
375. Bundesliga-Einsatz Matthias Ginter - der leise Dauerbrenner
Sollte Matthias Ginter am Samstag für den SC Freiburg gegen Borussia Dortmund spielen, und nichts spricht dagegen, wird er in die Top 100 der Fußballer mit den meisten Bundesligaeinsätzen rutschen.
Nur die Spieler gewertet, die noch in der höchsten deutschen Liga aktiv sind, steht er schon an vierter Stelle. Vor ihm rangieren die Torhüter Manuel Neuer und Oliver Baumann. Der einzige Feldspieler, der es auf mehr Einsätze als Ginter bringt, ist Thomas Müller mit 496. Ginter wird gegen seinen ehemaligen Verein aus Dortmund zum 375. Mal auf dem Platz stehen.
Drei Weltmeisterschaften, ein Einsatz
Matthias Ginter ist der, der 2014 Weltmeister wurde, ohne eine Minute gespielt zu haben. Er war bei der WM 2018 im Kader, kam aber wieder nicht zum Einsatz. Vier Jahre später in Katar feierte er dann sein Debüt bei einer Weltmeisterschaft. Das war im letzten Vorrundenspiel gegen Costa Rica, danach war es aus.
Der brave Bankdrücker
Ginter fügte sich stets in die Rolle des braven Bankdrückers. Er ist einer dieser Fußballer, die ihre Arbeit verrichten, ohne großes Aufheben darum zu machen. Ginter spricht wenig, und wenn leise, er trägt weder ausgefallene Klamotten noch extravagante Frisuren. Der Boulevard macht einen Bogen um Ginter, und Ginter um den Boulevard.
Name | aktueller Verein | Spiele |
---|---|---|
Thomas Müller | FC Bayern München | 496 |
Matthias Ginter | SC Freiburg | 374 |
Maximilian Arnold | VfL Wolfsburg | 370 |
Kevin Vogt | 1. FC Union Berlin | 350 |
Julian Brandt | Borussia Dortmund | 347 |
Christian Günter | SC Freiburg | 343 |
Mario Götze | Eintracht Frankfurt | 315 |
Dominik Kohr | 1. FSV Mainz 05 | 302 |
Jonathan Tah | Bayer Leverkusen | 300 |
Leon Goretzka | FC Bayern München | 291 |
*Stand: 03.04.2025
Erstes Spiel, erstes Tor, erster Sieg
Ab und an lässt es sich aber nicht verhindern, Schlagzeilen zu schreiben. Ginter erlebt das am 21. Januar 2012. Es ist der Tag seines ersten Bundesligaspiels und es ist der Tag, an dem Christian Streich zum ersten Mal als Cheftrainer des SC Freiburg an der Seitenlinie steht.
Freiburg ist Tabellenletzter, der FC Augsburg gastiert als Vorletzter im Dreisamstadion. In der 70. Minute wechselt Streich den vor zwei Tagen 18 Jahre alt gewordenen Ginter ein, einen gebürtigen Freiburger, der im Nachwuchsleistungszentrum des Sport-Clubs ausgebildet worden ist.
Die Bundesligakarriere des Matthias Ginter ist 18 Minuten alt, als er das 1:0 köpft. Der SC gewinnt, hält am Ende der Saison die Klasse. Ginter spielt sich in die Mannschaft, im zentralen Mittelfeld und in der Innenverteidigung, wird zu einem der hoffnungsvollsten Talente in der Bundesliga.
Weltmeister und Wechsel nach Dortmund
Zwei Jahre später ist er bei der WM im Kader der Nationalmannschaft, und im Anschluss an das Turnier in Brasilien nimmt er seine Arbeit bei Borussia Dortmund auf, das etwa zehn Millionen Euro Ablöse für ihn bezahlt, noch unter Trainer Jürgen Klopp.
Im Mai 2017 gewinnt Ginter unter Trainer Thomas Tuchel den DFB-Pokal mit dem BVB, sein einziger nationaler Titel.
Gedanken an das Karriereende nach Attentat
Gut einen Monat vorher ist er nur knapp einem Anschlag entgangen, vielleicht sogar dem Tod. Ein Mann zündete Bomben, als der Mannschaftsbus des BVB auf dem Weg zu einem Spiel in der Champions League war. Die meisten Metallstifte fliegen am Bus vorbei, physisch wird nur Marc Bartra verletzt.
In dem Prozess, in dem der Täter zu 14 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt wird, sagt auch Ginter aus, unter Tränen. Er habe in den Tagen und Wochen nach dem Anschlag daran gedacht, seine Karriere zu beenden. Sein Wechsel im Sommer zu Borussia Mönchengladbach habe aber nichts mit dem Attentat zu tun gehabt.
Wichtige Leute bei Borussia Dortmund sehen das anders. Ginter habe eine Luftveränderung benötigt, vielleicht auch schon, weil der BVB bis heute noch dasselbe Mannschaftshotel bezieht, auf dessen Parkplatz die Bomben explodierten.
Nie Rot, nie Gelb-Rot, nie Gelb-gesperrt
Für die Borussia vom Niederrhein spielte Ginter 154-mal in der Bundesliga, einmal mehr als bislang für den SC Freiburg, der ihn 2022 ablösefrei aus Mönchengladbach zurückbekommt.
Etwa 500 Spiele in Bundesliga, DFB-Pokal und Europapokal stehen bei den drei Vereinen für Matthias Ginter zu Buche, er sah nie eine Gelb-Rote Karte, nie eine Rote Karte. Er war auch noch nie wegen fünf Gelber Karten gesperrt.
Neun Spiele mit Freiburg gegen den BVB, neun Niederlagen
Was er auch noch nie geschafft hat, ist, mit dem SC Freiburg in der Bundesliga gegen Borussia Dortmund zu gewinnen. Schlimmer noch: sämtliche neun Spiele gingen verloren.
Am Samstag (ab 15.20 Uhr in der Radio-Reportage und ab 18 Uhr in Ausschnitten in der Sportschau), in seinem 375. Bundesligaspiel, soll sich das ändern. Das Siegtor von Matthias Ginter mit anschließendem Trikotausziehen und der dann fälligen fünften Gelben Karte - dann käme auch ein Matthias Ginter nicht mehr am Boulevard vorbei.