Niko Kovac, Trainer von Borussia Dortmund, guckt skeptisch

Personalnot in der Defensive Dortmunds Trainer Kovac und sein Abwehr-Puzzle

Stand: 03.04.2025 22:44 Uhr

Borussia Dortmund kann sich bei der Bundesliga-Partie in Freiburg am Samstagnachmittag (15.30 Uhr) an die Europapokal-Plätze heranrobben. Der BVB reist mit Rückenwind in den Breisgau, hat allerdings gerade in der Defensive mit Personalproblemen zu kämpfen.

Von Markus Kramer

Der überzeugende Sieg gegen Champions-League-Kandidat Mainz 05 am vergangenen Wochenende hat in Dortmund die altbekannten Hoffnungen auf eine nachhaltige Leistungssteigerung geschürt. Trainer Niko Kovac hatte sein System geändert und sein zuvor praktiziertes 4-2-3-1 in eine Formation mit Dreierkette und Doppelspitze umgewandelt - ein Plan, der gegen die Rheinhessen perfekt aufging.

Die Vermutung, dass Kovac beim nächsten Europapokal-Aspiranten aus Freiburg auf dieselbe Formation vertraut, läge also nahe - wäre da nicht das Problem mit den ausfallenden Spielern. "Wir haben aktuell zwei Innenverteidiger, die angeschlagen sind, einer ist gesperrt", berichtete Kovac und brachte damit die Problematik auf den Punkt.

Schlotterbeck gesperrt, Can und Süle fraglich

Nico Schlotterbeck, gegen Mainz vor allem wegen seiner zwei Torvorlagen per Eckstoß der gefeierte Held, fehlt gegen seinen Ex-Verein Freiburg gelbgesperrt. Sein Fehlen schmerzt die Dortmunder wohl am meisten. "Schlotti ist ein sehr, sehr wichtiger Bestandteil unserer Abwehrreihe, ob Dreier- oder Viererkette ist da egal", sagte Kovac. "Ich hoffe, dass wir das kompensieren können. Wenn wir alle an Bord haben, können wir das."

Kompensieren könnten Schlotterbecks Ausfall in der Theorie mehrere Kandidaten. Gegen Mainz verteidigten Waldemar Anton und Emre Can neben Schlotterbeck, Anton wird das auch in Freiburg wieder tun. Kapitän Can hingegen laboriert an Adduktorenproblemen, die er aus der Mainz-Partie mitnahm, und ist fraglich.

Doch damit nicht genug: Niklas Süle, nach Verletzungs-Comeback im Februar von Kovac kaum eingesetzt, habe sich ein "starkes Hämatom am Beckenkamm" zugezogen und konnte wie Can unter der Woche nicht trainieren. Auch Süle, Ersatzkandidat Nummer zwei, wackelt also.

Bensebaini zurück in die Startelf

Ramy Bensebaini, zuletzt zweimal eingewechselt, dürfte angesichts der schwierigen Personalsituation in der BVB-Defensive seinen Startelf-Platz sicher haben - ob auf seiner Stammposition in der Linksverteidigung oder als linker Innenverteidiger. Hinter ihm wird es dünn in der zentralen Defensive, Talent Filippo Mané fällt schon länger mit einer Muskelverletzung aus.

Kovac wollte sich nicht in die Karten schauen lassen, sprach vom Abschlusstraining, das er abwarten wolle. Man werde "dann entscheiden, was es am Wochenende werden wird", so der 53-Jährige mit Blick auf Personal und Formation. Wenn es ganz ungünstig läuft, bleibt Kovac in Anton nur ein einsatzfähiger Innenverteidiger.

Guirassy zurück, Adeyemi und Beier im Aufwind

Immerhin: Die Offensivbesetzung bereitet dem Dortmunder Trainerteam weniger Kopfzerbrechen. Zwar stellt sich angesichts der sich anbahnenden Genesung von Torjäger Serhou Guirassy ("Wir gehen davon aus, dass wir ihn am Freitag integrieren können und er dann vielleicht auch zur Verfügung steht") durchaus die Frage nach der Sturmbesetzung, doch die beiden Hoffnungsträger der Vorwoche sind fit.

Karim Adeyemi und Maximilian Beier (r.) hatten zuletzt gut lachen

Doppelspitze als Dauerlösung: Karim Adeyemi (l.) und Maxi Beier

Maximilian Beier und Karim Adeyemi bildeten eine Doppelspitze, eine beim BVB in den letzten Jahren selten gesehene Konstellation. Aber eine, die Erfolg brachte und zwei Spieler, die beim BVB schon Täler durchlaufen haben, perfekt zur Geltung brachte. "Maxi macht, seit ich da bin, richtig gute Fortschritte", bekam Beier ein Sonderlob von Kovac. "Er gibt uns Geschwindigkeit und Fleiß".

Guirassy vorne drin, flankiert von Beier und Adeyemi? Beier und Adeyemi erneut als Doppelspitze, Guirassy kommt von der Bank? Auch hier hat Kovac zu puzzlen, zumal in Jamie Gittens ("Er arbeitet fleißig und wird uns in den nächsten Spielen mit mehr Minuten das geben, was er in der Hinserie auch gezeigt hat - nämlich viele Tore") eine weitere Offensivkraft in die Mannschaft drängt. Auch Mittelfeldmann Felix Nmecha ist nach seiner langwierigen Bänderverletzung im Knie wieder ein Kandidat für Spielzeit.

Kovac über Gittens - "Er wird in den nächsten Spielen mehr Minuten bekommen"

Kovac will "flexibel und variabel" sein

Viel dürfte auch in der Offensive davon abhängen, welche Formation Kovac wählt, was wiederum unmittelbar mit den Personalfragen zusammenhängt: Dreier- oder Viererkette, Doppelspitze und/oder Guirassy - für Kovac stellen sich einige Aufgaben, er will die Puzzelei aber nicht überbewerten. "Es ist immer fließend. Wir wollen flexibel und variabel sein. Der Gegner soll uns nicht ausrechnen können."

Und doch kommen die Personalprobleme zur Unzeit. Gegner Freiburg ist Tabellensiebter, der BVB rangiert mit vier Punkten Rückstand auf den SC auf Platz zehn - es ist für die Dortmunder eine große Chance, zu einem Konkurrenten im Europapokal-Rennen aufzuschließen. Das Formationspuzzle kommt Kovac in dieser Partie besonders ungelegen.

Unsere Quellen:

  • Pressekonferenz des BVB am 3. April 2025
  • Berichte und Statistik-Übersicht von sportschau.de