
Ex-Weltmeister als Zweitligatrainer Wie Miroslav Klose den 1. FC Nürnberg verändert hat
Als Miroslav Klose das Traineramt beim 1. FC Nürnberg übernahm, waren die Zweifel groß. Inzwischen hat der Trainer den Verein vom Krisenklub zu einem Aufstiegsanwärter umgebaut - und auch das Binnenklima im Verein verbessert.
Was waren die Zweifel und zugleich die Euphorie groß, als Miroslav Klose zum 1. Juli 2024 das Traineramt beim 1. FC Nürnberg übernahm. Gerade hatte sich der Club wie schon im Vorjahr auf der Zielgeraden der Saison in der 2. Bundesliga gehalten und Trainer Cristian Fiél den Verein gen Berlin verlassen. Auch von Sportvorstand Dieter Hecking hatte man sich getrennt. Dessen Nachfolger Joti Chatzialexiou präsentierte Klose als neuen starken Mann an der Seitenlinie, der zuvor beim österreichischen Mittelklasse-Klub SCR Altach allerdings krachend gescheitert war.
Trotz großer Startschwierigkeiten hat der 47-Jährige den 1. FC Nürnberg einmal auf links gedreht. Der Verein ist so erfolgreich wie schon lange nicht mehr und darf weiterhin vom Aufstieg in die Bundesliga träumen.
Klose mit Weltklasse-Mentalität auch auf der Trainerbank
Der Start war hart. Aus den ersten sieben Spielen holte der Club nur sieben Zähler – einige davon eher glücklich. Klose musste um seine Trainerstelle bangen, auch wenn Sportvorstand Chatzialexiou nicht müde wurde, sich vor seinen Coach zu stellen.
Nicht jeder Weltklasse-Stürmer ist eben auch ein Weltklasse-Trainer, spotteten seine Kritiker. Doch was macht einen Weltklasse-Fußballer aus? Er ist da, wenn ihn seine Mannschaft braucht und entscheidet das Spiel auch mal im Alleingang.
In seiner Spielerkarriere hat Klose das ausgezeichnet und diese Mentalität hat er offensichtlich auch in seine Trainerlaufbahn retten können. Mit dem Rücken zur Wand gewann er erst gegen Münster und sorgte dann mit einer Demütigung der Fürther im Frankenderby für den endgültigen Turnaround.
Sturm- und Abwehrproblem gelöst
Mit dem 4:0-Sieg beendete er auch gleich die Nürnberger Torflaute eindrucksvoll. Zuvor wurde dem ehemaligen Weltklasse-Angreifer ein Stürmerproblem nachgesagt. Doch das löste er mit Stefanos Tzimas. Beim Griechen platzte im Derby der Knoten und er traf in der Folge nach Belieben. Inzwischen ist er für 25 Millionen an Brighton verkauft, verbringt die Rückrunde nur noch auf Leihbasis am Valznerweiher. Klose war der Grund, warum Tzimas überhaupt im Frankenland anheuerte. "Ich fühle mich gesegnet, dass ich Miro Klose als Mentor habe", sagte der 19-Jährige in einem Vereins-Interview zur Winterpause.
Zudem stellte Klose schon vor dem Derby auf die Dreierkette um und fand damit die perfekte Formation. Die Aufstellung bildete zwar nicht unbedingt den Kader ab, weshalb Flügelspieler Kanji Okunuki keine Einsätze mehr bekam und im Winter die Flucht ergriff und Flügelspieler Goller in den letzten 14 Spielen nicht einmal mehr im Kader stand, doch die Formation passt zu Kloses Fußball – und wurde seither auch nicht mehr gravierend verändert.
FCN unter Klose zweitbestes Rückrundenteam
Aus kontrolliertem Ballbesitz will Kloses Team schnell umschalten und hat im Winter weiter an der Taktik gefeilt. In der Rückrunde ist nur der Hamburger SV besser als der Club. 19 Punkte hat Kloses Team schon geholt und damit schon jetzt fast viele wie in der gesamten Hinrunde (22 Punkte).
"Alles, was jetzt noch kommt, ist für mich eine Zugabe. Von Anfang an war unser Ziel, Spaß zu haben und es den Gegnern, besonders zu Hause, richtig schwer zu machen. Es stehen aber noch einige harte Spiele an", gibt Klose in einem Vereins-Interview die Richtung vor.
Und selbst wenn der Club auch in der kommenden Saison in Liga zwei spielen sollte, macht das dem Clubfan wenig Angst, denn die Entwicklung stimmt.
Für Klose gibt es nur "gut oder weniger gut"
Klose hat es geschafft, das zweitjüngste Team der Liga zu formen. Um erfahrene Spieler wie Derbyheld Julian Justvan und den Champions-League-erfahrenen Robin Knoche tummeln sich Talente wie Jens Castrop oder Caspar Jander, der jüngst zum ersten Mal für die U21 nominiert worden ist. Für Klose spielt das Alter seiner Profis keine Rolle, wie er in Blickpunkt Sport im BR Fernsehen deutlich machte: "Jung oder alt gibt es bei mir nicht, es gibt gut oder weniger gut." Die guten Spieler hat er aktuell zusammen, wenn auch nicht mehr allzu lange.
Castrop spielt ab Sommer in der Bundesliga bei Borussia Mönchengladbach, Jander dürfte einen ähnlichen Weg gehen. Doch Klose ist darum nicht bange. Schließlich kann er auf ein Nachwuchsleistungszentrum zurückgreifen, das in den vergangenen Jahren mit Can Uzun, Nathaniel Brown oder jüngst Finn Jeltsch regelmäßig Juwelen zu Tage förderte. "Da kommt wirklich was nach", ist er sich auch diesmal sicher.
Einer, der in dieser Saison den Sprung in die erste Mannschaft geschafft hat, ist der junge Tim Janisch. Der 19-Jährige hat sich rechts hinten festgespielt und dürfte auch in der kommenden Saison fest unter Klose eingeplant sein.
Klose-Verlängerung nur noch eine Frage der Zeit
"Ich passe hierhin wie Arsch auf Eimer", hatte Klose auf der Jahreshauptversammlung 2024 gesagt und den Eindruck konnte man auch jüngst beim 3:0 im Derby gewinnen. Wieder standen Klose die Tränen in den Augen, nachdem sein Team den Nachbarn in Halbzeit eins regelrecht auseinander geschraubt hatte. Schon beim Hinspiel-Erfolg vergoss er Tränen vor Glück.
In dem schnelllebigen Fußballgeschäft, in dem die Halbwertszeit derartiger Bekenntnisse für gewöhnlich sehr kurz ist, scheint Klose auch in dieser Hinsicht eine Ausnahme zu sein. Derzeit ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Verein mit Klose den Vertrag vorzeitig verlängert. Die Dauer des aktuellen Arbeitspapiers ist nicht bekannt.
Doch Klose hat noch viel vor mit seinem 1. FC Nürnberg: "Wenn ich sehe, wie sehr sich die Spieler in dieser kurzen Zeit verbessert haben, dann freue ich mich auf die Zukunft. Wir haben bereits gute Spieler ausgebildet und weiterentwickelt. Das ist unser Weg und wir werden nicht aufhören, daran weiterzuarbeiten."
Im Video: Miroslav Klose zu Gast in Blickpunkt Sport
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Quelle: Blickpunkt Sport 30.03.2025 - 21:45 Uhr