Max Eberl im Austausch mit Uli Hoeneß

Streit mit Aufsichtsrat Max Eberl beim FC Bayern - Vom Hoffnungsträger zum Problemfall

Stand: 04.04.2025 14:08 Uhr

Vor einem Jahr begann Max Eberl seinen Job als Sportvorstand beim FC Bayern und galt als absoluter Wunschkandidat von Uli Hoeneß. Nun wird seine Arbeit vom Aufsichtsrat immer wieder beeinträchtigt. Gerüchte um mögliche Nachfolger sind omnipräsent.

Von Raphael Weiss

Als Max Eberl als Sportvorstand beim FC Bayern anfing, waren die Hoffnungen groß. CEO Jan-Christian Dreesen begrüßte ihn mit einem etwas ungelenken "Willkommen dahoam, Max". Präsident Herbert Hainer war sich sicher, "die richtige Person für diese Position" gefunden zu haben. Eberl sollte beim FC Bayern für Titel sorgen und - vielleicht genauso wichtig - wieder Ruhe in den Verein bringen, der nach der turbulenten Kahn-Salihamidzic-Ära öffentlich kein besonders gutes Bild abgab.

Uli Hoeneß: Der mächtigste Mann beim FC Bayern

Die wichtigste Voraussetzung für die Aufgabe, den FC Bayern wieder in ruhigere Fahrwasser zu lenken, war die Unterstützung von Uli Hoeneß. Der Bayern-Patron hatte nach seinem offiziellen Rücktritt aus dem operativen Geschäft nie die Zügel ganz aus der Hand gegeben, hatte sich mit der Entmachtung von Kahn und Salihamidzic wieder lautstark und mächtig zurückgemeldet.

Rangnick, Gomez, Freund: Gerüchte um Eberl-Nachfolger

"Ich bin kein Heilsbringer", hatte Eberl schon zu Beginn angekündigt, da ihm schon damals klar gewesen sein dürfte, dass man diesen großen Verein nie ganz besänftigen kann. Eine Vorahnung, die sich erfüllte. Denn kaum ist Eberl ein Jahr im Amt, haben sich Hoeneß und der einstige Wunschkandidat weit voneinander entfernt. So weit, dass nun wöchentlich neue Nachfolgekandidaten für den Niederbayern gehandelt werden.

So geistert der Name Ralf Rangnick immer wieder an der Säbener Straße herum. Sportdirektor Christoph Freund, dem Eberl einst vor die Nase gesetzt wurde, verwies das schon genervt ins Reich der Fabeln. Auch Mario Gomez, Technischer Direktor bei "Red Bull Soccer", sei laut Medienberichten diskutiert worden. Zuletzt hieß es, Freund solle seinen Vorgesetzten Eberl ersetzen. Auch Frankfurts Markus Krösche sei im Rennen.

Erste Konflikte bereits kurz nach Amtsantritt

Eine solche Dichte an Gerüchten ist beim FC Bayern selten ein gutes Zeichen, was die Jobsicherheit angeht. So wurde Eberl nach nur einer vollständigen Saison im Amt von der Wunschlösung zum möglichen Abschusskandidaten.

Das Auseinanderleben von Hoeneß und Eberl ließ sich fast im Monatsrhythmus verfolgen. Schon kurz nach Beginn der Ära Eberl gab es das erste Veto des Aufsichtsrats in Richtung Sportvorstand. Die Suche nach einem Nachfolger für Thomas Tuchel gestaltete sich schwierig und als die möglichen Kandidaten reihenweise absprangen, hatte Eberl den Plan, mit Tuchel doch noch einmal zu verlängern. Es war der Aufsichtsrat, der diese Pläne schnell vom Tisch wischte - inklusive öffentlichem Nachtreten von Hoeneß.

"Kein Geldscheißer": Holprige Transferperiode für Eberl

Es folgte eine Transferperiode, in der der Aufsichtsrat schnell den Geldhahn zudrehte. Man habe "keinen Geldscheißer", erklärte Hoeneß öffentlich. Und so blieben nach den Transfers von Palhinha, Michael Olise und Hiroki Ito weitere Zugänge aus. Erst spät verkaufte der FC Bayern Noussair Mazraoui und Matthijs de Ligt und senkte das Transferminus auf gut 65 Millionen Euro.

Kimmich und Müller: Der Aufsichtsrat senkt den Daumen

Auch danach grätschte der Aufsichtsrat immer wieder bei wichtigen Personalentscheidungen dazwischen. Erst wackelten die Verlängerungen von Alphonso Davies und Jamal Musiala aufgrund der hohen Gehälter. Dann zog der Aufsichtsrat das intensiv ausgehandelte Vertragsangebot an Joshua Kimmich zurück. Zuletzt schob das Kontrollgremium wohl dem Rentenvertrag von Vereinslegende Thomas Müller einen Riegel vor, obwohl Eberl im Januar öffentlich angekündigt hatte, der Spieler dürfe selbst entscheiden, ob er noch ein Jahr dranhängen möchte. Nun musste Eberl - sichtlich gereizt- am Donnerstag öffentlich die Fragen um ein Müller-Aus umschiffen.

Zwar einigte man sich zumindest bei Kimmich doch noch. Aber die Machtdemonstration war für alle offensichtlich. Schließlich gelangten alle Details aus dem Aufsichtsrat - bei Müller wie bei Kimmich - an Medienvertreter. Kimmich bedankte sich offensiv bei Eberl, dafür, dass er um die Verlängerung so gekämpft hatte. Gemeint war: gegen die Widerstände aus dem Aufsichtsrat.

Wie geht es weiter für Eberl und den FC Bayern?

Die Sorge um das Festgeldkonto, dem Lebenswerk von Hoeneß, ist das eine Problem. Eins, für das Eberl nur bedingt etwas kann, schließlich ist er erst seit einem Jahr im Amt. Der zweite Vorwurf an Eberl ist einer, den sich auch Kahn anhören musste: "Zu viele Alleingänge" habe es gegeben. Heißt übersetzt: Hoeneß und Rummenigge seien nicht in alle Entscheidungsprozesse eingebunden gewesen.

Wie der FC Bayern nun mit dieser Situation umgeht, wird sich zeigen. Fraglich ist, ob eine weitere Personalrochade die Lösung ist. Sowohl für das Festgeldkonto als auch für den Wunsch auf mehr Abstimmung der handelnden Personen mit den alten Granden.

Im Video: Max Eberl stellt Müller im Januar eine Vertragsverlängerung in Aussicht

Max Eberl

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Quelle: BR24Sport im Radio 04.04.2025 - 20:30 Uhr