten Verbände WBO, WBA, WBC und IBF. Das ist vor ihr noch keinem Boxer und keiner Boxerin aus Deutschland gelungen. Bereits mit der Vereinigung der Titel von WBO, WBA und WBC im vergangenen Herbst hatte sie Historisches für den deutschen Boxsport geleistet. Für Rupprecht war es der 15. Sieg im 17. Profi-Kampf.

Tina Rupprecht mit ihren vier WM-Gürteln.
Rupprecht glücklich und urlaubsreif
Vor einer elektrisierten Kulisse von 2.500 Zuschauern in der ausverkauften MBS-Arena lieferten sich Tina Rupprecht und Sumire Yamanaka einen hochklassigen Schlagabtausch, bei dem keine der beiden Boxerinnen zurückwich. Die nur 1,53 Meter große Rupprecht, die den Spitznamen "Tiny Tina" trägt, war schnell auf den Beinen und insgesamt die aktivere Boxerin. Ihre japanische Gegnerin brachte dafür einige Konter ins Ziel. Am Ende setzte sich die Teilzeitlehrerin Rupprecht auch dank ihrer größeren Variabilität durch.
Im Gespräch mit SPORT IM OSTEN zeigte sich Rupprecht gerührt. "Ich bin überwältigt", sagte sie. Auf die Frage, was sie jetzt, wo es boxerisch nicht mehr weiter nach oben geht, vorhabe, antwortete sie lächelnd: "Erst mal Urlaub.
Hannig verliert Gürtel, Vogel verteidigt seinen
Neben diesem Titelkampf gab es bei der Box-Gala noch zwei weitere. Im Halb-Schwergewicht bekam es der amtierende WBO-Europameister Nick Hannig mit dem Polen Mateusz Tryc zu tun. Und der erwies sich als harter Brocken. Zu hart für den 38-jährigen Hannig, der den Kampf, der einer Schlacht glich, in der letzten Runde verlor. Hannigs Trainer und Vater Andreas hatte nach einer Serie harter Treffer des Polen das Handtuch geworfen. "Hat ein bisschen geklemmt heute. Schade", sagte ein enttäuschter Nick Hannig nach dem Kampf
Im Super-Weltergewicht stand für Julian Vogel aus Aschersleben die Titelverteidigung der Junioren-Weltmeisterschaft der WBO auf dem Programm. Nach acht Runden durfte Vogel schließlich jubeln. Es war die zweite Titelverteidigung für den 21-Jährigen.

Julian Vogel (li.) konnte seinen Gegner in Schach halten.
Suske sorgt für Highlight bei den Vorkämpfen
In den Vorkämpfen machte vor allem Max Suske auf sich aufmerksam. Der 22-jährige Super-Mittelgewichtler aus Stralsund schickte seinen Gegner Karen Gevorgyan aus Greifswald in der sechsten Runde auf die Bretter. Für Suske war es der elfte Sieg im 13.
Auch Michel Dobler aus Blankenhain konnte sich bei seinem Profi-Debüt nach einer einstimmigen Entscheidung über seinen ersten Profi-Sieg freuen: "Das war schon geil", sagte der 21-Jährige nach den vier Runden im Schwergewicht gegen den Tschechen Emil Zgyuga.
Richard Meinecke, der wie Michel Dobler zum Team Deutschland gehört, setzte sich im Super-Weltergewicht gegen den Esten Andrei Antonov nach Punkten durch. Der Kampf endete für Meinecke allerdings nicht ohne Spuren: Wegen eines tiefen Cuts über dem rechten Auge musste er mehrfach behandelt werden. Die Freude überwog dennoch. "Das Ergebnis ist die Kirsche auf der Sahne-Torte", so Meinecke nach dem Kampf.

Karen Gevorgyan wurde von Max Suske auf die Bretter geschickt.
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SpiO