Gerhard Struber im Gespräch mit Dominique Heintz

Aufstiegskampf in der 2. Liga 1. FC Köln - Mit Minimalismus zum großen Ziel

Stand: 04.04.2025 09:38 Uhr

Tabellenführer 1.FC Köln hat sich eine gute Basis für den direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga geschaffen. Mit einem Sieg gegen Hertha BSC wäre ein wichtiger Schritt getan.

Von Jörg Strohschein

Für bierselige Euphorie braucht es in Köln meist wenig. Der örtliche Fußballklub kann dabei ein echter Katalysator sein und die Emotionen der Kölner beflügeln. Gerade dann, wenn der sportliche Erfolg zum Greifen nah scheint und nur noch ein paar, genau genommen sieben Schritte zu machen sind, um das große Ziel zu erreichen: den direkten Wiederaufstieg.

Der jüngste 2:1-Auswärtssieg des 1. FC Köln beim Aufstiegskonkurrenten SC Paderborn hat die kollektive Begeisterung im Umfeld dabei nur noch weiter befeuert.

Gute Vorzeichen

Am Samstagabend (5.4.2025) geht es für die Kölner im Heimspiel gegen Hertha BSC darum, die hart erkämpfte Tabellenführung zu verteidigen und damit die Chance zu erhöhen, den Klassenwechsel am Saisonende tatsächlich zu erreichen. Vier Punkte Vorsprung hat sich die Mannschaft von Trainer Gerhard Struber aktuell vor dem Relegationsplatz heraus gespielt. Besser könnten die Vorzeichen kaum stehen.

"Wir konzentrieren uns darauf, den nächsten Sieg zu landen. Das kann ich versprechen", sagte der Coach vor der Partie gegen die Berliner. Struber hat in seiner kurzen Zeit beim FC schnell gelernt, dass es wahrscheinlich besser ist, die ohnehin große Begeisterung um den Klub nicht noch weiter zu befeuern.

Auch wenn manch ein Anhänger des Klubs schon ob der aktuellen Tabellensituation damit begonnen hat herauszufinden, wann der frühest mögliche Aufstiegstermin in den verbleibenden Wochen bis Mitte Mai sein könnte. "Diese Spielereien rundherum, ich glaube, dass würde gefährlich sein. Das machen wir auch nicht", so Struber.

Hinrundenergebnisse wiederholen

Fakt ist allerdings, dass der FC mit gutem Gefühl in die ausstehenden Partien gehen kann. Gegen die nächsten Gegner haben die Rheinländer in der Hinrunde 19 von 21 Punkten geholt. Gegen die Hertha gab es einen 1:0-Auswärtssieg. Sollten die Kölner im Saisonendspurt eine ähnliche Bilanz aufweisen, wäre der Aufstieg perfekt. "Wir verlieren nicht den Fokus. Aber dass natürlich spekuliert wird, dass wir zweigleisig planen müssen, dass wir natürlich Richtung Bundesliga schauen, ist klar", sagte Bereichsleiter Lizenzfußball Thomas Kessler.

Dass die Kölner auf diesem Weg bis dato nicht gerade dafür ins Zeug gelegt haben, den Unterhaltungsfaktor in den Vordergrund zu stellen, würde wohl niemand der Beteiligten aus dem Klub leugnen. Der Fußball, den das Struber-Team über die Saison gezeigt hat, ist eher dem Pragmatismus denn der übermäßigen Fantasie zuzuordnen. Zehn Mal gingen die Kölner bisher mit einem 1:0-Erfolg vom Platz. Mehr Minimalismus geht kaum.

Zahlen sprechen für den FC

"Auch wir sehnen uns nach manchem Spiel nach besserem Fußball, weil wir uns das selber abverlangen. Trotzdem ist das A und O, dass wir einen Sieg holen. Und das haben wir ja in den letzten Monaten gemacht", sagte FC-Verteidiger Leart Pacarada unter der Woche. "Wir sind schon da, wo wir glauben, stehen zu müssen." Die nackten Zahlen sprechen zudem für den Klub.

Der FC ist weit vorne, wenn es um die wenigsten Gegentore geht (32). Nur der Tabellenzweite Hamburger SV liegt dabei gleichauf. Ligaweit kassierte nur Hannover 96 weniger Gegentore (26). Die Defensive ist also das Prunkstück der Kölner.

Geringe Effektivität vor dem Tor

Allerdings - und damit hätte ob der FC-Spielweise wohl auch kaum jemand gerechnet: Mit 438 abgegeben Torschüssen stellen die Kölner aktuell auch den besten Wert in dieser Offensiv-Kategorie. Die Effektivität der FC-Offensive lässt indes zu wünschen übrig, denn mit 42 erzielten Toren liegt das Struber-Team lediglich im Mittelfeld der Liga.

Vielleicht auch deshalb prägt realistischer Optimismus gepaart mit gebührender Vorsicht in diesen Tagen die Herangehensweise beim FC. "Der Tabellenplatz zeigt, wo wir hin wollen. Den wollen wir nicht verlieren. Aber das geht nicht mit Reden, sondern mit einem Sieg am Samstagabend", so Kessler.