
NDR-Sport Feuerzeugwurf: Bochum siegt am Grünen Tisch - FC St. Pauli prüft Schritte
Das DFB-Bundesgericht hat das Bundesliga-Spiel des 1. FC Union Berlin gegen den VfL Bochum nach dem Feuerzeugwurf gegen VfL-Torwart Patrick Drewes mit 2:0 zugunsten der Bochumer gewertet. Der Einspruch von Holstein Kiel und dem FC St. Pauli gegen die Wertung war zuvor abgewiesen worden. St. Pauli prüft rechtliche Schritte.
Das DFB-Bundesgericht fällte am Freitagabend das Urteil. Durch die Entscheidung ändert sich die Situation im Abstiegskampf, die Tabelle wird vor dem 24. Spieltag an diesem Wochenende angepasst: Dank des 2:0-Sieges und zweier zusätzlicher Punkte wird der VfL den 1. FC Heidenheim um zwei Zähler überflügeln und vom Relegationsplatz verdrängen. Union Berlin auf Tabellenrang 13 wird ein Punkt abgezogen.
Für Schlusslicht Holstein wächst damit der Rückstand auf den Relegationsrang von zwei auf vier Punkte an, für den Viertletzten St. Pauli schmilzt der Vorsprung auf Rang 16 um zwei auf nunmehr vier Zähler.
Bundesgericht: Einsprüche von Holstein und St. Pauli unzulässig
Bereits am frühen Nachmittag hatte das Bundesgericht entschieden, dass die Einsprüche der beiden Nordclubs Holstein Kiel und FC St. Pauli nicht zulässig sind. Einfacher Grund: Sie waren an dem Spiel nicht beteiligt. Das Sportgericht des Verbandes hatte in erster Instanz geurteilt, dass die Partie nicht wie ausgegangen 1:1 gewertet wird, sondern mit 2:0 für die Bochumer.
St. Pauli hält Entscheidung für rechtsfehlerhaft
Der St. Pauli will die Abweisung seines Einspruchs nicht hinnehmen. Dies erklärte der Club am Freitagnachmittag. "Das DFB-Bundesgericht hat die Berufung des FC St. Pauli gegen die Entscheidung, das Spiel Union Berlin gegen den VfL Bochum mit 0:2 zu werten, als unzulässig verworfen. Der Hamburger Bundesligist kann der Begründung dafür nicht folgen und prüft, ggf. gegen diese Entscheidung vorzugehen", teilte der Club mit.
"Es würde sich außerdem die Anschlussfrage stellen, ab welchem Zeitpunkt der Saison eine Berufung denn zulässig wäre. Das ist mit dem Charakter eines Rechtsbehelfs nicht vereinbar. Die in der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB enthaltenen Regelungen müssen über klare Voraussetzungen verfügen."
Holstein Kiel will Entscheidung akzeptieren
Anders als St. Pauli plant Holstein Kiel offenbar keine weiteren Schritte in der Causa. "Selbstverständlich akzeptieren wir das Urteil des Bundesgerichts und die damit verbundene Entscheidung, dass das Urteil des DFB-Sportgerichts bestehen bleibt", wird Holstein-Präsident Steffen Schneekloth in einer Mitteilung des Clubs zitiert. "Aus unserer Sicht hätte es allerdings ein anderes Urteil geben müssen, welches nicht direkt in den sportlichen Wettkampf eingreift und damit Dritte, in diesem Fall eben auch uns als KSV Holstein, mit trifft."
Die Begegnung im Stadion An der Alten Försterei war in der 92. Minute für mehr als 25 Minuten unterbrochen, nachdem der Bochumer Schlussmann Patrick Drewes von einem aus dem Union-Block geworfenen Feuerzeug getroffen und vom Feld geführt worden war. Das Spiel wurde danach mit einem Nichts-Angriffs-Pakt beider Teams zu Ende gebracht.
St. Pauli und Kiel betroffen, aber nicht einspruchsberechtigt
Kiel und St. Pauli sahen durch das 2:0-Urteil allerdings eine Einflussnahme auf die Integrität des Wettbewerbs - genau genommen auf den Abstiegskampf. Beispielsweise empfängt St. Pauli am letzten Spieltag die Bochumer, es könnte ein Endspiel um den Klassenverbleib werden.
"Hören Sie auf mit Moral und sportlicher Integrität - Ihnen geht es doch nur um die Punkte."
— Bochums Anwalt Christoph Schickhardt Richtung Kiel und St. Pauli
Bochums Anwalt Christoph Schickhardt sagte bei der Berufungsverhandlung am Freitag in die Richtung der Rechtsvertretungen der Kieler und der Hamburger: "Hören Sie auf mit Moral und sportlicher Integrität - Ihnen geht es doch nur um die Punkte."
Urteil pro Union käme Nordclubs trotzdem zugute
Die erste Entscheidung ist lediglich eine Formalität: "Für das Ergebnis ist diese juristische Frage nicht so interessant, weil St. Pauli und Kiel die gleiche Argumentation wie Union Berlin vorgetragen haben", sagte der Bundesgerichts-Vorsitzende Oskar Riedmeyer.
Er beziehe sich bei seiner Entscheidung auf die Voraussetzung der "Unmittelbarkeit", erklärte der Jurist. Allerdings würden weder St. Pauli noch Kiel Punkte bekommen - egal, wie das Urteil ausfällt. "Der Kreis derjenigen, die Berufung einlegen dürfen, kann nicht zu groß gezogen werden."
Unteres Tabellendrittel könnte noch dichter zusammenrücken
Wenn das Bundesgericht das Urteil des Sportgerichts vom 9. Januar bestätigt, hätte Bochum zwei Punkte mehr in der Tabelle und würde nach dem derzeitigen Stand den 1. FC Heidenheim, der sich nicht in den juristischen Streit einmischen wollte, um zwei Zähler überflügeln und vom 16. Platz verdrängen.
Union Berlin (13.) bekäme einen Punkt abgezogen. Insgesamt würde ein Urteil pro Bochum die untere Tabellendrittel noch dichter zusammenrücken lassen.
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Sport aktuell | 28.02.2025 | 14:17 Uhr