Trainer Zsolt Loew

Fußball | DFB-Pokal 25 Schüsse, aber kein Happy End – was gibt RB Hoffnung nach dem Halbfinal-Aus?

Stand: 03.04.2025 10:00 Uhr

In allen Statistiken war RB Leipzig am Mittwochabend besser als Pokal-Halbfinalgegner VfB Stuttgart. Außer der entscheidenden – der Torstatistik. Das Aus ist ein weiterer Dämpfer für RB. Ist der erhoffte Trainerwechsel-Effekt von Marco Rose auf Zsolt Löw damit schon verpufft? Was können die Leipziger mitnehmen?

"Auf der Leistung kann man aufbauen, auf dem Ergebnis nicht" – der Satz des Abends aus Leipziger Sicht kam diesmal von Mittelfeldmann Nicolas Seiwald. Mit RB Leipzig war Seiwald am Mittwochabend beim VfB Stuttgart gerade aus dem DFB-Pokal 1:3 (0:1) ausgeschieden. Der zweifache österreichische Pokalsieger verpasste damit sein erstes Endspiel in Deutschland.  

Kein fünftes Pokalfinale für die Sachsen, keine Trendwende für den kriselnden Klub, schon die dritte Niederlage im fünften Spiel. Für Neu-Trainer Zsolt Löw gleich die erste Niederlage im ersten Spiel. "Wir hätten mehr verdient", konstatierte Seiwald frustriert. "Man hat gesehen, dass jeder gerannt ist und gekämpft hat."

Nicolas Seiwald (RB Leipzig): "Wir haben leider unsere Chancen nicht genutzt"

"Mit Statistik gewinnt man keine Spiele"

Zsolt Löw, der Nachfolger des entlassenen Trainers Marco Rose, nahm einige Veränderungen vor. Die Rückkehr zur Viererkette, zum pressingorientierten 4-2-2-2, war eine davon: "Wir haben eine offensive und aggressive Herangehensweise gewählt", erklärte Löw. "Ich glaube, dass wir die bessere Mannschaft waren", konstatierte der Ungar nach dem Spiel.

Die Statistik gab dem 45-Jährigen Recht: 25:9 Torschüsse, Exptected-Goals-Werte von 1,81 für RBL versus 0,91 für Stuttgart, 550:266 gespielte Pässe, davon auch mehr erfolgreiche Pässe, 68 Prozent Ballbesitz, bessere Laufwerte als Stuttgart. "Spätestens heute wissen wir, dass Statistik keine Spiele gewinnt", so der frustrierte Kommentar von Löw zu den Zahlen.

RB-Trainer Zsolt Löw: "Spätestens heute wissen wir, dass Statistik kein Spiel gewinnt"

Erstes Auswärtstor nach fast zehn Stunden

RB lag die gesamte Zeit in Rückstand, dem zeitigen 0:1 durch das Traumtor von Angelo Stiller (5.) folgten Gegentreffer von Nick Woltemade (57.) und Jamie Leweling (73.). RB gab sich aber nie auf, drängte Stuttgart über weite Strecken in die eigene Hälfte. VfB-Torhüter Alexander Nübel musste wiederholt glänzend reagieren, entschärfte mehrere Leipziger Großchancen. Leipzigs Benjamin Sesko verkürzte zwischenzeitlich auf 1:2 (62.). Nach fast zehn Stunden ohne Tor auf gegnerischem Platz. "Beim 2:1 hatte ich das Gefühl, dass wir das Spiel drehen können", sagte Löw später.

Benjamin Sesko von RB Leipzig erzielt das erste Tor während des DFB Pokal-Halbfinalspiels zwischen VFB Stuttgart und RB Leipzig.

Sesko erzielte das erste Tor nach langer Leipziger Auswärtsflaute.

Sonst so standardstarke Leipziger kassieren Standardtore

Leipzig bestimmte in dieser Phase klar das Geschehen, doch Sesko, Lois Openda und der erneut glücklos agierende Xavi Simons trafen das Tor nicht. Stattdessen knipste Leweling. Das 3:1 wie schon das 1:0 fielen nach einem Standard. Und das ärgerte Löw: "Wir haben zwei Standardtore kassiert, das sollte nicht sein." In der gesamten Bundesliga-Saison musste RB erst sechs Standard-Gegentore hinnehmen, ist damit viertbestes Team der Liga. Und nun gleich zwei in einer Partie.

Stuttgart anders als in der Liga

Das half Stuttgart, die wie zuletzt in der Bundesliga nur wenige Druckphasen im Spiel hatten. Anders als in der Liga, wo das Team von VfB-Coach Sebastian Hoeneß seit sechs Spielen auf einen Sieg wartet und auf Platz elf abrutschte, überzeugten die Schwaben diesmal mit Effizienz: So gelangen drei Tore aus 0,91 erwartbaren Toren. "Fußballerisch", räumte auch 2:0-Torschütze Woltemade ein, "war es nicht unser bestes Spiel. Aber der Wille und der Mut waren da."

VfB-Trainer Sebastian Hoeneß: "Das ist ein kleiner Traum, der wahr wird"

Aufgabe für Hoffenheim-Spiel? "Chancen nutzen"

Und bei RB? "Wir müssen den Kopf hochnehmen und weiter", so Löw, der ja primär dafür verpflichtet wurde, die Leipziger zurück auf die Champions-League-Plätze zu führen. Am Samstag (5. April, 15.30 Uhr im Audio-Livestream und SpiO-Ticker) steht dafür ein wichtiges Heimspiel gegen Hoffenheim an.

Lois Openda (RB Leipzig), Alexander Nübel, Finn Jeltsch (beide VfB Stuttgart)

RB-Chancen wie diese hier von Lois Openda sollten in den verbleibenden Bundesliga-Spielen besser ins Tor gehen.

"Es ist unser klares Ziel, unter die besten Vier zu kommen. Die Aufgabe ist groß, aber das ist ganz klar unser Anspruch", sagt Löw. Mitnehmen kann RB aus Stuttgart, dass die Einstellung da ist, dass Offensive und auch das Erspielen von Chancen funktionieren. Was besser werden muss, weiß Seiwald: "Du musst Deine Chancen nutzen, sonst kommst Du nicht weiter." Weder im Pokal noch in der Liga.

Dirk Hofmeister