Borussia Dortmunds Serhou Guirassy (l.) jubelt mit Pascal Groß.

70 Millionen investiert Neuzugänge beim BVB: Bislang liefert nur Guirassy

Stand: 26.02.2025 20:03 Uhr

Mehr als 70 Millionen Euro hat Borussia Dortmund vor der Saison in neue Spieler investiert. Wirklich eingeschlagen hat aber nur einer. Ein anderer zeigt aufsteigende Form.

Von Lukas Thiele

In den vergangenen Jahren hat Borussia Dortmund auf dem Transfermarkt in der Regel ein gutes Näschen bewiesen. Erling Haaland, Jadon Sancho, Niclas Füllkrug, Nico Schlotterbeck oder Marcel Sabitzer waren von Anfang an echte Verstärkungen. Jude Bellingham darf in dieser Aufzählung natürlich nicht fehlen. Es war stets eine Mischung aus Spielern, die ihr Können bei anderen Vereinen unter Beweis gestellt haben und jungen Talenten, die sich dann beim BVB zu Weltstars entwickelt haben.

Das hat sich auch sportlich bemerkbar gemacht, auch wenn der ganz große Wurf ausblieb. Der BVB gehörte in der Bundesliga stets zu den Topteams, schrammte 2023 nur knapp an der Meisterschaft vorbei und stand 2024 im Finale der Champions League. In diesem Jahr ist das anders. Mit Rang zehn in der Liga hinkt der BVB den Erwartungen hinterher.

BVB investierte mehr als 70 Millionen Euro

Dabei hatte sich der BVB im Sommer vielversprechend verstärkt. Mehr als 70 Millionen Euro investierte die Borussia für die Dienste von Serhou Guirassy (VfB Stuttgart), Maximilian Beier (TSG Hoffenheim), Waldemar Anton (VfB Stuttgart) und Pascal Groß (Brighton & Hove Albion).

Wirklich eingeschlagen ist aber nur einer: Serhou Guirassy. Mit 13 Saisontoren ist er der Toptorjäger des BVB. In der Champions League steht er bereits bei zehn Treffern und steht damit in der Torjägerliste vor Spielern wie Harry Kane, Robert Lewandowski, Erling Haaland oder Kylian Mbappe.

Vier Tore erzielte der Guineer allein am letzten Bundesliga-Spieltag beim 6:0-Erfolg gegen Union Berlin. BVB-Trainer Niko Kovac griff daraufhin gleich ins oberste Regal und bezeichnete die Leistung seines Stürmers als "Weltklasse. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen".

Dortmunds mutiger Plan mit Guirassy

In 31 Spielen für den BVB hat Guirassy 23 Tore erzielt. Neben Innenverteidiger Nico Schlotterbeck wirkt er quasi "immun" gegen die Formschwankungen, die viele seiner Kollegen aktuell erfahren. Der 28-Jährige ist damit auch der Hoffnungsträger, dass die Trendwende in Dortmund noch gelingen kann.

Dabei ist der BVB mit Guirassy auch ein gewisses Risiko gegangen. Denn einen wirklichen Ersatz gibt es im Dortmunder Kader nicht. Mit Niclas Füllkrug (West Ham United), Sebastién Haller (FC Utrecht/Leihe) und Yousouffa Moukoko (OGC Nizza/Leihe) gab der BVB vor der Saison gleich drei Mittelstürmer ab und setzte nur auf Guirassy. Eine mutige Entscheidung.

Beier bislang hinter den Erwartungen

Sollte sich Guirassy verletzten, oder nicht mehr treffen, mangelt es an Alternativen. Sicher hätten sich die BVB-Verantwortlichen mehr von Maximilian Beier versprochen. Beier kam mit der Empfehlung von 16 Saisontoren aus Hoffenheim nach Dortmund und war mit geschätzten 28,5 Millionen Euro auch der teuerste BVB-Transfer des Sommers.

Der 22-Jährige sollte in Dortmund den nächsten Schritt machen, kommt aber noch nicht so recht aus den Startlöchern. 32 Mal stand er in dieser Saison in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League für die Dortmunder auf dem Platz. Mit fünf Toren und drei Assists ist die Ausbeute für einen Offensivspieler und auch Nationalspieler jedoch dürftig.

"Maxi ist jemand, der immer hart arbeitet, nach vorne und nach hinten. Manchmal ist er ein bisschen unglücklich, manchmal ein bisschen ungestüm", sagte Sportdirektor Sebastian Kehl gegenüber der "WAZ". Kehl ist sich jedoch sicher: "Der Junge wird kommen."

Waldemar Anton nur noch Ersatz

Ob das auch für Waldemar Anton gilt, ist unklar. Als Kapitän war Anton neben Guirassy einer der Hauptgründe, warum der VfB Stuttgart in der vergangenen Saison Vizemeister wurde. In Dortmund kann der Innenverteidiger noch überhaupt nicht an die starke Vorsaison anknüpfen.

Negativer Höhepunkt war ein Eigentor bei der 1:2-Niederlage gegen den VfB Stuttgart. In den beiden Spielen danach kam Anton nicht mehr zum Einsatz. Kovac setzt neben Schlotterbeck nun vor allem auf Emre Can und Niklas Süle in der Innenverteidigung.

Groß landet gegen Union persönlichen Befreiungsschlag

Ähnlich wie Anton ist auch Pascal Groß mit vielen Erwartungen nach Dortmund gekommen. In Brighton war der 33-Jährige spät zum deutschen Nationalspieler gereift und glänzte in der vergangenen Saison mit 18 Torbeteiligungen.

Wie Beier und Anton blieb aber auch Groß lange hinter den Erwartungen. Gerade einmal drei Torvorlagen standen nach 20 Spielen in seiner Bilanz. Doch dann kam das Spiel gegen Union Berlin, in dem Groß gleich vier Tore vorbereitete und so seinen persönlichen Befreiungsschlag landete.

Kovac' Plan mit Groß geht auf

Das hat vor allem mit Trainer Kovac zu tun, der Groß anders als Vorgänger Nuri Sahin mehr offensive Freiheiten gibt. Zwar spielt Groß weiter neben Marcel Sabitzer auf der Doppelsechs, schaltet sich unter Kovac aber viel mehr ins Offensivspiel ein.

"Ich habe ihm das Selbstvertrauen gegeben, welches er braucht. Ich kenne ihn. Ich weiß, welche Fähigkeiten er hat und wo seine Position ist", sagte Kovac gegenüber "Sport1". Gegen Union stellte Groß vor allem seine Flankenqualität unter Beweis.

Geht das so weiter, könnten sie in Dortmund noch viel Spaß an dem Duo Groß und Guirassy haben. Sollten dann auch Beier und Anton zu alter Form finden, könnte der BVB - mit einiger Verspätung - doch noch von einem erfolgreichen Transfersommer 2024 sprechen.