Boris Herrmann

NDR-Sport Boris Herrmann nach der Vendée Globe: Spielplatz, Turnen, Rollschuhlaufen

Stand: 26.02.2025 11:50 Uhr

Nach mehr als 80 Tagen auf hoher See hat Boris Herrmann erst einmal Zeit gebraucht, um sich von den Strapazen und Rückschlägen bei der Vendée Globe zu erholen. In seiner Wahlheimat Hamburg gibt dem sechsmaligen Weltumsegler besonders seine Tochter neue Kraft.

Von Florian Neuhauss

"Ich brauchte erst einmal zweieinhalb Wochen pure Erholung, wo einfach gar nichts ging", erzählt der gebürtige Oldenburger im NDR Interview. "Jetzt komme ich so langsam wieder rein in den Alltag. Ich bin aber eigentlich auch schon ganz gut erholt."

Die Zeit bei der ebenso legendären wie fordernden Einhandregatta nonstop um den Globus sei "sehr intensiv" gewesen und eine "Riesen-Herausforderung". Immer wieder hatte Herrmann mit Rückschlägen zu kämpfen, statt der angepeilten Podiumsplatzierung wurde es am Ende lediglich Rang zwölf - eine Enttäuschung.

Zeit mit Tochter Marie-Louise sorgt für Entspannung

Seit seiner Zielankunft Ende Januar hat der 43 Jahre alte Familienvater viel Zeit mit seiner Tochter Malou (Marie-Louise) verbracht, die schon vor dem Einlaufen in den Hafen von Les Sables-d'Olonne zusammen mit Mutter Birte Lorenzen-Herrmann an Bord der Malizia - Seaexplorer geklettert war. Bei Herrmanns erster Vendée-Globe-Teilnahme vier Jahre zuvor war Marie-Louise noch ein Baby gewesen, diesmal bekam sie alles mit - und half ihrem Vater nach über 80 Tagen allein auf See, wieder im (Familien-)Alltag anzukommen.

"Ich lache mehr, seit ich meine Tochter habe."
— Boris Herrmann

"Ich versuche mit meiner Tochter, in ihre Stimmung zu kommen. Mich darauf einzulassen und dann gemeinsam Quatsch zu machen. Ich lache mehr, seit ich meine Tochter habe", betont Herrmann und fügt hinzu: "Sie macht gerne Quatsch - und lacht gerne und neckt gerne. Das macht mir total viel Spaß."

Abschalten nach der Vendée Globe - "meistens jedenfalls"

Einfach mal Vater sein. Sie gehen zusammen auf den Spielplatz, zum Turnen - gerade haben sie mit dem Rollschuhlaufen angefangen, berichtet der stolze Papa. "Und wir fahren viel Fahrrad, das mache ich gerne zusammen mit ihr."

Nächste Herausforderung ist das Schwimmenlernen, "damit sie nicht in Gefahr ist, wenn sie mal mitsegelt". Wenn er mit seiner Tochter zusammen aktiv sei, denke er an nichts anderes. "Meistens jedenfalls", fügt Herrmann lachend hinzu.

Boris Herrmann mit Tochter Marie-Louise auf den Schultern und Ehefrau Birte Lorenzen-Herrmann an seiner Seite

Familienglück: Boris Herrmann, Töchterchen Marie-Louise und Ehefrau Birte Lorenzen-Herrmann vor zwei Jahren.

Gedanken an die nächsten Rennen sind das eine. Und dann sind da noch die Umwelt- und Klimaschutzprojekte des Teams Malizia, um die Welt den nachfolgenden Generationen in einem möglichst guten Zustand zu hinterlassen. "Ich blicke mit gemischten Gefühlen auf die Zukunft meiner Tochter", sagt der Hamburger, der sich selbst allerdings als "hoffnungslosen Optimisten" bezeichnet. "Wir versuchen, unser Bestes zu leisten."

Große Vorfreude auf die weitere Saison

Das gilt auch für die weitere Saison, auf die er "motiviert" vorausschaut: "Ich habe Lust auf die nächsten Rennen und Lust darauf, unser Team weiterzuentwickeln." Mit Cole Brauer ist zuletzt eine neue Co-Skipperin zum Team gestoßen. Und auch wenn es bei der Vendée Globe nicht nach Wunsch lief: "Ich habe Lust, aus diesem Schiff noch einmal alles herauszuholen und zu zeigen, was in ihm steckt."

Der Kalender ist in diesem Sommer rappelvoll. Am 29. Juni startet das Team Malizia beim Rennen Course des Caps, das im französischen Boulogne-sur-Mer nahe Calais beginnt, und am 17. Juli beim Admiral's Cup.

Höhepunkt ist im Sommer nicht zuletzt für Herrmann das Ocean Race Europa mit Start am 10. August in Kiel. Die Stadt an der Förde ist für ihn genauso ein Stück Heimat wie der Etappenort und Malizia-Heimathafen Monaco. Das Rennen führt durch alle Meere rund um Europa und damit auch in den östlichen Teil des Mittelmeers.

"Das wird für mich ein neues Territorium sein", sagt Herrmann. "Das Rennen führt am Ende nach Montenegro. Das ist ein kleines Land, in dem ich auch noch nie war. Es ist spannend, wie wir durch unseren Sport auch immer wieder ein Stück weit die Welt entdecken." Längst dürfte er da wieder in Top-Verfassung sein - auch dank Töchterchen Malou.