Sven Hannawald und Ulrike Scharf (Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales)

Auszeichnung für soziales Engagement Hannawald offen: Thema Mentale Gesundheit "immer noch behaftet"

Stand: 04.04.2025 16:30 Uhr

Im Rahmen der Verleihung der Bayerischen Staatsmedaille spricht der ehemalige Skispringer Sven Hannawald über mentale Gesundheit im Sport. Kurz zuvor hatte Skispringerin Anna Hollandt, früher Rupprecht, aus diesem Grund die Saison beendet.

Von Karoline Kipper

In der Allerheiligen Hofkirche der Münchner Residenz nahm der ehemalige Skispringer Sven Hannawald eine Auszeichnung für sein soziales Engagement entgegen. Seine Stiftung setzt sich neben der Jugendförderung für psychische Gesundheit ein. Der 50-Jährige redete bei der Verleihung ganz offen über das Thema: "Auch in der Hoffnung, dass im Publikum eine Person sitzt, die es selber betrifft und durch die Veranstaltung dann den Mut hat, die richtigen Wege zu finden."

Skispringerin Hollandt: "Musste die Saison frühzeitig beenden"

Den richtigen Weg sucht aktuell auch Anna Hollandt, früher Rupprecht. Die deutsche Skispringerin fehlte beim Weltcupfinale in Lahti, wie auch schon bei den Weltmeisterschaften in Oslo. Den Grund dafür teilte die 28-Jährige auf Instagram mit: "Ich musste die Saison frühzeitig beenden, da ich gemerkt habe, dass ich mich mental immer tiefer in die Sch**** reite", so Hollandt.

Dieses Gefühl kennt Sven Hannawald. Der Gewinner der Vierschanzentournee 2002 beendete 2005 seine Skisprung-Karriere nach einer überstandenen Burnout-Erkrankung. "Als Sportlerin oder Sportler musst du fit sein, um mithalten zu können. Ansonsten ist es Zeitverschwendung und deswegen kann ich Anna Hollandt total verstehen. Ich mache jetzt aber nicht einen auf – dass es mutig sei, dass sie die Saison aufgehört hat – sondern für mich ist es normal, wenn es nicht funktioniert und sie keine Power mehr hat", so Hannawald.

Hannawald: "Die Arbeit ist immer und überall mit dabei."

Im Rahmen der Verleihung der Bayerischen Staatsmedaille für soziale Verdienste sprach der ARD-Experte im BR24Sport-Interview über mentale Gesundheit, für die sich der 50-Jährige neben der Jugendförderung mit seiner Stiftung engagiert. "Das Thema ist immer noch behaftet mit: Irgendwie ganz schwierig, kann man nicht drüber reden." Ein Problem sei die ständige Erreichbarkeit durch Smartphones und Co., findet der zweimalige Skiflug-Weltmeister: "Die Arbeit ist immer und überall mit dabei und das ist das, was krank macht."

Hollandt will zurück kommen: "Flamme brennt"

Für Hannawald ist entscheidend, zu wissen, wann man eine Pause braucht: "Wenn man nicht früh lernt, kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man sich mal rausnimmt, dann wird es für die aktuelle Generation und für die Folgegeneration noch schwieriger."

Für die Skispringerin Hollandt war der Zeitpunkt gekommen, sich rauszunehmen: "Um tiefe mentale Probleme vorzubeugen oder nicht noch zu vertiefen, bin ich den Schritt gegangen und habe seither viel an mir gearbeitet, Abstand zur Sportwelt bekommen und genossen, was das Leben ohne den Sport zu bieten hat", schrieb die Oberbayerin auf Instagram. Von Karriereende sprechen möchte sie aber noch nicht: "Ich habe trotz dessen gemerkt, dass es noch nicht vorbei ist mit mir und dem Skispringen, da tief in mir immer noch eine Flamme brennt."

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Quelle: BR24Sport 04.04.2025 - 18:30 Uhr